(Pseudonym für Jean Laborde, 1918-2007; schrieb auch als Jean Delion)

Jean Laborde wurde in Lyon geboren. Nach Abschluss des Jurastudiums arbeitete er als Journalist in seiner Heimatstadt, bis er 1945 nach Paris übersiedelte, um als Gerichtsreporter des ‚France-Soir‘ über die grossen Prozesse der Nachkriegszeit (Victor Kravchenko, Marie Besnard, Gaston Dominici) zu berichten. 1964 wechselte er zur Pariser Tageszeitung ‚L’Aurore‘, bei der er bis 1978, als sie durch den ‚Figaro‘ aufgekauft wurde, für das Ressort Gerichtsreportagen verantwortlich war.

Nebenberuflich, zunächst unter seinem angestammten Namen, ab 1966 unter den Pseudonymen Jean Delion und Raf Vallet, schrieb Jean Laborde Krimis, mit denen er sich unter die wichtigsten Vorläufer des „Néo-Polar“ einreihte. Darüber hinaus verfasste er einige Filmdrehbücher, darunter jenes zu Henri Verneuils Erfolgsstreifen ‚Peur sur la ville‘.

Zu Labordes bekanntesten Prosawerken gehören die recht frei verfilmten Thriller ‚Pouce!‘ (Filmtitel: ‚Le Pacha‘, Jean Gabin spielte die Hauptrolle des Kommissars Louis Joss, genannt „Le Pacha“), ‚Mort d’un pourri‘ (eine harte Geschichte über korrupte Machenschaften französischer Politiker in der Pompidou-Ära mit Alain Delon als Protagonist des gleichnamigen Films) und ‚Adieu poulet!‘ (mit Lino Ventura als Kommissar Verjeat in einer seiner besten Rollen).

Trotz (auch hierzulande) recht beachtlicher cinéastischer Erfolge konnte Jean Laborde ausserhalb von Frankreich mit seinen Romanen nie richtig Fuss fassen – ins Deutsche etwa sind einzig ‚Adieu poulet!‘ (‚Adieu, Bulle‘) und ‚Aux armes, mégalos!‘ (‚Auf ins Gefecht!‘) übertragen worden.

Im Mittelpunkt von ‚Adieu, Bulle‘ steht Kriminalkommissar Germain Verjeat, ein mürrischer und ungehobelter, jedoch ungemein fähiger Flic Mitte vierzig, der in einer südwestfranzösischen Grossstadt als Chef der Sitte Verbrecher jagt und sich dabei – zum Leidwesen seiner Vorgesetzten – immer wieder unorthodoxer Methoden bedient. Als Verjeat unter Verdacht gerät, Bestechungsgelder von einer Hure angenommen zu haben, dreht er den Spiess um: Angewidert von den Machenschaften der korrupten und machtgierigen Notablen der Stadt, schmiedet er einen genialen Plan, der ihm einen riesigen Haufen Geld einbringen und – an der Seite seiner schönen Geliebten Sylvaine – ein genussvolles Leben in Venezuela ermöglichen soll. An Verjeats Seite: Sein loyaler, zum Militärpiloten ausgebildeter Assistent Inspektor Maurat, dem der Flug in die Freiheit obliegt.

In Vallets zweitletztem Krimi ‚Aux armes, mégalos!‘ liefern sich Frankreichs Staatsfeind Nr.1 Maurice Berson, dem es gelungen ist, aus dem Gefängnis auszubrechen, und der ausgekochte Pariser Kommissar Etienne Véjart ein Duell auf höchster Ebene. Während der Gangster seine Kriegskasse mit ein paar Banküberfällen füllt, zieht der Bulle dessen Kumpane aus dem Verkehr, um ihn zu isolieren. Die Situation spitzt sich zu, als Berson den milliardenschweren Pressemagnaten und Frauenhelden Philippe Trémois als Geisel nimmt – doch Véjart hat noch ein paar Pfeile im Köcher.

Über die letzten zwanzig Lebensjahre des Autors sind keine verlässlichen Angaben auffindbar. Jean Laborde starb 88-jährig in der südfranzösischen Atlantikküstenstadt Biarritz.

Bibliografie:
Als Jean Laborde: ‚Amour, que de crimes‘ (1954), ‚Les assassins de l’ordre‘ (1956), ‚La loterie aux filles‘ (1956), ‚Les loups derrière le traîneau‘ (1958), ‚Le palais du rire‘ (1958), ‚Les cœurs vides‘ (1959), ‚Les bonnes causes‘ (1960), ‚Un homme à part entière‘ (1961), ‚Les grandes chaleurs‘ (1962), ‚Le voyage en Sibérie‘ (1963), ‚Caline Olivia‘ (1964), ‚Olivia et les 4 boss‘ (1965), ‚Olivia à gogo‘ (1965)‘, ‚Les assassins de l’ordre‘ (1968), ‚L’héritage de violence‘ (1969), ‚Un matin d’été à Lurs – 5 août 1952‘ (1972).
Als Jean Delion: ‚Quand me tues-tu?‘ (1966), ‚Quand s’allongent les nababs‘ (1966), ‚Pouce !‘ (1967), ‚Chérie froide‘ (1967), ‚Les espions ont soif‘ (1968).
Als Raf Vallet: ‚Mort d’un pourri‘ (1973), ‚Adieu poulet!‘ – ‚Adieu, Bulle‘ (1974), ‚Sa majesté le flic‘ (1976), ‚Squelette pour madame‘ (1975), ‚Saccage à Cannes‘ (1982), ‚Darling dollar‘ (1982), ‚Aux armes, mégalos!‘ – ‚Auf ins Gefecht!‘ (1982), ‚Salut les coquins!‘ (1984).

++ Erstellt: Januar 2014 ++