(*1963)

Geboren in Newcastle upon Tyne, studierte Mick Herron am Oxforder Balliol College mit einem Abschluss in Englischer Literatur. Anschliessend arbeitete er fünfzehn Jahre als Textredakteur in London, wohnte jedoch weiterhin in Oxford. Nachdem er bereits als Teenager seine ersten Gedichte geschrieben hatte, kam 2003 sein erster Roman heraus, ‚Down Cemetery Road‘, der erste Band des Oxford Investigation Quartets mit den Detektivinnen Sarah Tucker und Zoe Boehm als Hauptpersonen (keine deutsche Übersetzung). Es folgten mehrere Kurzgeschichten, ehe ihm 2010 mit ‚Slow Horses‘, Teil 1 der Slough House-Spionageserie, der Durchbruch gelang.

Im heruntergekommenen Dreckloch „Slough House“ ist die Versagertruppe „Slow Horses“ um Jackson Lamb für den britischen Inlandsgeheimdienst MI5 am Werk – sie ordnet Dokumente, spitzt Bleistifte, durchwühlt Müllsäcke und langweilt sich zu Tode. Zu Beginn des ersten Bandes werden die lahmen Gäule ausführlich charakterisiert. Chief Jackson Lamb ist ein stinkender, aufbrausender, furzender Fettsack und ausgekochter Schweinehund. Den Kern seines Teams bilden River Cartwright – Enkel des Top-Spions „OB“ (Kürzel für Old Bastard) -, ihm wurde ein irrwitziges Malheur zum Verhängnis; Sid Baker, jung, alleinstehend und attraktiv, die man aus nebulösen Gründen abservierte; Catherine Standish, eine Endvierzigerin, die an der Flasche hing; Roddy Ho, asozialer IT-Nerd, dem beim Hacken keiner was vormachen kann; Struan Loy, der ein E-Mail verschickte, in dem er andeutete, die MI5-Chefin sei eine al-Quaida-Spionin; Min Harper, geschiedener Vater von zwei halbwüchsigen Söhnen, der eine brisante CD-Rom in der U-Bahn liegenliess; und Luisa Guy, die sich in ihn verknallt. Ihnen gegenüber steht die MI5-Vizechefin Diana Taverner, genannt Lady Di, die stets für ein hinterhältiges Komplott gut ist, und ihre Knallchargen Nick Duffy und James „Spider“ Webb.

Um dieses schillernde Personen-Ensemble spinnt Mick Herron ein stilistisch hochstehendes, mit sarkastischem Witz, herrlichen Dialogen und überraschenden Wendungen garniertes Netz, das alle Aspekte des zeitgenössischen Spionage-Schwachsinns genüsslich seziert. Pflichtlektüre für jeden Leser, der übersättigt ist von den Geschichten um einzelgängerische Rächer, die dem Nahen und Fernen Osten, Lateinamerika und anderen Krisenregionen mit brachialen Mitteln das Fürchten lehren.

Bibliografie:

Zoë Boehm & Sarah Tucker-Quartet: ‚Down Cemetery Road‘ (2003), ‚The Last Voice You Hear‘ (2004), ‚Why We Die‘ (2006), ‚Smoke and Whispers‘ (2009);

Slow House-Serie: ‚Slow Horses‘ – ‚Slow Horses‘ (2010), ‚Dead Lions‘ – ‚Dead Lions‘ (2013), ‚The List‘ (2013), ‚Real Tigers‘ – ‚Real Tigers‘ (2016), ‚Spook Street‘ (2017), ‚London Roules‘ (2018), ‚The Drop‘ (auch unter dem Titel ‚Marylebone Drop‘, Novelle, 2018), ‚Joe Country‘ (2019), ‚The Catch‘ (Novelle, 2020);

Standalones: ‚Reconstruction‘ (2008), ‚Nobody Walks‘ (2015), ‚This Is What Happened‘ (2018).