(*1944)

Bernard Cornwell war ein typisches Kriegsbaby: Geboren in London als Sohn eines kanadischen Kampffliegers und einer Angehörigen der britischen Armee, wurde er kurz nach der Geburt zur Adoption freigegeben und landete bei einer in Essex ansässigen Familie, die einer radikalen Sekte angehörte, und die er nach Abschluss der Grundschule fluchtartig verliess. Nach dem Geschichtsstudium an der London University unterrichtete er dieses Fach, ehe er zehn Jahre in der Fernsehabteilung der BBC – zuerst in London, später in leitender Funktion in Nordirland – arbeitete. Dort lernte er 1978 seine zweite Frau Judy kennen, die drei Kinder in die 1979 geschlossene Ehe brachte. 1980 wanderte die Familie nach Cape Cod, Massachusetts, aus, und dort er begann zu scheiben. Der Durchbruch gelang ihm mit einer kurz danach gestarteten Serie, in der er die Abenteuer des englischen Soldaten Richard Sharpe während der Napoleonischen Kriege farbenfroh in Szene setzte.

Neben seinen viel beachteten Historien- und Abenteuerromanen verfasste der leidenschaftliche Skipper eine Handvoll von ihm als Segel-Thriller bezeichnete Krimis. Unter ihnen ‚Der Schurke‘, eine irrwitzige Geschichte vor dem Hintergrund des irischen Bürgerkriegs und des ersten Golfkriegs, in der sich Gewalteruptionen, besinnliche Momente, Slapstickszenen und trockene Dialoge abwechseln. Der durchtriebene 40-jährige Halunke und Überlebenskünstler Paul Shanahan, Abenteurer, Alleineigentümer der belgischen Firma ‚Nordsee-Jacht. Lieferung, Wartung, Begutachtung von Schiffen‘ und „geheimer Sonderagent der CIA“ mit einer Vergangenheit als Verbindungsoffizier der IRA zu externen Terrororganisationen, wird von irischen Freiheitskämpfern beauftragt, Gold im Wert von fünf Millionen Dollar mit einem Hochsee-Segler von Tunesien nach Miami zu transferieren – für diese von Libyen (dem wichtigsten Waffenlieferanten der IRA) spendierte Summe soll ein kubanisches Konsortium der IRA im Kampf gegen die Briten dreiundfünfzig Stinger-Raketen zur Verfügung stellen. Doch Shanahan hat andere Pläne: Er will sich in Cape Cod im Strandhaus seiner verstorbenen Eltern zur Ruhe setzen – mit einem Startkapital von fünf Millionen. ‚Der Schurke‘, kein Segel-Thriller, sondern ein komplexer Politroman mit raffiniertem Plot, unerwarteten Wendungen und vielschichtigen Figuren, muss sich hinter Brian Freemantles und Len Deightons besten Werken nicht verstecken.

Bibliografie (nur Krimis): ‚Wildtrack‘ – ‚Todesjacht‘ (auch unter dem Titel ‚Hart am Wind‘, 1988), ‚Sea Lord‘ – ‚Der Lord muss sterben‘ (auch unter dem Titel ‚Sea Lord‘, 1989), ‚Crackdown‘ – ‚Schnee in der Karibik‘ (auch unter dem Titel ‚Sturmbucht‘, 1990), ‚Stormchild‘ (1991), ‚Scoundrel‘ – ‚Der Schurke‘ (auch unter dem Titel ‚Unter Segeln‘, 1992).