(*1955)

Geboren in Yorkshire als Sohn eines hohen britischen Polizeibeamten, wuchs Jerry Raine bis 1961 in Somalia auf, anschliessend in der südenglischen Grafschaft Surrey, wo er verschiedene Schulen besuchte. Mit sechzehn ging er nach Australien und hielt sich dort zuerst mit ungezählten Gelegenheitsarbeiten, später als Folksänger in den schäbigsten Bars von Sydney über Wasser. Zurück in England, belegte er mit zwanzig Jahren einen Creative-Writing-Kurs, um seine Songtexte zu verbessern. 1983 landete er im Buchhandel. Er arbeitete drei Jahre im Verlagshaus Sherrat & Hughes, zwei Jahre bei ‚Books Etc‘ und schliesslich neun Jahre in der Krimibuchhandlung ‚Murder One‘. Nebenbei war er weiterhin als Folkmusiker unterwegs, etwa mit Iris DeMent, Christy Moore und Gretchen Peters. In den Nullerjahren war er erfolgreicher Geschäftsführer des Glückspiel-Buchladens ‚High Stakes‘ in London. In seiner Freizeit verfasste er Ende der 90er seine ersten Krimis. Heute lebt er an der englischen Südküste und in London, spielt Gitarre, schreibt Songs und Krimis und steht gelegentlich auf der Bühne.

Raines zweiter Krimi ‚Frankie Bosser kommt heim‘, eine Verbeugung vor Ted Lewis‘ legendärem Roman ‚Jack Carters Heimkehr‘, beginnt harmlos: Der psychopathische, eben aus dem unfreiwilligen Spanien-Exil nach England zurückgekehrte Gangster Phil Gator, will den alten Bosser, weil er ihn, mit seinem Kleinlaster durch eine Pfütze brausend, ungewollt mit Wasser bespritzt hat, bloss ein wenig verprügeln, doch dieser stirbt kurz danach an einer Herzattacke. Bossers hartgesottener Sohn Frankie, der sich vor einiger Zeit nach der versehentlichen Tötung eines Polizisten aus England absetzen musste, kehrt nun ebenfalls in seine Heimat zurück, will Abschied von seinem Vater nehmen, ein bisschen mit seinem alten Freund, dem Gitarristen Jason Campbell, abhängen – und sich am Übeltäter rächen. Es folgt ein nagelharter Zweikampf, in dessen Verlauf den beiden Kontrahenten, aber auch dem mitgerissenen Leser Hören und Sehen vergehen. Die an Elmore Leonards Werk erinnernde Geschichte lebt von rasanter Handlungsführung, schwarzhumoriger Erzählweise und lakonischen, aus dem Leben gegriffenen Dialogen. Jason Campbell, Hauptperson in ‚Slaphead Chameleon‘ und ‚Cowboy Dreams‘, bekleidet hier nur eine Nebenrolle.

Raines weitere Antihelden sind Chris Small, der in einem Schnapsladen arbeitet, Brooklyn Rhodes, ein ehemaliger Rausschmeisser mit krimineller Vergangenheit, und Vincent Company, Fahrer für ein Autoverleihgeschäft – drei etwas naive Underdogs aus englischen Vororten, die immer wieder in Verbrechen verwickelt werden.

Im Jahr 2006 wurde Raine von seinem Verleger abserviert. Er veröffentlicht seine Romane seither bei Kindle sowie als Paperbacks in der Amazon-Tochtergesellschaft mit dem wohlklingenden Namen ‚Create Space Independent Publishing Platform‘, einem ‚BoD‘ verwandten Gefäss.

Bibliografie:

Jason Campbell-Trilogie: ‚Frankie Bosser Comes Home‘ – ‚Frankie Bosser kommt heim‘ (1999), ‚Slaphead Chameleon‘ (2000), ‚Cowboy Dreams‘ (2016);

Vincent Company-Trilogie: ‚Missing in Acton‘ (2012), ‚No Company Allowed‘ (2014), ‚Rough Boys‘ (2016);

Brooklyn Rhodes-Trilogie: ‚Some Like it Cold‘ (2006), ‚Camden Calling‘ (2012), ‚Shilo‘ (2013);

Chris Small-Trilogie: ‚Smalltime‘ (1997), ‚Small Change‘ (2002), ‚Small Faces‘ (2016).