(1933-1996)
William C. Caunitz, geboren und aufgewachsen in Brooklyn als Sohn einer Hausfrau und eines Pianisten, ging an die Easmus High School. Von 1949 bis 1953 diente er bei der Marine. Nach kurzer Tätigkeit in der Versicherungsbranche stand er dreissig Jahre im Dienst des NYPD, zuletzt als Detective Squad Commander. Er gehörte zu den engsten Mitarbeitern des legendären Cops Frank Serpico, der 1970 als Kronzeuge gegen seine korrupten Kollegen aussagte. Nebenberuflich schloss er an der Hofstra University ein Geschichtsstudium mit einem Master ab. Seinen Plan, nach der Pensionierung eine Laufbahan als Lehrer zu beginnen, verwarf er schliesslich zugunsten des Krimi-Scheibens.
1984 debütierte er mit ‚One Police Plaza‘, der 1986 für das Fernsehen verfilmt worden ist. Die Verfilmung seines zweiten Krimis ‚Suspects‘ kam 1991 unter dem Titel ‚Homicide‘ in die Kinos. Caunitz‘ Romane zeichnen sich aus durch spektakuläre Plots und die ungemein realistische Darstellung des rauen, sich zwischen lebensgefährlichen Aktionen, hastigen sexuellen Begegnungen und äusserster Langeweile abspielenden Alltags einer urbanen Polizeitruppe. Das New York Police Department sah er als „monolithischen Geheimbund mit ungeschriebenen Gesetzen und Ritualen, die manche Männer daran hinderten, ein richtiges Privatleben zu führen“. Mit 63 Jahren erlag Caunitz in Forida einer chronischen Lungenerkrankung. Er hinterliess seine beiden Töchter Beth Budofsky und Katherine Herer.
‚One Police Plaza‘ (Bezeichung für das Hauptquartier des NYPD, kurz 1PP) ist 1987 unter dem Titel ‚Verdammte Stadt‘ bei Bastei Lübbe erschienen. Die an zwei eigene Fälle angelehnte Geschichte beginnt mit dem Mord an der jungen jüdischen Reiseberaterin Sara Eisinger. Detective Lt. Dan Malone, ein abgebrühter, von seinem Beruf besessener NYPD-Cop irischer Herkunft, leitet die Ermittlungen. Bald wird ihm klar, dass Eisingers Arbeitsplatz als Tarnung für illegale Waffengeschäfte dient. Und dass leitende NYPD-Beamte, die CIA und korrupte, rachedurstige Politiker seiner Arbeit im Weg stehen. Nach weiteren Morden und einem Anschlag auf Malone kommt es zu einem atemberaubenden, kriegsähnlichen Showdown auf den Strassen von New York, an dem auch muslimische Extremisten, der Mossad und die US-Army beteiligt sind.
Auch ‚Renegade Zero‘ beruht auf einem authentischen Verbrechen. In Brooklyn betritt ein alter, obdachloser Mann mit abgesägter Schrottflinte Yettas Süssigkeitenladen und erschiesst die Besitzerin und ihren Kunden, den begabten und allseits beliebten NYPD-Drogenfahnder Joe Gallagher. Detective Lt. Tony Scanlon ermittelt und entdeckt, dass das Privatleben seines ehemaligen Kollegen von sexuellen Exzessen, Wettleidenschaft und hohen Schulden geprägt war; und dass Yetta für die organisierte Kriminalität gearbeitet hat. Doch wer von beiden war das primäre Ziel des Mörders? Diese Frage stellt sich umso mehr, als dieser kurz danach erneut zuschlägt: Yettas Sohn und dessen Frau sind die Opfer. Gibt es eine Verbindung zwischen den beiden Doppelmorden? Befindet sich der Täter in den Reihen der Polizei? Unter dem Codenamen „Renegade Zero“ organisiert Scanlon eine verdeckte Operation. Viel Raum gewährt der Autor den seelischen Nöten seines unbeugsamen Protagonisten Tony Scanlon, der kürztlich bei einem Einsatz ein Bein verloren hat und daran beinah zerbrochen ist. „Tony dachte an die beiden Welten, in denen er lebte. Seine dienstliche mit ungewissen Loyalitäten und bitteren Realitäten, die auch Idealisten hart und zynisch machte. Und seine private Welt mit Unsicherheit, Einsamkeit, Nutten und Stumpfsocken.“
Bibliografie:
‚One Police Plaza‘ – ‚Verdammte Stadt‘ (1984), ‚Suspects‘ – ‚Renegade Zero‘ (1986), ‚Black Sand‘ (1989), ‚Exceptional Clearance‘ (1991), ‚Cleopatra Gold‘ (1993), ‚Pigtown‘ (1995), ‚Chains of Command‘ (vollendet von Christopher Newman, 1999).
