(*1950)

Andreas Höfele kam in Bad Kreuznacht, Rheinland-Pfalz, zur Welt, und wuchs dort und in Mainz auf. Er studierte Anglistik, Germanistik, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft in Frankfurt/Main und München. Danach arbeitete er zwei Jahre an der University of Ediburgh, gefolgt von acht Jahren am Institut für Englische Philologie in Würzburg, Habilitation 1984. Von 1986 bis 1992 lehrte er Theaterwissenschaft in München, anschliessend Anglistik in Heidelberg. Ab 2000 besetzte er einen Lehrstuhl für Anglistik an der Ludwig-Maximilian-Universität in München, Schwerpunkt Shakespeare. Neben wissenschaftlichen Werken, Beiträgen für Funk und Fernsehen und je zwei nicht dem Krimigenre zuzurechnenden Romanen und Novellen veröffentlichte er in den 90er-Jahren die höchst gegensätzlichen Krimis ‚Tod in Tanger‘ und ‚Der Spitzel‘.

Der junge Hamburger Anwalt Axel Schütz spielt die Hauptrolle in ‚Tod in Tanger‘, einem fetzigen, in knappem Stil erzählten Thriller. Während seines Urlaubs in Marokko gerät Axel in einen Alptraum, als ihm jemand einen Klumpen Haschisch und eine Waffe unterjubelt. Er landet im Knast. Dort wird vor seinen Augen ein Deutscher ermordet, worauf der mächtige Anwalt Brüggemann (Axels Vorgesetzter) seine Freilassung erzwingt. Kaum zurück in Hamburg, wird der arg mitgenommene Protagonist von einem furchterregenden Gespann in die Zange genommen, seine Wohnung wird auf den Kopf gestellt, man schiesst auf ihn. Gefangen in einem Netz aus Lügen, Verrat und Mord, sieht er keinen anderen Ausweg, als an den Ausgangspunkt der Katastrophe, nach Tanger, zurückzukehren, um den Gewalttaten auf den Grund zu gehen – und kommt einem international operierenden Waffen- und Drogenring auf die Spur.

‚Der Spitzel‘, am englischen Königshof in der Zeit der anglikanischen Königin Elisabeth I. (ausgehendes 16. Jahrhundert) angesiedelt, sieht den geldgieringen, im Dienst Seiner Majestät stehenden – semifiktiven – Spion Robert Poley als Schlüsselfigur. Die Geschichte kreist um das Babington-Komplott, eine Verschwörung, die das Ziel verfolgte, die Queen zu ermorden, um ihre katholische Rivalin Mary Stuart auf den Thron zu bringen, stattdessen jedoch zu deren Hinrichtung führte; sowie um die bis heute ungeklärte Ermordung des berühmten schwulen Dichters Christopher Marlowe, der selbst ein Spitzel war.

Bibliografie: ‚Tod in Tanger‘ (1990), ‚Der Spitzel‘ (1997).