Website-Icon Krimiautoren von Abel bis Zeltserman

Mars, Kettly

(*1958)

Kattly Mars kam in Port-au-Prince, der Hauptstadt Haitis, als Kind einer Mittelstandsfamilie zur Welt und wuchs dort mit vier älteren Brüdern auf. Ende der 70er-Jahre nahm sie eine Stelle bei der Stadtverwaltung an. Sie war bereits eine bekannte Lyrikerin, als sie 1999 als Prosaautorin debütierte. Nach dem grossen Erdbeben vom 12. Januar 2010, das über 300’000 Menschen das Leben kostete, gab die dreifache Mutter ihren Brotberuf auf, um sich ganz auf das Schreiben zu konzentrieren. Ihr Werk umfasst zwei Gedichtbände, zwei Novellen und neun Romane, unter ihnen die Thriller ‚La Saison sauvage‘ (2012 unter dem Titel ‚Wilde Zeiten‘ in dem auf frankophone karibische Literatur spezialisierten Kleinverlag Litradukt erschienen) und ‚L’Ange du patriarche‘. Kettly Mars ist eine der wichtigsten Schriftstellerinnen des gebeutelten Landes.

‚Wilde Zeiten‘ spielt 1963/64 in Port-au-Prince. Es ist die Zeit, in der sich der blutrünstige Diktator Papa Doc Duvalier anschickt, Präsident auf Lebenszeit zu werden. Willkür und Staatsterrorismus, Folter und Mord und grenzenlose Korruption prägen das Land, und die Kommunisten sind entweder tot oder schmoren im Knast. Einer von ihnen ist der dissidente Journalist Daniel Leroy, dessen Frau Nirvah, eine wunderschöne Mulattin mit zwei halbwüchsigen Kindern, Maria und Nicolas, sich auf ein Verhältnis mit dem „krötenäugigen“ Staatssekretär Raoul Vincent – Chef des Ministeriums für Verteidigung und Öffentliche Sicherheit – einlässt, um ihren Gatten freizubekommen, oder ihm wenigstens das Leben hinter Gittern zu erleichtern. Als der monströse Politiker immer tiefer in das Leben der Familie eindringt, setzt bei Virah ein Identitätsverlust ein. Sie beginnt Gefallen zu finden an Vincents grosszügigen Geschenken; und an den Vorteilen, die das Leben an seiner Seite mit sich bringt. Schutz, Genuss und Geld. Ein Pakt mit dem Teufel. Bis sie nicht mehr verdrängen kann, dass auch ihre Kinder Vincents Sexualtrieb ausgesetzt sind. Und sich mit dem Mut der Verzweiflung dem Scheusal entgegenstellt. ‚Wilde Zeiten‘: ein erschütternder, vielstimmiger Politthriller mit faszinierenden Psychogrammen und einer unvergesslichen Protagonistin.

Bibliografie:

‚La Saison sauvage‘ – ‚Wilde Zeiten‘ (2010), ‚L’Ange du patriarche‘ (2018).

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