(*1972)

Geboren in Bregenz, aufgewachsen in Lustenau, besuchte Jürgen Benvenuti ein Gymnasium in Dornbirn und bereiste daraufhin Europa und Nordafrika. Nach Aufenthalten in Berlin und Barcelona liess er sich 1993 in Wien nieder, um eine schriftstellerische Laufbahn einzuschlagen.

Geschult an den amerikanischen Pulp-Autoren brachte er von 1994 bis 2007 zehn schnörkellose, mit derben Sprüchen unterschiedlicher Qualität („Ich hatte weniger in der Hand als ein Eunuch beim Masturbieren“, so ein erfolgloser Ermittler) gewürzte Krimis zu Papier – die drei ersten und der achte, ‚Barcelona Blues‘, sind kürzlich in von ihm überarbeiteter Form im Falter Verlag wieder aufgelegt worden. Benvenutis Stärken liegen in der Entwicklung einer rasanten Handlung und der Zeichnung seiner Figuren – zumeist Underdogs und kleine Gauner, die nichts mehr zu verlieren haben. Der hart gesottene, arbeitslose Ex-Junkie Jerry im Erstling ‚Harter Stoff‘, der noch einmal tief ins Wiener Drogenmilieu eintaucht, um die Freundin seines ehemaligen Schulkollegen Paul aufzuspüren, Simone, die dieser ihm vor vier Jahren ausgespannt hat. Laurenz „Enzo“ Breitmeier, ein ehemaliger Ganove mit fürchterlicher Kindheit, der sich als Fotograf und neuerdings auch als investigativer Reporter des Skandalblattes ‚Voll Dran!‘ durchschlägt und dabei in zwei blutrünstige Kriminalfälle verwickelt wird in ‚Leichenschänder‘. Oder der Globetrotter Ben Poller, der zwischen zwei Reisen ein paar Monate auf einem Schrottplatz am Rand von Wien abhängen möchte, dessen Leben durch das Auftauchen der geheimnisvollen Laura und seiner überspannten schwangeren Schwester Natascha jedoch jäh aus dem Ruder läuft im dritten (etwas abfallenden) Roman ‚Schrottplatz Blues‘, in dem auch Jerry kurz zu Gast ist und Enzo am Rande mitmischt.

Die nachfolgenden Krimis ‚Das Lachen der Hyäne‘, ‚Remora‘ und ‚Die Trägheit der Krokodile‘ dokumentieren Aufstieg und Fall des Gangsters Lazlo Biscolli in einer unbenannten Grossstadt, höchst wahrscheinlich Wien. Danach verlässt Benvenuti seine Stadt und siedelt ‚Eine Chance zuviel‘ in Los Angeles an. Domenico Gio, hart gesottener Ex-Bulle mit Knastvergangenheit, ist die rechte Hand des geldgierigen Casinobesitzers Teddy Dragna. Als dieser sich auf einen hochriskanten Deal einlässt, wird Gio alles abverlangt, um vielleicht doch noch seine Haut zu retten. Nach einem weiteren Ausflug ins Ausland (‚Barcelona Blues‘) verfasste Benvenuti den ohne Mord und Blutfluss auskommenden Krimi ‚Kolibri‘, der als Wien-Reiseführer abseits der üblichen Touristenpfade gute Dienste leistet.

Im Jahr 2007 kam Benvenutis bisher letzter und anspruchsvollster, multiperspektivisch angelegter Roman ‚Big Deal‘ als Hardcover heraus. Der Chemiker Guillermo Zuazo, genannt Fidel (sein Tatoo sieht aus wie Castros Kopf), hat seinen Boss und Schwiegervater, den mächtigen kolumbianischen Drogenhändler Salinas, an die amerikanische Drogenbehörde verraten und taucht mit neuem Gesicht in Prag unter. Als Salinas von einem Kurier erfährt, wo Fidel jetzt lebt, schickt er drei Männer dorthin. Die junge, draufgängerische, zurzeit vom Dienst suspendierte Wiener Drogenfahnderin Natascha Heller folgt dem Trio auf eigene Faust, im Schlepptau die Zufallsbekanntschaft David Schrot, ein abgehalfterter Romanautor, der auf Stoff für eine heisse Story aus ist und im Verlauf der Geschichte an Format gewinnt. Detailliert gezeichnete Figuren, unerwartete Wendungen und eine feine Prise Wiener Schmäh sorgen trotz einiger Längen für ein entspanntes Lesevergnügen.

Darüber hinaus verfasste Benvenuti mehrere Bände der seit Oktober 2012 monatlich als eBook erscheinenden Cotton Reloaded-Serie mit Jeremiah Cotton und Philippa Decker, Special Agents des G-Teams, einer geheimen Abteilung des FBI, als Protagonisten. Gelegentlich ist er auch im Filmgeschäft tätig.

Bibliografie:                                                                                                                                 ‚Harter Stoff‘ (1994), ‚Leichenschänder‘ (1995), ‚Schrottplatz Blues‘ (1996), ‚Das Lachen der Hyäne‘ (2000), ‚Remora‘ (2000), ‚Die Trägheit der Krokodile‘ (2001), ‚Eine Chance zuviel‘ (2002), ‚Barcelona Blues‘ (2003), ’Kolibri’ (2005), ’Big Deal’ (2007).