Website-Icon Krimiautoren von Abel bis Zeltserman

Brown, Larry

(1951-2004)

Geboren und aufgewachsen in Oxford, Mississippi, als Sohn eines Farmers und einer Ladenbesitzerin, war Larry Brown von 1970 bis 1972 Soldat bei der Marine, anschliessend bis 1990 Feuerwehrmann beim Oxford Mississippi Fire Department. Seit der Jugendzeit besessen vom Schreiben, inspiriert durch das Werk von Raymond Carver, Flannery O’Connor, Cormac McCarthy und William Faulkner, verfasste er in seiner Freizeit ungezählte Stories, die jedoch zunächst unveröffentlicht blieben. 1988 debütierte er mit dem Kurzgeschichtenband ‚Facing the Music‘. Im folgenden Jahr erschien sein erster Roman ‚Dirty Work‘. Es folgten fünf weitere Romane, die Story-Sammlung ‚Big Bad Love‘ (1990), die Autobiografie ‚On Fire‘ (1995) und der Essayband ‚Biy Ray’s Farm: Essays from a Place Called Tulsa‘ (2001). Nebenbei verrichtete er handwerkliche Jobs. 2002 drehte Gary Hawkins den Dokumentarfilm ‚The Rough South Of Larry Brown‘.

Larry Brown starb 53-jährig an einem Herzinfarkt. Er hinterliess seine Frau Mary Annie, zwei Söhne und eine Tochter. Drei Jahre nach seinem Tod erschien bei ‚Bloodshots Records‘ die Kompilation ‚Just One More – A Musical Tribute To Larry Brown‘ mit Tracks von Grössen wie Vic Chesnutt, Jim Dickinson, T-Model Ford und Alejandro Escovedo sowie von Larry Brown selbst. Auf Deutsch sind ‚Fay‘ (2016) und‘ Joe‘ (2017), grossartig übersetzt durch Thomas Kunkel, als „Heyne Hardcore“-Romane verfügbar.

Joe, ein starker Trinker mit gelegentlichen Gewaltausbrüchen – er sass 29 Monate im Zuchthaus, weil er einen Polizisten krankenhausreif geprügelt hatte -, geschiedener Vater von zwei erwachsenen Kindern, ist ein harter Arbeiter und im Grunde ein anständiger Kerl. Zufällig trifft er auf den rechtschaffenen fünfzehnjährigen Analphabeten Gary, der mit seiner obdachlosen texanischen White-Trash-Familie – dem durch und durch schlechten Vater Wade, der abgelöschten (namenlosen) Mutter und den jüngeren Schwestern Fay und Dorothy – in Mississippi in einer schäbigen Waldhütte strandet und von Joe als Tagelöhner angestellt wird. Er gibt sich eine Heidenmühe, Joes Anforderungen gerecht zu werden, und gehört schon bald zu seinen besten Helfern, währen Wade seine Töchter für schnellen Sex an fremde Männer verhökert und für eine Flasche Whiskey auch mal einen Mord begeht. Die schroffe, in einem kargen Stil erzählte Geschichte gehört den zerrissenen, kompromisslosen, dem Untergang geweihten Aussenseitern, die trotz allem einen Funken Lebensfreude bewahren konnten. Sie wurde 2013 von David Gordon Green mit Nicolas Cage als Joe, Tye Sheridan als Gary und Gary Poulter als Wade verfilmt.

Browns vierter Roman ‚Fay‘ ist eine Art Fortsetzung von ‚Joe‘, in dem Garys Schwester Fay eine Nebenfigur war. Sie musste die Schule nach fünf Jahren verlassen, um auf den Obstfeldern Geld zu verdienen. Jetzt, mit siebzehn, ist sie auf der Flucht vor ihrem zunehmend übergriffigen Vater, auf der Suche nach Geborgenheit und Liebe. Ungebildet, aber lernfähig und innerlich stark – sie ruht in sich selbst. Ihr Ziel ist die Küstenstadt Biloxi im Süden des Staates Mississippi, dort will sie ein neues Leben beginnen. „Mein Daddy ist ein Säufer, meine Mutter ist total verrückt, sie wohnen in einer Hütte im Wald, und der Fussboden ist so dreckig, dass man nicht barfuss drübergehen will. Und drinnen muss man vorsichtig sein, weil die Wespen überall ihre Nester bauen. Wollen Sie sonst noch was wissen?“

Unterwegs begegnet Fay dem State Trooper Sam, der sie unter seine Fittiche nimmt, doch die Idylle wird durch eine Kette von verhängnisvollen Zwischenfällen bald beendet: Sams Frau erleidet einen tödlichen Verkehrsunfall, Fay und Sam verlieben sich ineinander, sie wird schwanger von ihm, erschiesst in Notwehr seine eifersüchtige Ex-Geliebte – und sieht keinen anderen Ausweg, als Sam zu verlassen. Ihrer anziehenden Wirkung auf Männer kaum bewusst, findet sie Unterschlupf bei Aaron, der als Rausschmeisser in einem Striplokal arbeitet. Aaron gibt sich als umgänglicher, hilfsbereiter Typ, doch er handelt mit Drogen, ist psychisch labil und geht schnell in die Luft. Fay beginnt eine sexuell motivierte Beziehung mit ihm, während Sam verzweifelt nach ihr sucht. In Biloxi treffen die beiden Männer hart aufeinander.

‚Fay‘ ist eine grandiose Mischung aus Entwicklungsroman und Country Noir, ein Meilenstein des „Rough South“ mit einer einzigartigen Hauptperson, die fest im Gedächtnis haften bleibt.

Bibliografie:

‚Dirty Work‘ (1989), ‚Joe‚ – ‚Joe‚ (1991), ‚Father and Son‘ (1996), ‚Fay‘ – ‚Fay‘ (2000), ‚The Rabbit Factory‘ (2003), ‚A Miracle of Catfish‘ (unvollendet, 2007).

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