(*1922)

Harold Nebenzal wurde als Sohn des berühmten jüdischen Filmproduzenten Seymour Nebenzal in Berlin-Tiergarten geboren und spielte als Kind in dessen Filmen mit. Im Jahr 1931 besuchte er ein Internat in der Schweiz. Am 31. März 1933, zwei Monate nach der Machtübernahme durch Hitlers Nationalsozialisten, emigrierte er mit seinen Eltern in die USA. Im Zweiten Weltkrieg kämpfte er fast fünf Jahre lang mit der Marineinfanterie im Pazifik, zuletzt als Hauptmann. 1947 heiratete er die Schauspielerin Rita Cordey und hatte mit ihr zwei Kinder, Daniel und Deborah. Er liess sich mit der Familie in Los Angeles nieder und arbeitete als Drehbuchautor und Filmproduzent mit Grössen wie Carlo Ponti, Ingmar Bergmann, John Huston, Marcello Mastroianni und Billy Wilder. Mit siebzig Jahren veröffentliche er seinen ersten Roman ‚Café Berlin‘. Der in zweiter Ehe mit der Koreanerin Dorothy Lee verheiratete Autor lebt in Berverly Hills, Los Angeles.

‚Café Berlin‘, ein Politroman in der Tradition Eric Amblers, dreht sich um den schlitzohrigen Kosmopoliten Daniel Saporta (mit dem spanisch klingenden Decknamen Salazar), einen aus Damaskus stammenden sephardischen Juden, der in den 30er-Jahren das berühmt-berüchtigte Berliner Nachtlokal ‚Kaukasus Klub‘ betreibt, einen beliebten Treffpunkt von NSDAP-Bonzen, SS- und Wehrmachtsoffizieren. Zeitsprung ins Jahr 1943: Daniel Saporta musste untertauchen, um vielleicht überleben zu können. Er hält sich in einer kleinen, unbeheizten Dachkammer versteckt und blickt zurück auf sein faszinierendes Leben: die fiebrigen Nächte im ‚Kaukasus Klub‘, die Reisen in den Nahen Osten – und seine Liebe zu der Tänzerin Samira, die sich von den Briten in eine äusserst gefährliche Spionageaffäre verwickeln liess.

Mit ‚Hafen der Düfte oder Die letzten Tage von Hongkong‘, ‚Der Löwenkult‘ und ‚Peking-Express‘ verfasste Nebenzal drei weitere – gegenüber dem Erstling arg abfallende, dafür mit zahlreichen Sexszenen gewürzte – Spannungsromane, die im amerikanischen Original vermutlich nicht erschienen sind.

Bibliografie:
‚Cafe Berlin‘ – ‚Café Berlin‘ (1992), ‚Fragrant Harbour‘ – ‚Hafen der Düfte oder Die letzten Tage von Hongkong‘ (1995), ‚The Lion Cult‘ – ‚Der Löwenkult‘ (1999), ‚Celestial Express‘ – ‚Peking-Express‘ (2006).