(*1940)

William Heffernan, geboren und aufgewachsen in New Haven, Connecticut, hatte bereits eine 14-jährige, höchst erfolgreiche Karriere als Journalist in New York City hinter sich (er war unter anderem Reporter der ‚New York Daily News‘ und brachte es auf drei Nominierungen für den Pulitzer-Preis), als er Ende der 70er-Jahre zur Belletristik wechselte. 1980 liess er sich im Staat Vermont nieder, zuerst auf einer Insel im Lake Champlain, danach im Städtchen Huntington. Seit 2005 lebt der verheiratete Vater von sechs Kindern als freier Schriftsteller in Palm Harbor, Florida.

Heffernans Krimiwerk umfasst achtzehn Romane, darunter die 1989 gestartete siebenteilige Reihe um den New Yorker Police Detective Paul Devlin, einen jungen, feinfühligen Cop, der mit seiner Schwester Beth und seiner kleinen Tochter Philippa in einem heruntergekommenen Haus lebt, seitdem seine Frau vor einigen Jahren, kurze Zeit nach Philippas Geburt, bei einem Autounfall getötet wurde.

Der erste (und einzige in deutscher Sprache vorliegende) Band der Paul Devlin-Serie ‚Das Ritual‘ gehört eigentlich Devlins direktem Vorgesetzten Lieutenant Stanislaus Rolk, einem charismatischen, unberechenbaren Cop mit polnischen Wurzeln, der vor fünfzehn Jahren von Frau und Tochter verlassen wurde – die beiden sind seither spurlos verschwunden. Die Erzählung dreht sich um einen Mörder, der junge Menschen der toltekischen Gottheit Quetzalcoatl opfert: Er enthauptet seine Opfer mit einer 700 Jahre alten Axt und verstümmelt sie dann mit einem Obsidianmesser, die Köpfe findet man später im Labor des Metropolitan Museums, das gerade eine umfassende Ausstellung über das Volk der Tolteken präsentiert. Nach einem hoch dramatischen, für Devlin äusserst traumatischen Finale, bei dem Rolk gewaltsam ums Leben kommt, verlässt der Detective die Grossstadt und arbeitet in zweiten Roman ‚Blood Rose‘ als Polizeichef in einem verschlafenen Städtchen in Vermont, kehrt indes im folgenden Band ‚Scarred‘ nach New York City zurück, um fortan eine Elitetruppe des NYPD in den Kampf zu führen.

Einer breiten Leserschaft bekannt wurde Heffernan bereits 1983 mit seinem dritten Roman, dem Einzelwerk ‚Der Opium-Pate‘. In dessen erstem Teil behandelt der Autor den Aufstieg des korsischen Patriarchen Bounaparte Sartane, der, protegiert durch den amerikanischen Geheimdienstoffizier Matt Bently, nach dem Zweiten Weltkrieg die Herrschaft über den südostasiatischen Opiumhandel erringt, indem er die Kommunisten auf rigorose Weise aus dem Geschäft drängt. Als Bounaparte seinen einzigen Sohn Jean bei einem Machtkampf mit konkurrierenden Gangstern verliert, bringt er seinen Enkel Pierre in den USA in Sicherheit – dieser wächst nun als Peter Bently bei Matt Bently auf. Im zweiten, in den 60er-Jahren vor dem Hintergrund des Vietnamkriegs und des geheimen Kriegs in Laos spielenden Teil des umfangreichen Buches nimmt Pierre Rache an den Mördern seines Vaters. Der spannende, zwischen Polit- und Rachethriller oszillierende und mit amourösen Verwicklungen aufwartende Roman leidet unter der etwas holzschnittartigen Zeichnung der Haupt- und Nebenfiguren.

‚Im Sog der Macht‘ sieht Tony Marco im Mittelpunkt, den aufstrebenden, den Slums von Brooklyn entstammenden Vorsitzenden der von Korruptionsskandalen erschütterten New Yorker Hafenarbeiter-Gewerkschaft, der seine Position als Sprungbrett für eine politische Karriere benutzen möchte. Seine Gegenspieler sind Paul Levine, der vierschrötige, gewalttätige Organisationsleiter der Gewerkschaft, und Marcos Jugendfreund Pete Moran von der Mordkommission des NYPD, der Marco eine weit zurückliegended Frauengeschichte nie verziehen hat. Eine zentrale Rolle spielt auch die junge Journalistin Jennifer Brady, die für einen Artikel über Marco in dessen Vergangenheit und im Dreck der Gewerkschaft herumwühlt – und dabei auf Moran als wichtigen Zeugen stösst. Im Verlauf des tempostarken, an Gewaltakten und Sexszenen reichen Thrillers blickt der Autor zurück auf Marcos Jugend- und Studentenzeit, auf dessen Anfang und Aufstieg bei der Gewerkschaft.

Heffernans am höchsten eingestufter Roman ist ‚Beulah Hill‘ aus dem Jahr 2000 (keine deutsche Übersetzung). Angesiedelt in der Vermonter Kleinstadt Jerusalem’s Landing in der Zeit der Grossen Depression, kreist er um den gewaltsamen Tod des weissen Grossgrundbesitzer-Sprösslings Royal Firman, dessen verstümmelte Leiche auf Beulah Hill, in der Nähe des Wohnsitzes des stolzen Schwarzen Jehiel Flood, aufgefunden wird. Zusammen mit Sheriff French Le May führt Constable Samuel Bradley die Ermittlungen durch – ausgerechnet er, der von schwarzen, seinerzeit im Dienste der Familie Firman stehenden Sklaven abstammt und seit seiner Jugendzeit Jehiels Tochter Elizabeth liebt.

Bibliografie:

‚Broderick‘ (1980), ‚Caging the Raven‘ (1981), ‚The Corsican‘ – ‚Der Opium-Pate‘ (1983), ‚Acts of Contrition‘ – ‚Im Sog der Macht‘ (1986), ‚Corsican Honor‘ (1991), ‚The Dinosaur Club‘ (1997), ‚Cityside‘ (1997), ‚Beulah Hill‘ (2000), ‚A Time Gone by‘ (2003), ‚When Johnny Came Marching Home‘ (2012);

Paul Devlin-Serie: ‚Ritual‘ – ‚Das Ritual‘ (1989), ‚Blood Rose‘ (1991), ‚Scarred‘ (1993), ‚Tarnished Blue‘ (1995), ‚Winter’s Gold‘ (1996), ‚Red Angel‘ (2000), ‚Unholy Order‘ (2002);                                                 

Dead Detective-Romane: ‚The Dead Detective‘ (2010), ‚The Scientology Murders‘ (2017).