(Pseudonym für Rüdiger Richartz, *1953)
Geboren in Frankfurt/Main, aufgewachsen in Bad Oeynhausen, Nordrhein-Westfalen, studierte Jan Zweyer Architektur an den Fachhochschulen Bochum und Dortmund und danach Sozialwissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum. Nachdem er als freier Journalist und in Industrieunternehmen gearbeitet hatte, machte er Ende der 90er-Jahre das Schreiben von Kurzgeschichten und Kriminalromanen zum Hauptberuf. Er lebt seit vielen Jahren mit seiner Frau in der Ruhrstadt Herne.
Aus seinem umfangreichen, vielfältigen Werk ragen die drei im Ruhrpott angesiedelten Kommissar Peter Goldstein-Romane heraus. Tiefgründig recherchiert, sorgfältig gebaut und getragen von einprägsamen Figuren, zeichnet die mit viel Lokalkolorit gefärbte Trilogie eindrucksvolle Sittengemälde der Weimarer Republik, der Nazi- und der Nachkriegszeit. Eine fein gesponnene Mischung aus Kriminalroman und Zeitgeschichte. Die interessanteste, für die beschriebene Epoche paradigmatische Gestalt ist Peter Goldstein: ein naiver, opportunistischer, nicht besonders kluger Mitläufer, aber auch ein sorgfältiger, hartnäckiger Ermittler, der durchaus zu Schuldgefühlen fähig ist.
Der erste Band, ‚Franzosenliebchen‘, spielt Anfang 1923, in der Zeit der Weimarer Republik. Vier Jahre nach dem „Schandvertrag von Versailles“ beschränkt sich die demoralisierte Bevölkerung vorerst noch auf passiven Widerstand gegen die verhassten französischen Besatzer, die NSDAP befindet sich bereits im Aufwind, und skrupellose Geschäftsleute setzen alles daran, von der galoppierenden Rezession zu profitieren. Agnes Treppmann, Dienstmädchen bei einem reichen, jüdischen Kaufmann, wird nachts auf dem Heimweg mit einem französischen Armeegürtel erwürgt. Das Militärgericht spricht die zwei des Mordes angeklagten Soldaten frei, worauf die Berliner Polizei den 28-jährigen, fliessend französisch sprechenden Kriminalassistenten Peter Goldstein für verdeckte Untersuchungen ins westfälische Kohlerevier entsendet. Auch Agnes‘ auf Rache sinnender Vater, der unbeugsame Sozialdemokrat und Gewerkschafter Hermann Treppmann, begibt sich auf die Suche nach dem Mörder. Wie der Titel nahelegt, handelte es sich um ein Verbrechen aus Leidenschaft – mit einer unerwarteten, aber durchaus nachvollziehbaren Auflösung,
‚Goldfasan‘ ist im Frühjahr 1943 angesiedelt – zwei Monate nach der vernichtenden Niederlage in Stalingrad. In der Ruhrstadt Herne ist die polnische Haushaltshilfe des stellvertretenden NSDAP-Kreisleiters Walter Munder verschwunden, kurz danach wird die Leiche eines Neugeborenen im nahegelegenen Wald gefunden. Kriminalhauptkommissar Peter Goldstein ist für die Aufklärung der vermutlich zusammenhängenden Fälle verantwortlich. Goldstein, der sich Golsten nennt, seitdem er vor zehn Jahren der NSDAP und der SS beigetreten ist, um seine Karriere nicht zu gefährden, fasst ein heisses Eisen an, als er dem „Goldfasan“ Walter Munder gegen den Willen seines Vorgesetzten, Kriminalrat und SS-Sturmbannführer Wilfried Saborski, zu Leibe rückt. Erschwerend kommt hinzu, dass Golstens Schwiegervater Hermann Treppmann (Golsten ist inzwischen mit Lisbeth verheiratet, der jüngeren Schwester der vor zwanzig Jahren ermordeten Agnes) im gemeinsamen Wohnhaus einen kommunistischen Juden versteckt.
Deutschland, 1950 – zwischen Krieg und Wirtschaftswunder. Die Entnazifizierung ist in vollem Gang, Kriegsgewinnler und ehemalige NSDAP- und SS-Mitglieder scheuen keine Mittel, um den titelgebenden „Persilschein“ zu erhalten, was ihnen meistens auch gelingt, denn im Kampf gegen den bolschewistischen Feind wird jeder Mann gebraucht. Zu den „Rehabilitierten“ gehören der einflussreiche, über Leichen gehende Kriegsgewinnler Wieland Trasse, Hauptkommissar Peter Goldstein und sein Chef Saborski. Goldstein ermittelt einen Mordfall, der es in sich hat: In Bochum ist in einem zerbombten Hinterhof ein Mann mit durchtrennter Kehle aufgefunden worden – ein Mann mit zwei Identitäten: Als Uwe Schmidt bewohnte er eine schäbige Mansardenwohnung, als Major Knut Lahmer war er Angehöriger der Geheimen Feldpolizei, einer Behörde, die sich Zahngold und jüdische Kunstobjekte unter den Nagel riss. Als kurz danach auch Lahmers Mörder Wolfgang Müller, ein Mitarbeiter von Trasse, gewaltsam ums Leben kommt, wird dies von oben kurzerhand als Selbstmord abgetan. Doch Goldstein lässt sich nicht so leicht ins Bockshorn jagen. Er setzt die Ermittlungen heimlich fort, kommt alten Seilschaften auf die Spur, überlebt einen Anschlag auf sein Leben nur mit sehr viel Glück – doch dann beginnt der Mut ihn zu verlassen.
Bibliografie;
Rainer Esch-Serie: ‚Glück auf Glück ab‘ (1998), ‚Alte Genossen‘ (1999), ‚Siebte Sohle, Querschlag West‘ (1999), ‚Tödliches Abseits‘ (2000), ‚Georgs Geheimnis‘ (2000), ‚Tatort Töwerland‘ (2001), ‚Verkauftes Sterben‘ (2004), ‚Töwerland brennt‘ (2012);
Jan Büsing-Romane: ‚Glänzender Tod‘ (2002), ‚Als der Himmel verschwand‘ (2005);
Kommissar Goldstein-Trilogie: ‚Franzosenliebchen‘ (2007), ‚Goldfasan‘ (2009), ‚Persilschein (2011);
Mittelalter-Romane: ‚Das Mündel‘ (2015), ‚Freund und Feind‘ (2015), ‚Im Dienst der Hanse‘ (2016), ‚Ein Königreich von kurzer Dauer‘ (2017), ‚Schwarzes Gold und alte Missgunst‘ (2018), ‚Das Verrätermal‘ (2022);
Einzelwerke: ‚Eine brillante Masche‘ (2014), ‚Starkstrom‘ (2018), ‚Der vierte Spatz‘ (2020), ‚Fake News‘ (2021).
