(Pseudonym für Yves Delville, 1920-2007; schrieb auch als Yves Dieryck)

Yves Delville kam als Sohn einer russisch-französischen Mutter und eines französischen Vaters in Paris zur Welt. Er studierte kurze Zeit in Belgien und Frankreich, blieb jedoch ohne Abschluss. Mit achtzehn ging er zur Marine und geriet im Zweiten Weltkrieg in deutsche Gefangenschaft. 1943 kehrte er nach Frankreich zurück – Paris und Lyon waren seine Wohnsitze. Um sein Leben als Weltenbummler zu finanzieren, verrichtete er Jobs wie Holzfäller, Matrose, Bauarbeiter, Plattenleger, Filmstatist, Vertreter und Fotograf.

Mitte der 50er-Jahre begann er zu schreiben, seine ersten fünf Romane (keine Krimis) kamen unter dem Pseudonym Yves Dieryck heraus, dem Namen seiner Grossmutter. Ab 1966, jetzt unter dem nom de plume Francis Ryck, verfasste er vorwiegend Noir- und Polizeiromane, darunter achtzehn Titel für die legendäre ‚Série noire‘ bei Gallimard, aber auch Psychothriller sowie eine Handvoll Spionageromane aus dem Kalten Krieg. Das Werk des bis kurz vor dem Tod aktiven Autors enthält rund sechzig Bücher, von denen zehn verfilmt wurden – der Paranoia-Thriller ‚Le compagnon indésirable‘ durch Robert Enrico mit Jean-Louis Trintignant, Marlène Jobert und Philip Noiret, Filmtitel ‚Le secret‘, und der Spionageroman ‚Drôle de pistolet‘ durch Claude Pinoteau mit Lino Ventura, Filmtitel ‚Le silencieux‘, um nur die bekanntesten zu nennen.

Rycks harte und schnörkellose, ohne jegliche Sentimentalitär erzählte Romane kreisen meist um verzweifelte, sich am äussersten Rand der Gesellschaft bewegende Figuren, die sich im Leben nicht zurechtfinden und gewalttätig werden – mit fatalen Folgen, auch für sie selbst. Die Mehrzahl der Bücher spielt in „seiner“ Stadt Paris, deren Atmosphäre eindrucksvoll gezeichnet ist.

Zusammen mit seinen Vorgängern Jean Amila, José Giovanni, Albert Simonin, Léo Malet und Auguste Le Breton gehörte Rycks zu den wichtigsten und originellsten Exponenten des roman noir. Er starb 87-jährig in Paris und hinterliess zwei Töchter, Michèle und Dominique.

Bibliografie:                                                                                                

‚Les heures ouvrables‘ (1963), ‚Nature morte aux châtaignes‘ (1963), ‚L’histoire d’une psychose‘ (1964), ‚L’apprentissage‘ (1965), ‚Opération Millibar‘ (1966), ‚Ashram drame‘ (auch unter dem Titel ‚Satan S.A., 1966), ‚Feu vert pour poisson rouge‘ (1967), ‚La cimetière des durs‘ – ‚Alle Fäden in ihrer Hand‘ (1968), ‚Incognito pour ailleurs‘ (1968), ‚La peau de Torpedo‘ (1968), ‚Drôle de pistolet‘ – ‚Ein Sender im Gepäck‘ (1968), ‚Paris va mourir‘ – ‚Überleben soll keiner‘ (1969), ‚L’incroyant‘ (1970), ‚Les chasseurs de sable‘ – ‚Wie Sand zwischen den Fingern‘ (1971), ‚Le campagnon indésirable‘ – ‚Flieh nicht mit Fremden‘ (1972), ‚Voulez-vous mourir avec moi?‘ – ‚Wollen Sie mit mir sterben?‘ (1973), ‚Le prix des choses‘ – ‚Der Preis der Dinge‘ (1974), ‚Le testament d’Amérique‘ – ‚Die Testamentsvollstrecker‘ (1974), ‚Ettraction‘ – ‚Sterben, das ist nicht so wichtig‘ (1975), ‚Le fils de l’alligator‘ (1977), ‚Nos intentions sont pacifiques‘ (1977), ‚Prière de se pencher au dehors‘ – ‚Ehrlich währt am kürzesten‘ (1978), ‚Nous n’irons pas à Valparaiso‘ (1980), ‚Le Piège‘ – ‚Eine Falle für drei Personen‘ (1981), ‚Le nuage et la foudre‘ (1982), ‚Le conseil de famille‘ (1983), ‚Il fera beau à Deauville‘ (1984), ‚Un cheval mort dans une baignoire‘ (1986), ‚Autobiographie d’un tueur professionel‘ (1987), ‚Requiem pour un navire‘ (1989), ‚L’honeur des rats‘ (1995), ‚Fissure‘ (1998), ‚Le point de jonction‘ (2000), ‚Le chemin des enfants morts‘ (2001), ‚La discipline du diable‘ (2004), ‚La casse‘ (2007), ‚L’enfant du lac‘ (2007).

Gemeinsam mit Marina Edo: ‚Les genoux cagneux‘ (1990), ‚Les relations dangereuses‘ (1991), ‚L’Eté de Mathieu‘ (1992), ‚La petite fille dans la forêt‘ (1993), ‚La toile d’araignée dans le rétroviseur‘ (1995), ‚L’autre versant de la nuit‘ – ‚Rendezvous fatal‘ (1996), ‚Mauvais sort‘ (1999).