Website-Icon Krimiautoren von Abel bis Zeltserman

Pines, Paul

(1941-2018)

Geboren und aufgewachsen in Brooklyn als Sohn einer russisch-jüdischen Juristin und eines polnischstämmigen Arztes, ausgebildet am Bard College in Red Hook, New York State, und an der State University of New York (SUNY) in Albany, war Paul Pines anschliessend zwei Jahre als Matrose im Fernen Osten unterwegs. Nach längerem Aufenthalt in San Francisco während der „Meet the Beats“-Bewegung arbeitete er in New York als Bartender und Taxifahrer, bis er 1973 den Jazzclub ‚The Tin Palace‘ im East Village gründete – und zu einem Zentrum des kulturellen Untergrunds machte. Die Wirtschaftsrezession zwang ihn dazu, den Club nach fünf Jahren zu verkaufen.

In den 80er-Jahren bereiste Pines Zentralamerika. Danach unterrichtete er Anglistik und kreatives Schreiben an der SUNY Adirondack, bis er sich 2007 in Glens Falls, NY State, als Psychotherapeut niederliess. Darüber hinaus rief er 1984 das berühmte Festival „Jazz at the Lake: Lake George Jazz Weekend“ in upstate New York ins Leben. Nebenberuflich veröffentlichte er dreizehn Gedichtbände, den Krimi ‚The Tin Angel‘ (‚Der Blechengel‘), den Roman ‚Redemption‘ über den Bürgerkrieg in Guatemala, die Memoiren ‚My Brother’s Madness‘ über den psychischen Zusammenbruch seines jüngeren Bruders und zahlreiche Essays zu kulturellen Themen. Der „Poet of Jazz“ starb 77-jährig in Glens Falls an Lungenkrebs. Er hinterliess seine Frau Carol, die er 1985 geheiratet hatte, und seine 1986 geborene Tochter Charlotte.

Ins Zentrum des Noirs ‚Der Blechengel‘ stellt Pines das fiktive (seinem ‚Tin Palace‘ nachgezeichnete) Jazzlokal ‚The Tin Angel‘. Der Ich-Erzähler Pablo Waitz, ein melancholischer, grossherziger sephardischer Jude, führt den Laden mit straffer Hand. Keine leichte Aufgabe, bei dieser nicht nur aus Musikfans, sondern auch aus Koksern und Gaunern jeder Couleur bestehenden Kundschaft. Zu Beginn der Geschichte wird sein Freund und Partner Miguel Ponce bei einem Feuergefecht im East Village zusammen mit zwei Cops getötet. Schnell findet Pablo heraus, dass Miguel in einen Drogendeal verwickelt war. Als kurz danach ein Brandanschlag auf ‚The Tin Angel‘ verübt wird, beginnt er zu ermitteln, derweil die Cops sich vornehm zurückhalten.

Neben der rasanten Krimihandlung spielt natürlich auch die Jazzmusik eine wichtige Rolle. Zudem beleuchtet der Autor Pablos vielschichtige Beziehung zu den beiden wichtigsten Frauen in seinem Leben – Miguels Schwester Mary, mit der er seit der Jugendzeit innig verbunden ist, und seine an Krebs erkrankte Mutter Carlotta, die im Spital im Sterben liegt. Fein gezeichnete Figuren, kernige Dialoge, coole Sprüche („sein ganzes Aussehen hatte etwas Altersloses, eine Jugendlichkeit, die sich erhalten hatte wie in Weinessig eingelegte Schweinspfoten“), anschauliche Milieuschilderungen und schnelle szenische Schnitte zeichnen die Erzählung aus. Die exzellente deutschsprachige Version (Übersetzung von Jürgen Behrens, Lektorat von Martin Compart) ist 1985 als gelber Ullstein Krimi erschienen.

Bibliografie:

‚The Tin Angel‘ – ‚Der Blechengel‘ (1983).

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