(*1946; schreibt auch als Michael Cliffden, Michel Ennis und J.-M. Kérity)

Hervé Jaouen kam in der bretonischen Stadt Quimper zur Welt. Nach seinem Jura- und Wirtschaftsstudium leitete er dreizehn Jahre eine Bankfiliale, bis er sich in den 80ern immer stärker auf die Schriftstellerei konzentrierte und seine Bankstelle schliesslich ganz aufgab. Sein Werk umfasst zehn Jugendbücher, drei Reisebücher über Irland, sechzehn Krimis und mehr als zwanzig andere Romane; ferner Erzählungen, Artikel und Drehbücher. Darüber hinaus übersetzte er Liam O’Flaherty und andere irische Autoren ins Französische. Er pendelt zwischen der Bretagne und seiner zweiten Heimat, Irland.

Auf Deutsch ist einzig der 1982 mit dem „Prix du Suspense“ ausgezeichnete Noir-Roman ‚Die Nacht der Rache‘ erschienen. In einer knappen, präzisen Sprache, mit beissender Ironie, erzählt Jaouen die hoffnungslose, tieftraurig endende Geschichte zweier (zumindest auf den ersten Blick) recht gegensätzlicher Paare, bestehend aus dem jungen, moralisch verkommenen, zu selbstzerstörerischem Verhalten neigenden, aber trotzdem sehr erfolgreichen Arzt Kévin und seiner sanftmütigen Frau Marianne, einer ehemaligem Krankenschwester, auf der einen, und dem schmierigen, auf Luxusgüter erpichten Zuhälter Eddy und seiner Partnerin Alexia, einer sentimentalen Ex-Hure mit tristem Lebenslauf, die in Nantes ein Stripteaselokal besitzt, auf der anderen Seite. Als Kévin in einem Eifersuchtsanfall wild um sich schiesst und dann seine Frau aus dem fahrenden Auto wirft, findet er Unterschlupf bei Alexia, mit der er vor etlichen Jahren eine Affäre hatte. Er geht mit ihr ins Bett, nützt sie skrupellos aus und bereitet seine Flucht vor, während die Ärzte um das Leben der schwer verletzten Marianne kämpfen. Und dann fliesst wieder Blut.

Innerhalb von Jaouens Prosawerk haben ‚Connemara Queen‘, ein in Irland spielendes Drama um Eifersucht und Hass, und der in der Bretagne zur Zeit des Zweiten Weltkriegs angesiedelte Spannungsroman ‚Au-dessous du calvaire‘ (Jaouens bislang letzter Krimi) einen besonders hohen Stellenwert.

Bibliografie:

‚La mariée rouge‘ (1979), ‚La chasse au merle‘ (1979), ‚La petite fille et le pêcheur‘ (1980), ‚Quai de la fosse‘ – ‚Die Nacht der Rache‘ (1981), ‚Marée basse‘ (1983), ‚Toilette des morts‘ (1983), ‚Le crime du syndicat‘ (1984), ‚Pleure pas sur ton biniou‘ (1985), ‚Histoire d’ombres‘ (1986), ‚Les chiens du sud‘ (1987), ‚Coup de chaleur‘ (1987), ‚Connemara queen‘ (1990), ‚Hôpital souterrain‘ (1990), ‚Flora des embruns‘ (1991), ‚Les endetteurs‘ (1994), ‚Le fossé‘ (1995), ‚Au-dessous du calvaire‘ (2005).