(*1956)

Geboren in der japanischen Hafenstadt Nagoya, Präfektur Aichi, brach Arimasa Osawa sein Studium an der Elite-Universität Keio ab, als er 1979 mit dem begehrten Eiji-Preis für den besten Debütroman ausgezeichnet wurde, und begann eine Laufbahn als Krimiautor mit Dashiell Hammett und Raymond Chandler als wichtigsten Bezugspunkten. Nach über zwei Dutzend von den Lesern verschmähten Romanen gelang ihm erst zehn Jahre später der Durchbruch: Mit ‚Der Hai von Shinjuku – Sodom und Gomorrha‘, dem ersten Band einer inzwischen auf zehn Bände angewachsenen Serie, die für das Fernsehen verfilmt wurde und einem „Manga“ als Vorlage diente, und deren beiden ersten Bände in vorzüglichen Übersetzungen auf Deutsch vorliegen.

Im Mittelpunkt der Reihe stehen der 36-jährige Oberkommissar Takashi Samejima, genannt der „Hai von Shinjuku“ („japanische Antwort auf Sam Spade, Philip Marlowe und Dirty Harry“), ein harter, kompromissloser Einzelgänger mit ausgezeichneten Kontakten zur Unterwelt, der sich immer wieder erbitterte Kämpfe mit der Yakuza (japanisches Pendant zur Mafia), aber auch mit bestechlichen Kollegen liefert; und das schillernde, berühmt-berüchtigte Viertel Shinjuku, in dem auf engstem Raum über 300’000 Menschen leben, darunter rund 10% Ausländer, und wo sich nicht nur der Verwaltungssitz der japanischen Präfektur, ein gigantischer Bahnhof, der Konzern ‚Mitsui Group‘, Grossbanken, riesige Kaufhäuser, mehrere bedeutende Universitäten und der Kaiserliche Shinjuku Park, sondern eben auch ungezählte von der Yakuza beherrschte Rotlicht- und Amüsierlokale befinden – das Tokioter Problemrevier, in das der Hai von seinen Vorgesetzten abgeschoben wurde.

‚Sodom und Gomorrha‘ ist eine harte und realistische, in einem schnörkellosen Stil erzählte Police-Procedural-Novel, in der Samejima mit Beharrlichkeit und gesunder Härte, mit List und Tücke einem nicht unsympathischen, offenbar mit selbst gebauten Waffen operierenden Polizistenmörder zu Leibe rückt. Der Roman wurde 1993 mit Hiroyuki Sanada als Samejima verfilmt, Regie führte Yojiro Takita.

Im zweiten Krimi ‚Rache auf Chinesisch‘ gerät Samejima zwischen die Fronten einer unübersichtlichen japanisch-chinesischen Racheangelegenheit, in der sich drei taiwanesische Männer auf fremdem Boden, in Shinjuku, gegenüberstehen – Kommissar Guo Rongmin aus Taipeh vom Dezernat für Organisiertes Verbrechen, Je Wie, ein mächtiger Gangsterboss, der in Shinjuku untergetaucht ist, und das Bindeglied, der Berufskiller Liu Zhensheng alias Duyuan („Giftaffe“), vor vielen Jahren Rongmins Armeekamerad und bester Freund, der von Je Wie auf übelste Art hintergangen wurde. In einer bedeutenden Nebenrolle: Die junge Prostituierte Nami, Tochter eines Chinesen und einer Japanerin, die in Tokio Tag für Tag Demütigungen und Rassismus erdulden muss, sich ausgerechnet in „Giftaffe“ verliebt – und der blutrünstigen Geschichte (36 Tote und sieben Verletzte!) eine ganz besondere Note gibt.

Osawas belletristisches Werk enthält über achtzig Romane – Krimis, Sciencefiction, Horror, Liebeskomödien und Romanzen. Internationale Anerkennung ist dem vielseitigen und stilsicheren, seit vielen Jahren in der japanischen Hauptstadt lebenden Autor bis heute verwehrt geblieben.

Bibliografie (nur ins Deutsche übersetzte Titel):

Oberkommissar Samejima-Serie: ‚Shinjuku-zame – ‚Der Hai von Shinjuku. Sodom und Gomorrha‘ (1990), ‚Shinjuku-zame. Doku Zaru‘ – ‚Der Hai von Shinjuku. Rache auf Chinesisch‘ (auch unter dem Titel ‚Giftaffe‘, 1991).