Website-Icon Krimiautoren von Abel bis Zeltserman

Teran, Boston

(Ungelüftetes Pseudonym)

Geboren in der South Bronx als Spross einer italienischstämmigen Familie, wuchs Boston Teran bei seiner Grossmutter und seiner Tante auf. Er lebt in Kalifornien und hat seit 1999 siebzehn Romane zu Papier gebracht. Die Verwendung eines Pseudonyms begründete er einem Interview mit „dem Schutz des kreativen Prozesses und der Privatsphäre: Die Person des Autors sei für das Werk vollkommen irrelevant und lenke nur unnötig ab.“ Sein erster Roman, ‚God Is a Bullet‘, wurde 2023 von Nick Cassavetes verfilmt.

Sein Debüt im deutschsprachigen Raum gab der vor allem in Frankreich und den Vereinigten Staaten verehrte Autor im Jahr 2024 mit seinem fünften Roman ‚The Gardens of Grief‘, der unter dem Titel ‚Gärten der Trauer‘ im Elsinor Verlag erschienen ist. Herausgegeben und mit einem gehaltvollen Nachwort versehen von Martin Compart, ausgezeichnet übersetzt von Jakob Vandenberg.

Den Hintergrund der tiefschwarzen Geschichte bilden der Erste Weltkrieg und, vor allem, der Genozid an den Armeniern durch das Osmanische Reich und dessen Bündnispartner Deutschland. Im Mittelpunkt steht der mexikanische Staatsbürger John Lourdes, ein junger, integrer, aus desolaten Verhältnissen kommender FBI-Agent mit Wohnsitz in Texas, der mit einem Geheimauftrag in das Osmanische Reich geschickt wird. Vordergründig soll er den armenischen Priester und Volkshelden Malek aufspüren und in die Stadt Van überführen, das Zentrum des armenischen Widerstands. Den Amerikanern geht es allerdings nicht um das Schicksal des armenischen Volkes, sondern um die Kontrolle über die riesigen Ölfelder in Baku und Basra. Der Priester bringt es auf den Punkt: „Sie wollen Öl, wir einen Staat.“

Begleitet von einer Handvoll wehrhaften Männern erreicht Lourdes das Dorf Sophia, wo Malek unter grausamen Umständen – an einen Pfahl gekettet, nachdem man ihm Hufeisen an die Füsse geschlagen hat – gefangen gehalten wird. Die Befreiung gelingt, die beschwerliche Flucht zu Pferd und auf einem Floss in die hundert Kilometer entfernte Stadt Van nimmt ihren Lauf, doch der niederträchtige deutsche Offizier Bodo Franke und seine aus freigelassenen Schwerverbrechern bestehende Einheit sind ihnen hart auf den Fersen.

Boston Terans Bilder des Genozids:

„Sie zogen an zerstörten Karren vorbei, die zerhackt waren, weil Feuerholz gebraucht wurde; sie sahen Gerippe von Maultieren, die man gehäutet und verspeist hatte. Und sie sahen Knochen, die niemand begraben hatte. Das Land, das sie jetzt betraten, legte Zeugnis ab von einer Endlösung, die Menschen ersonnen hatten. Die ausgemergelten Gesichter, deren Augen die Reiter anstarrten, waren die Gesichter von Frauen, und mit ihnen litten und verhungerten ihre Kinder.“

„Das Floss trieb vorbei an Leichen, die aufgespiesst an Ästen hingen, an Leichen, die man gefesselt und geknebelt und paarweise aneinandergebunden hatte.“

„Dies hier war ein Friedhof von barbarischen Ausmassen, ein Friedhof aus Rache und Hass.“

‚Gärten der Trauer‘, auf Fakten beruhend, stilistisch brillant und meisterhaft komponiert, ist ein rasanter, aufwühlender, streckenweise schwer erträglicher Thriller mit denkwürdigen Figuren.

Bibliografie:

John Lourdes-Romane: ‚The Creed of Violence‘ (2009), ‚Gardens of Grief‘ – ‚Gärten der Trauer‘ (2010), ‚The White Country‘ (2025).

Andere Romane: ‚God Is a Bullet‘ (1999), ‚Never Count Out the Dead‘ (2001), ‚The Prince of Deadly Weapons‘ (2002), ‚Giv – The Story of a Dog in America‘ (2009), ‚The World Eve Left Us‘ (2012. Zuerst auf Französisch unter dem Titel ‚Trois Femmes‘, 2006), ‚The Cloud and the Fire‘ (2013), ‚The Country I Lived In‘ (2014), ‚By Xour Deeds‘ (2016), ‚A Child Went Forth‘ (2018), ‚How Beautiful They Were‘ (2019), ‚Two Boys at Breakwater‘ (2021), ‚Crippled Jack‘ (2022), ‚Big Island LA‘ (2023).

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