(geboren als Milton Lesser, 1928-2008; schrieb auch als Adam Chase, Andrew Frazer, Ellery Queen, Jason Ridgway und C. H. Thames)

Milton Lesser kam im New Yorker Stadtteil Brooklyn zur Welt und wollte bereits als kleiner Junge Schriftsteller werden. Während des 1949 abgeschlossenen Philosophiestudiums am College of William & Mary in Williamsburg, Virginia, veröffentlichte er seine erste Sciencefiction-Geschichte, und nach einem kurzen Praktikum bei der New Yorker Literaturagentur Scott Meredith und dem Militärdienst in Korea entschied er sich 1954 für ein Leben als Autor. Ende der 50er-Jahre änderte er seinen Namen und hiess nun offiziell Stephen Marlowe – eine Hommage an Raymond Chandler. Der weit gereiste Autor publizierte rund 50 Romane und 200 Kurzgeschichten: Sciencefiction- und Fantasybücher als Adam Chase, Milton Lesser und C.H. Thames, das Kriminalwerk als Stephen Marlowe, Jason Ridgway, C.H. Thames und Andrew Frazer und fiktionale Biografien als Stephen Marlowe.

Marlowes bedeutendster Krimiheld ist der Ich-Erzähler Chester Drum, genannt Chet: ein ehemaliger Cop und FBI-Agent in seinen Dreissigern (er quittierte den Job bei den „Feds“ nach dem ersten Auftrag, weil es ihm schwer fiel, Befehle entgegenzunehmen), ein einzelgängerischer, hartgesottener, intelligenter Privatdetektiv im urbanen Amerika – der nahezu perfekte Philip Marlowe-Klon. Indes: Chet Drum ist zwar wie Marlowe in einer Grossstadt stationiert (in Washington, später kommt ein Büro in Genf hinzu), arbeitet jedoch vornehmlich im Ausland. Lateinamerika, Mekka, Moskau, Rom (in der Zeit der 1960er Olympiade), Berlin (einmal vor und einmal nach der Mauer), Kanada, Island, Madrid usw. sind die Schauplätze, an denen Drum seinen Kriminalfällen (nicht selten geht es um Spionage – es ist die Zeit des Kalten Krieges) nachgeht. Im Roman ‚Double in Trouble‘, den Marlowe zusammen mit Richard Prather verfasste, sind Chet Drum und Prathers Protagonist Shell Scott gemeinsam in Aktion zu sehen.

‚Geheimakte: Spanisches Gold‘, der letzte Band der 20-teiligen Serie, dreht sich um die Goldreserve der spanischen Republikaner, die diese in Moskau in Sicherheit brachten, als klar war, dass Franco seine Revolution gewinnen würde – ihr Wert beläuft sich auf fast eine Milliarde Dollar. Chets alter Freund Axel Spade, ein mit allen Wassern gewaschenes Finanzgenie, ist hinter dem Goldschatz her, doch auch eine russische Geheimorganisation beteiligt sich an der Jagd auf das riesige Vermögen. Damit Chet den Russen bei der Suche nach dem Gold behilflich ist, entführen sie seine grosse Liebe Marianne. Chet heftet sich auf Spades Fährte, die Ermittlungen führen ihn über Jugoslawien in die Schweiz, nach Genf.

Die beiden Romane um den New Yorker Privatdetektiv Duncan Pride erschienen unter dem Pseudonym Andrew Frazer, die kleine Serie um Brian Guy, den leitenden Ermittler der Truppe „Ripley’s Believe It Or Not!“ (BION), unter dem Pseudonym Jason Ridgway. Nach Abschluss seiner Serien verfasste Marlowe einige komplexe Polit- und Spionagethriller, darunter ‚The Valkyrie Encounter‘, der das Attentat auf Hitler im Juli 1944 zum Thema hat, anschliessend fiktionale Biografien von Christopher Columbus (1987), Miguel de Cervantes (1991) und Edgar Allan Poe (1995).

Marlowe war von 1950 bis 1962 mit der Psychologin Leigh Lang verheiratet und hatte mit ihr zwei Töchter. 1964 vermählte er sich mit der kanadischen Lektorin Ann Humbert. Er lebte mit ihr in Frankreich, Spanien, der Schweiz und in Williamsburg, wo er 79-jährig nach einer langwierigen Knochenmarkserkrankung starb.

Bibliografie (nur Krimis):

Chester Drum-Serie: ‚The Second Longest Night‘ (1955), ‚Mecca for Murder‘ (1956), ‚Killers Are My Meat‘ – ‚Comeback eines Killers‘ (1957), ‚Murder is My Dish‘ (1957), ‚Trouble is My Name‘ (1957), ‚Violence is My Business‘ (1958), ‚Terror is My Trade‘ (1958), ‚Double Trouble‘ (gemeinsam mit Richard Prather, 1959), ‚Homicide is My Game‘ (1959), ‚Danger is My Line‘ (1960), ‚Death is My Comrade‘ (1960), ‚Peril is My Pay‘ (1960), ‚Manhunt is My Mission‘ (1961), ‚Jeopardy is My Job‘ – ‚Leiche in bester Gesellschaft‘ (1962), ‚Francesca‘ (1963), ‚Drumbeat – Berlin‘ (1964), ‚Drumbeat – Dominique‘ – ‚Mord an einem Toten‘ (1965), ‚Drumbeat – Madrid‘ – ‚Abenteuer in Spanien‘ (1966), ‚Drumbeat – Erica‘ – ‚Mord gefällig?‘ (1967), ‚Drumbeat – Marianne‘ – ‚Geheimakte spanisches Gold‘ (1968);

Standalones: ‚Catch the Brass Ring‘ (1954), ‚Model For Murder‘ – ‚In letzter Sekunde‘ (1955), ‚Turn Left for Murder‘ (1955), ‚Dead on Arrival‘ (1956), ‚Blonde Bait‘ (1959), ‚Passport to Peril‘ (1959), ‚The Shining‘ (1961), ‚The Search for Bruno Heidler‘ (1966), ‚Come Over, Red Rover‘ (1968), ‚The Summit‘ – ‚Als Bogutin die Stadt verliess‘ (1970), ‚Colossus‘ (1974), ‚The Man with No Shadow‘ (1974), ‚The Cawthorn Journals‘ (auch unter dem Titel ‚Too Many Chiefs‘, 1975), ‚Translation‘ – ‚Die Stadt und der Fluch‘ (1976), ‚The Valkyrie Encounter‘ (1978), ‚Deborah’s Legacy‘ (1983).

Als Andrew Frazer: Duncan Pride-Serie: ‚Find Eileen Hardin – Alive!‘ (1959), ‚The Fall of Marty Moon‘ – ‚Der Fall Marty Moon‘ (1960).

Als Jason Ridgway: BION-Serie: ‚Adam’s Fall‘ – ‚Adams Fall‘ (1960), ‚People in Glass House‘ (1961), ‚Hardly a Man Is Now Alive‘ – ‚Das seltsame Sanatorium‘ (1961), ‚The Treasure oft the Cosa Nostra‘ – ‚Schweig oder stirb‘ (1966).

Als C.H. Thames: ‚Violence Is Golden‘ – ‚Verfluchtes Gold‘ (1956), ‚Blood of My Brother‘ (1963).