(1916-2006)

Donald Bengtsson Hamilton, geboren in der südostschwedischen Stadt Uppsala als Sohn des renommierten Arztes und Dozenten Bengt L.K. Hamilton, lebte ab dem achten Lebensjahr mit seinen Eltern und seinen jüngeren Schwestern in den Vereinigten Staaten. 1938 schloss er sein Chemiestudium an der University of Chicago ab, drei Jahre später heiratete er Kathleen Stick und hatte mit ihr vier Kinder, Hugo, Elise, Gordon und Victoria. 1942 trat er der US-Navy bei, für die er in Annapolis chemische Forschung betrieb.

Nach dem Zweiten Weltkrieg liess sich Hamilton in Santa Fé, New Mexico, nieder und begann – inspiriert durch Ernest Hemingway, Raymond Chandler, Dashiell Hammett und, man höre und staune, Leslie Charteris – hauptberuflich zu schreiben, neben Krimis auch Sachbücher über das Leben in der freien Natur sowie Stories und Westernromane (mit ‚The Big Country‘ als Höhepunkt). Berühmt wurde er jedoch vor allem mit seiner 27 Bände umfassenden, zwischen 1960 und 1993 erschienenen Serie um Matt Helm, die in den 60er- und 70er-Jahren fantastische Auflagen erzielte. Als seine Frau im Jahr 1989 verstarb, kehrte Hamilton in seine schwedische Heimat zurück, nach Visby, auf die Ostseeinsel Gotland. Er starb dort 90-jährig in einem Pflegeheim. In seinem Nachlass fand sich das Manuskript eines unvollendet gebliebenen Matt Helm-Romans.

Matt Helm – amerikanischer Geheimagent in Europa zur Zeit des Zweiten Weltkriegs, danach glücklich verheirateter, seinen Lebensunterhalt in Santa Fé als Westernautor und Fotograf bestreitender Vater zweier Söhne und einer Tochter – wird nach fünfzehn Jahren „geweckt“, um unter den Decknamen Eric, Jim Petroni usw. für einen anonymen, hoch geheimen, durch einen gewissen „Mac“ (eine hagere, grauhaarige, mit allen Wassern gewaschene Gestalt, die eigentlich Arthur M. Borden heisst und eine erwachsene Tochter namens Martha hat) von Washington, D.C., aus geführten Nachrichtendienst „nasse“ Aufträge zu erledigen, wozu er sich am liebsten des Gewehrs bedient. Seine sanftmütige Frau Beth verlässt ihn, als sie gegen Ende des ersten Bandes von seiner zweiten Existenz erfährt, und beginnt mit den Kindern ein neues Leben.

Helm ist ein gross gewachsener, charismatischer, hoch professionell arbeitender, ganz auf seinen Job fokussierter, unerhört kaltblütiger Geheimagent, der indes auch zu zärtlichen Gefühlen fähig ist, hin und wieder sogar Reue empfindet und sich zwei-, dreimal ernsthaft verliebt – eine amerikanische Antwort auf James Bond. Nachdem er sich in den 60er- und 70er-Jahren vor allem mit dem kommunistischen Feind herumschlägt, treten später auch westliche Terror-Organisationen als Gegenspieler in Erscheinung.

Die rasanten, in einem nüchternen, manchmal spöttischen Tonfall – stets aus Helms Blickwinkel – erzählten Romane leben von schnellen, schnörkellosen Plots und dem plastisch gezeichneten Protagonisten und berichten augenzwinkernd über geheimdienstliche Winkelzüge in der Zeit des Kalten Krieges. In der zweiten Hälfte der 60er-Jahre kamen vier (nicht besonders geglückte) Matt Helm-Streifen mit Dean Martin in der Hauptrolle auf die Leinwand. Heute ist Donald Hamilton, den namhafte Autoren wie Bill Crider, Loren Estleman und John Sallis einst vielleicht etwas überschwänglich als wichtigen Einfluss bezeichneten, tief in der Versenkung verschwunden.

Bibliografie:

Matt Helm-Serie: ‚Death of a Citizen‘ – ‚Der Lockvogel‘ (1960), ‚Wrecking Crew‘ – ‚Die Zerstörer‘ (1960), ‚The Removers‘ – ‚Koks und Knallbonbons‘ (1961), ‚The Silencers‘ – ‚Die Vollstrecker‘ (1962), ‚Murderer’s Raw‘ – ‚Der Verfolger‘ (auch unter dem Titel ‚Nachts sind alle Killer grau‘, 1962), ‚The Ambushers‘ (1963), ‚The Shadowers‘ (1964), ‚The Ravagers‘ – ‚Die Unerbittliche‘ (auch unter dem Titel ‚Manche lieben’s eiskalt‘ (1964), ‚The Devastators – ‚Die Gefährlichen‘ (auch unter dem Titel ‚Eine Braut für alle Fälle‘, 1965), ‚The Betrayers‘ – ‚Die Verräter‘ (1966), ‚The Menacers‘ – ‚Die Scharfmacher‘ (1968), ‚The Interlopers‘ – ‚Der Todeskurier‘ (auch unter dem Titel ‚Der Mann am Drücker‘, 1969), ‚The Poisoners‘ – ‚Die Totmacher‘ (auch unter dem Titel ‚Der zweite Mann ist eine Lady‘, 1971), ‚The Intriguers‘ – ‚Matt Helm im Netz‘ (‚Fuchs im fremden Bau‘, 1973), ‚The Intimidators‘ – ‚Eiskalt serviert‘ (1974), ‚The Terminators‘ – ‚Der Ausputzer‘ (1975), ‚The Retaliators‘ (1976), ‚The Terrorizers‘ – ‚Mafia-Blut‘ (1977), ‚The Revengers‘ (1982), ‚The Annihilators‘ (1983), ‚The Infiltrators‘ (1984), ‚The Detonators‘ (1985), ‚The Vanishers‘ (1986), ‚The Demolishers‘ – ‚Karibisches Inferno‘ (1987), ‚The Frighteners‘ (1989), ‚The Threateners‘ (1992), ‚The Damagers‘ (1993);

Einzelwerke: ‚Date With Darkness‘ (1947), ‚The Steel Mirror‘ – ‚Träume von einem Toten‘ (1948), ‚Murder Twice Told‘ – ‚Viele Katzen sind des Agenten Tod‘ (auch unter dem Titel ‚Duell der Doppelmörder‘, Stories, 1947), ‚Night Walker‘ – ‚Wenn alle Stricke reissen‘ (1954), ‚Line of Fire‘ – ‚Ein Mann über Kimme und Korn‘ (1955), ‚Assignment Murder‘ (auch unter dem Titel ‚Assassins Have Starry Eyes‘ – ‚Die letzte Wohnung ist ein Sarg‘ (auch unter dem Titel ‚Verrat in den Augen‘, 1956), ‚The Mona Intercept‘ (1980).