(*1949)

Geboren und aufgewachsen in Lyon, lebte Chantal Pelletier später der Reihe nach in Nizza, Lille und Brüssel. Sie studierte Psychologie und stand mit 19 Jahren in Nizza erstmals auf der Bühne. Von 1976 bis 1986 kam sie als Teil der feministischen Theatergruppe ‚Les Trois Jeanne‘ zu Auftritten in der ganzen Welt. Parallel dazu begann sie zu schreiben. Ihr breit gefächertes Werk besteht aus Romanen, Erzählungen, Gedichten, Humoresken, Essays, einem Sachbuch über Paris, einer Biografie des französischen Sängers und Schauspielers Eddy Mitchell, zwei Jugendromanen, dem Vierteiler um Kommissar Maurice Laice und drei weiteren Krimis. Darüber hinaus machte Pelletier als Drehbuchautorin und Regisseurin von sich reden. Sie lebt im Pariser Stadtteil Belleville und in der Drôme im Südosten Frankreichs.

Pelletiers Krimiheld, der farbenblinde Kommissar Maurice Laice („More is less“), genannt Momo, ist ein Melancholiker mittleren Alters mit Übergewicht, Erektionsproblemen, Krampfadern, Rückenschmerzen und, wie er zu seinem Leidwesen feststellen muss, nekrophilen Neigungen (im dritten Band kommt Hodenkrebs hinzu). Nachdem Momo in ‚Eros und Thalasso‘ noch in Granville, im normannischen Exil, am Werk war, ermittelt er in den folgenden Romanen wieder in Paris – und wird hier gleich mit einem Mordfall konfrontiert, der denkbar ungeeignet ist, seine Lebensgeister neu zu erwecken: Er dreht sich um die Zerstörung des Montmartre-Viertels durch Grundstückspekulanten, um Drogenhandel und Pornographie und nicht zuletzt um späte Folgen des Algerienkriegs (‚Bocksgesang‘).

‚More ist less‘ sieht Kommissar Momo im 19. Arrondissement in Aktion, einem vorwiegend von Asiaten, aber auch von gewalttätigen Jugendbanden bevölkerten Viertel, wohin er von seiner zynischen, lesbischen Vorgesetzten Aline Lefèvre versetzt wurde – er soll den Mord an einem alten Vietnamesen aufklären, der bei seinen morgendlichen Tai-Chi-Übungen im Park Buttes-Chaumonts durch einen Schuss in den Kopf ums Leben kam. Die Ermittlungen führen zu der reichen asiatischen Bildhauerin Kyn-Lee, die ein gefährliches Doppelleben zu führen scheint, und decken Waffenschmuggel im grossen Stile auf.

‚Mont des martyrs‘, chronologisch der erste Band der Reihe, spielt in der ersten Hälfte der 80er-Jahre, einer unruhigen, desillusionierenden Zeit, in der der Sozialist Francois Mitterrand am Ruder ist – und der aufmüpfige, mit einer linken Künstlerin und Hausbesetzerin liierte 24-jährige Maurice Laice als Flic seine ersten Runden am Montmartre dreht (keine deutschsprachige Übersetzung).

Die rasanten, unzimperlichen, mit einer guten Portion schwarzen Humors gewürzten Maurice Laice-Geschichten leben von der originellen Hauptperson und präzisen Schilderungen der Nebenfiguren, aber auch von Sprachwitz, pointierten Dialogen und überraschenden Bildern, und zeichnen sich durch Milieukenntnis und subtile Handlungsführung aus.

Bibliografie:

Maurice Laice-Tetralogie: ‚Eros et Thalasso‘ – ‚Eros und Thalasso‘ (1998), ‚Le chant du bouc‘ – ‚Bocksgesang‘ (2000), ‚More is less‘ – ‚More is less‘ (2002), ‚Montmartre, mont des martyrs‘ (2008);

Einzelwerke: ‚Lavande tuera‘ (aus der Kollektion ‚Le Poulpe‘, 1997), ‚L’enfer des anges‘ (2005), ‚Tirez sur le caviste‘ – ‚Schiessen Sie auf den Weinhändler‘ (Novelle, 2007).