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Lamar, Jake

(*1961)

Geboren und aufgewachsen in der New Yorker Bronx, studierte Jake Lamar an der Harvard University mit einem Bachelor-Abschluss 1983. Danach schrieb er sechs Jahre für das ‚Time Magazine‘. 1991 veröffentlichte er seine Jugenderinnerungen ‚Bourgeois Blues‘. Seit 1993 lebt er als Autor von Romanen, Kurzgeschichten und Theaterstücken im 18. Arrondissement von Paris und unterrichtet kreatives Schreiben an der Hochschule Sciences Po. Er ist seit 1999 mit Dorli verheiratet.

Im deutschsprachigen Raum debütierte Lamar 2024 mit ‚Das schwarze Chamäleon‘, der Übersetzung des im Original bereits 2001 erschienenen Krimis ‚If 6 Were 9‘. 2025 folgte der bisher letzte Roman ‚Viper’s Dream‘, der 2021 zuerst auf Französisch erschienen ist. Beide Bücher wurden in der Edition Nautilus publiziert, ausgezeichnet übersetzt durch den Krimiautor Robert Brack.

‚Das schwarze Chamäleon ist ein glänzend gebauter, schwarzhumoriger Mix aus Whodunit und Gesellschaftssatire, angereichert mit Rückblenden, politischen Querverbindungen und sarkastischen Passagen. Als (höchst unzuverlässiger) Erzähler der im Februar 1992 spielenden Geschichte fungiert Clay Rubinette – schwarzer, glücklich mit der ebenfalls schwarzen Feministin Penelope verheirateter Vater von zwei kleinen Mädchen. Er war ein angesehener Journalist, bis er aufgrund von gefälschten Zitaten abgesägt wurde und sich seither als Dozent am Afriamerika-Institut an der Arden University in Ohio durchschlägt. Die zweite (ebenfalls fiktive) Hauptfigur ist der legendäre Black-Power-Aktivist Reggie Brogus, Autor des berühmt-berüchtigten Buchs ‚LIVE BLACK OR DIE!‘, der sich nach der Ermordung von Martin Luther King am 4. April 1968 in einen ultrarechten, neoliberalen Drecksack verwandelte; ein fetter, grossmäuliger Professor, der seinen Kollegen Clay Rubinette von Panik ergriffen Mitten in der Nacht anruft, als er in seinem Büro die Leiche einer nackten weissen Studentin auffindet – vergewaltigt und mit seinen Hosenträgern erwürgt. Clay soll ihm den Kopf aus der Schlinge ziehen, doch als er am Schauplatz des Verbrechens erscheint, trifft ihn fast der Schlag, denn das Opfer war seine Studentin. Und bis vor kurzem auch seine Geliebte. Schnell ist klar, dass ihn dies zum Hauptverdächtigen macht. Brogus hingegen vermutet hinter dem Mord einen Versuch des FBI, ihn „als unliebsamen Zeugen“ zu beseitigen, und taucht unter. Kommissarin Patsy DeFestina, eine ehemalige Nonne, leitet die Ermittlungen. Und zeigt auf, dass Gut und Böse nichts mit der Hautfarbe zu tun haben.

‚Viper’s Dream‘ erzählt auf knapp zweihundert Seiten die faszinierende Geschichte des Afroamerikaners Clyde Morton, genannt Viper, der 1936 mit neunzehn seinen Heimatort Meachum, Alabama, verlässt, um in Harlem als Jazz-Trompeter gross einzuschlagen – und stattdessen mangels musikalischer Begabung eine Verbrecherlaufbahn einschlägt: vom brutalen Eintreiber für den jüdischen Gangsterboss Orlinsky zum legendären Dope-Händler, der die Musiker mit erstklassigem Stoff versorgt. Inspiriert durch die griechische Mythologie, zeichnet Lamar ein vielschichtiges Bild vom Harlem der 40er- und 50er-Jahre, als der Bebop den Swing ablöst und die Jazzszene durch harte Drogen zerstört wird. Eine tragisch endende Liebesgeschichte, Cameos von Grössen wie Charlie „Bird“ Parker, Miles Davis, Dizzy Gillespie und Thelonious Monk und eine Playlist des Autors runden den düsteren Roman ab.

Bibliografie:

American Mysteries in Paris: ‚Rendezvous Eighteenth‘ (2003), ‚Ghosts of Saint-Michel‘ (2006);

Standalones: ‚The Last Integrationist‘ 1996), ‚Close to the Bone‘ (1999), ‚If 6 were 9′ – Das schwarze Chamäleon‘ (2001), ‚Viper’s Dream‘ – ‚Viper’s Dream‘ (Original: 2023; auf Französisch: 2021; auf Deutsch: 2025).

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