(*1965)

Louise Welsh kam in London zur Welt und wuchs in Edinburgh auf. Sie studierte Geschichte an der Glasgow University, betrieb danach acht Jahre ein Buchantiquariat in einem Glasgower Hinterhof und absolvierte schliesslich ein Creative-Writing-Seminar. Nach Kurzgeschichten und Artikeln für verschiedene Zeitungen hat sie bislang acht Romane zu Papier gebracht: Vier Krimis, die Seuchen-Trilogie (Sciencefiction) und ‚Das Alphabet der Knochen‘. Sie lebt mit der schottischen Autorin Zoe Strachan im Glasgower Viertel Yorkhill und arbeitet als Dozentin für Kreatives Schreiben an der Glasgow University sowie als Radio- und Fernsehmoderatorin. Darüber hinaus schrieb die pazifistische Frauenrechtlerin Kurzgeschichten, Opernlibretti, Theaterstücke, Gedichte und Skripts für Fernseh- und Radioproduktionen.

’Dunkelkammer’, Welshs dichter, verstörender, mit einem überraschenden Schluss aufwartender Erstlingsroman, dreht sich um Mister Rilke – Anfang vierzig, gross und hager, abgebrüht, homosexuell mit einer Vorliebe für flüchtige Begegnungen, angestellt bei einem schäbigen Auktionshaus in Glasgow -, der von einer betagten Dame beauftragt wird, den Inhalt der Villa ihres verstorbenen Bruders zu versteigern. Auf dessen Dachboden entdeckt er nicht nur eine äusserst wertvolle Sammlung pornographischer Bücher, sondern auch eine Mappe mit alten Schwarz-Weiss-Fotos, auf denen eine junge Frau gequält, vergewaltigt und getötet wird. Rilke, eine gebrochene Figur, dem die Bilder keine Ruhe lassen, mutiert zum Detektiv, seine Ermittlungen führen ihn in die schäbigsten Viertel Glasgows, in die Szene der Transvestiten-Lokale, Pornographen und Menschenhändler – es ist eine Reise in die Dunkelkammer der menschlichen Seele.

’Tamburlaine muss sterben’ spielt im Mai 1593 in einem London, das von Intrigen, Krieg und der Pest gezeichnet ist. Christopher Marlowe, schillernder und sinnenfroher Dramatiker der Vor-Shakespeare-Ära, aber auch Gotteslästerer, opportunistischer Ränkeschmied und Gelegenheitsspion für Königin Elisabeth I. gegen die Katholiken, hat sich mit ketzerischen Äusserungen in Verruf gebracht und versucht nun verzweifelt, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen, doch es hilft alles nichts: Marlowe wird 29-jährig in einem Haus in Deptford erstochen – eine Tat, über deren Hintergründe noch heute gerätselt wird. (Die wildeste Theorie lautet, Marlowe habe seinen Tod vorgetäuscht, um später als William Shakespeare glanzvoll zurückzukehren.)

’Der Kugeltrick’, angesiedelt kurz nach der Jahrtausendwende, erzählt die Geschichte des glücklosen, abgebrannten Magiers William Wilson, der sich nach einem Auftritt in einem schäbigen Londoner Club auf einen lukrativen, jedoch gefährlichen Job einlässt, als ihn der zwielichtige Lokalbesitzer Bill Noon darum bittet, dem hier seine Pensionierung feiernden Ehrengast Detective Inspector James Montgomery einen Umschlag zu stibitzen, mit dessen Inhalt der Cop ihn seit Jahren erpresst. William setzt sich daraufhin mit dem kompromittierenden Material nach Berlin ab, wo ihn sein Agent in einem zweitklassigen Theater unterbringt. Er verliebt sich in die schöne Tänzerin Sylvie – und gerät in die Bredouille, als Bill und sein Lebenspartner kurz nach seinem Verschwinden aus London gewaltsam ums Leben kommen, und Montgomery daraufhin in Berlin aufkreuzt, um den Inhalt des Umschlags zurückzukriegen. Die dritte Station ist die Glasgower Gosse. William verfällt dem Alkohol, wird in einen Mord verwickelt und erneut von seiner Londoner Vergangenheit eingeholt. In vielen Ort- und Zeitsprüngen verknüpft die Autorin reizvolle Schilderungen des Milieus eines längst verblühten Varietés mit einer fesselnden Krimihandlung.

Bibliografie:

‚The Cutting Room‘ – ’Dunkelkammer‘ (2002), ‚Tambourlaine Must Die‘ – ’Tamburlaine muss sterben’ (2004), ‚The Bullit Trick‘ – ’Der Kugeltrick’ (2006), ‚Naming the Bones‘ – ‚Das Alphabet der Knochen‘ (2010), ‚The Girl on the Stairs‘ – ‚Verdacht ist ein unheimlicher Nachbar‘ (2012);

Plague Times-Trilogy (Seuchen-Trilogie): ‚A Lovely Way to Burn‘ – ‚Tödliches Fieber‘ (2014), ‘Death Is a Welcome Guest’ (2015), ‘No Dominion’ (2017).