(*1947)

Carol O’Connell, geboren in New York City, studierte Kunst am California Institute of Arts/Chouinard und an der Arizona State University. Sie bestritt ihren Lebensunterhalt lange Zeit mit dem Verkauf ihrer surrealistischen Bilder, war aber auch als freie Lektorin und Korrekturlesern und in verschiedenen Gelegenheitsjobs tätig, bevor sie mit 46 Jahren höchst erfolgreich als Krimiautorin debütierte. Sie lebt als freie Schriftstellerin in ihrer Heimatstadt.

Mit Kathleen Mallory brachte Carol O’Connell eine starke, zerrissene Persönlichkeit in die Kriminalliteratur. Als kleines Mädchen verwaist, schlägt sich Kathy mehrere Jahre als Strassenkind in New York City durch, bis sie mit etwa zehn Jahren von dem legendären Polizisten Louis Markowitz und seiner liebevollen und sanften, viel zu früh an Krebs verstorbenen Frau Helen adoptiert wird. Kathy, furchtlos, abgebrüht, schön und hoch intelligent, von ihrer schlimmen Kindheit jedoch arg gezeichnet und scheinbar ohne Unrechtsbewusstsein und Gefühle, geht später ebenfalls zur New Yorker Polizei und erweist sich dort als exzellente Computerspezialistin – und Hackerin; wobei sie ihre Raubzüge auf das beschränkt, was Markowitz braucht, um seine Fälle zu lösen. Die Serie lebt von den vielschichtigen Plots, von Kathys auch nach seinem Tod omnipräsenten Pflegevater und natürlich von der wuchtigen Protagonistin, aber auch von einfühlsam gezeichneten Nebenfiguren wie Charles Butler, dem sympathischen, unsterblich in Kathy verliebten, mit einem eidetischen Gedächtnis und einer riesigen Nase ausgestatteten Leiter einer kleinen Consulting-Firma, und Mallorys Schutzengel Sergeant Riker, dem schmuddelig gekleideten, stark dem Alkohol zusprechenden Ex-Partner und langjährigen Freund von Kathys Ziehvater.

Kathys erster Kriminalfall beginnt für sie mit einem Schock: Louis Markowitz, als Leiter der Sonderkommission für Gewaltverbrechen auf einen Serienkiller angesetzt, der es auf ältere, betuchte Frauen abgesehen hat, kommt gewaltsam ums Leben – ein fast nicht zu verkraftender Verlust für Kathy, die sich von ihrem Kummer jedoch nicht viel anmerken lässt. Sie beginnt auf eigene Faust zu ermitteln, setzt ihr Leben aufs Spiel und bringt weit in die Vergangenheit reichende Zusammenhänge ans Tageslicht.

O’Connells vierter Krimi ‚Der steinerne Engel‘ erzählt von Mallorys schwierigster Ermittlung: Die allseits gefürchtete und wieder einmal vom Dienst suspendierte Einzelgängerin mit dem kalten Blick will das ungeklärt gebliebene Verbrechen an ihrer leiblichen Mutter Cassandra Shelley – einer Ärztin, die vor siebzehn Jahren in der hinterwäldlerischen Kleinstadt Dayborn in Louisiana von über zwanzig Einwohnern zu Tode gesteinigt worden ist – aufklären bzw. rächen, um endlich ihre innere Ruhe zu finden. Die Spuren führen zu der katholischen Sekte „Neue Kirche“. Am Ende des Buches erfährt man, warum Kathy als Sechsjährige den Namen Mallory angenommen hat: Es ist der (leicht modifizierte) Name des Mörders ihrer Mutter, den sie sich so ins Gedächtnis gebrannt hat.

Im neunten Band der Reihe (Such mich!‘) verwebt O’Connell Mallorys Suche nach ihrem (ihr unbekannten) leiblichen Vater mit der grauenvoll-grotesken Fahndung nach einem Psychopathen, der in den letzten vierzig (!) Jahren das Leben von über hundert Kindern auslöschte, und der Geschichte der legendenumrankten „Route 66“, in den 1950er- und 60er-Jahren die wichtigste Ost-West-Verbindung der USA, an der der Täter seine Opfer vergräbt; mit einem bitter-süssem Ende für Kathleen Mallory und ihre loyalen Freunde Riker und Butler.

Bibliografie:

Kathleen Mallory-Serie: ‚Mallory’s Oracle‘ – ‚Mallorys Orakel‘ (1994), ‚The Man who lied to Women‘ – ‚Der Mann, der die Frauen belog‘ (1995), ‚Killing Critics‘ – ‚Tödliche Kritiken‘ (1996), ‚Stone Angel‘ – ‚Der steinerne Engel‘ (1997), ‚Shell Game‘ – ‚Falscher Zauber‘ (1999), ‚Crime School‘ – ‚Schule des Verbrechens‘ (2002), ‚Dead Famous‘ (auch unter dem Titel ‚The Jury Must Die‘, 2003), ‚Winter House‘ (2004), ‚Find Me‘ (auch unter dem Titel ‚Shark Music‘) – ‚Such mich!‘ (2006), ‚The Chalk Girl‘ – ‚Kreidemädchen‘ (2012), ‚It Happens in the Dark‘  – ‚Es geschah im Dunkeln‘ (2013), ‚Blind Sight‘ – ‚Blind Sight‘ (2016);

Standalones: ‚Judas Child‘ (1998) – ‚Das Judaskind‘ (1999), ‚Bone by Bone‘ – ‚Tödliche Geschenke‘ (2008).