(1908-1976; schrieb auch als Lee Roberts)

Robert Martin wurde in Chula, Virginia, geboren und besuchte bis 1927 die Highschool in der Kleinstadt Tiffin bei Cleveland, Ohio. Danach arbeitete er sechs Jahre als Kassierer in der First National Bank of Tiffin, später, zuerst als Lagerverwalter, dann als Personalchef, in der Sterling Grinding Wheel Company, ebenfalls Tiffin. Als die Firma in den 60ern von ITT aufgekauft wurde, trat er in den vorzeitigen Ruhestand.

Martins 1942 geschlossener Ehe entsprangen zwei Töchter und ein Sohn, seine Frau verschied 1970 nach langer Krankheit. Vereinsamt und vergessen (für seine letzten Manuskripte fand er keinen Verleger mehr) starb Martin 67-jährig in Tiffin, wo er den grössten Teil seines Lebens verbracht und auch kommunale Dienste geleistet hatte.

Martin begann seine recht erfolgreiche Pulp-Karriere in der zweiten Hälfte der 30er-Jahre, während seiner Tätigkeit als Lagerverwalter. 1951 wechselte er auf die lange Strecke; oder vielmehr „kannibalisierte“ – wie Raymond Chandler – seine Kurzgeschichten. Bis 1965 veröffentlichte er vierzehn Romane unter angestammtem Namen und acht unter dem Pseudonym Lee Roberts.

Zu Martins bedeutendster Krimifigur entwickelte sich der Weltkriegsveteran Jim Bennett, der zuvor bereits in etlichen Stories in Erscheinung getreten war. Nach abgebrochenem Jurastudium und einer Ausbildung zum Detektiv übernahm Bennett die Leitung der Zweigstelle Cleveland einer grossen New Yorker Detektivagentur. Mit seiner Sekretärin Sandy Hollis pflegt er eine glückliche Liebesbeziehung, ohne auf andere Frauen ganz zu verzichten. Bennett ist ein liebenswürdiger, für seine Freunde durchs Feuer gehender Mann mit einem Faible für die Schwachen, aber auch ein kaltblütiger und hart gesottener – chandleresker – Ermittler um die vierzig, der im Verlauf der 14-teiligen Reihe nicht älter wird. Seine Fälle sind zumeist in ländlichen Regionen oder in kleinen, schäbigen Industriestädten angesiedelt. Alec Hammond und Red Drake sind (neben Sandy) Bennetts wichtigste Mitarbeiter. Jim Bennett, wie fast alle Detektive jener Zeit ein starker Trinker und Raucher, verbringt seine Freizeit am liebsten mit Pokern, Golfsport, Angeln und der Lektüre von Westernromanen.

Martins zweiter Krimiheld ist der Mediziner und Gelegenheitsermittler Clinton Shannon, verheirateter Vater eines kleinen Sohnes, eine Weiterentwicklung des aus mehreren Kurzgeschichten bekannten Arztes Clinton Colby (vier mit Lee Roberts gezeichnete Romane).

In seinen besten Werken (etwa ‚Tränen für die Braut‘ und ‚Männer um Marcia‘) überzeugt der Autor mit unaufgeregter Erzählweise, glaubwürdiger Figurenzeichnung und präzisen Milieuschilderungen, während die Handlungsführung nicht immer über alle Zweifel erhaben ist.

Bibliografie:

Jim Bennett-Serie: ‚Dark Dream‘ – ‚Dunkler Traum‘ (1951), ‚Sleep My Love‘ – ‚Küsse, die der Teufel gab‘ (1953), ‚Tears for the Bride‘ – ‚Tränen für die Braut‘ (1954), ‚The Widow wand the Web‘ – ‚Alle Männer sind schwach‘ (1954), ‚The Echoing Shore‘ (auch unter dem Titel ‚The Tough Die Hard‘) – ‚Das Ende einer grossen Liebe‘ (1955), ‚Just a Corpse at Twilight‘ – ‚Die Katze war dabei‘ (1955), ‚Catch a Killer‘ – ‚Ein Mädchen brennt durch‘ (1956), ‚Hand-Picked for Murder‘ – ‚Das Mädchen Sandra‘ (1957), ‚Killer Among Us‘ – ‚Achtung – Sabotage!‘ (1958), ‚A Key to the Morgue‘ – ‚Sie hat es so gewollt‘ (1959), ‚To Have and to Kill‘ – ‚Keine Frau für meinen Sohn‘ (1960), ‚A Coffin for Two‘ – ‚Tod unter Glas‘ (1962), ‚She, Me and Murder‘ – ‚Die zweite Flasche Whisky‘ (1962), ‚Bargain for Death‘ – ‚Frist bis Mitternacht‘ (1964).

Als Lee Roberts:

Clinton Shannon-Serie: ‚Once a Widow‘ – ‚Verhängnisvoller Irrtum‘ (1957), ‚If the Shoe Fits‘ – ‚Ein Paar schwarze Schuhe‘ (1959), ‚Death of a Ladies‘ Man‘ – ‚Glück und Ende‘ (1960), ‚Suspicion‘ – ‚Sie ist zu eifersüchtig‘ (1964);

Einzelwerke: ‚Little Murder‘ – ‚Kleine Hexe‘ (1952), ‚The Pale Door‘ – ‚Meines Freundes Frau‘ (1955), ‚Mahogany Murder‘ – ‚Männer um Marcia‘ (1956), ‚The Case of the Missing Lovers‘ – ‚Gute Nacht und süsse Träume‘ (1957).