(1948-2009)

Der Lebenslauf des 61-jährig in Frankreich verstorbenen Autors Pierre „Maldo“ Maldonado ist nur fragmentarisch bekannt. 1948 in der westalgerischen Küstenstadt Oran geboren, in den 80er- und 90er-Jahren Lehrer für französische und ausländische Literatur am Lycée Albert Camus bei Nantes, veröffentlichte der verheiratete Familienvater von 1976 bis 2008 acht Spannungsromane, unter ihnen ‚Le septième cercle‘, sein erstes und bekanntestes Werk, das unter dem Titel ‚Der siebte Kreis‘ als einziges auch auf Deutsch vorliegt. In seinem zweiten Roman ‚La lumière et la nuit‘, für den er lange Zeit vergebens einen Verleger suchte, befasst sich Maldonado auf 700 Seiten intensiv mit den sozialen und psychologischen Folgen des Algerienkriegs, ein Thema, das ihn jahrelang verfolgt hat.

‚Der siebte Kreis‘, angesiedelt in der Atlantik-Provinzstadt Nantes, erzählt aus der Perspektive des algerisch-stämmigen Nachtclubbesitzers Roger Vargas, eines glücklich verheirateten, jedoch immer wieder von wüsten Kriegserinnerungen heimgesuchten Mannes, dreht sich um den Selbstmord der vergnügungssüchtigen 23-jährigen Schönheit Katarin „Kate“ Madec, der das Ehepaar Vargas seit vielen Jahren zugeneigt war. Wichtige Rollen spielen drei von Kates ungezählten Liebhabern – der Jazzpianist Vincent Farel, der seinen Beruf nach einem schweren, selbst verschuldeten Unfall aufgeben musste, sein Nebenbuhler Eric Sinclair, ein begüterter, mit der unheilbar krebskranken Liz verheirateter Anwalt und leidenschaftlicher Kunstsammler, und Vargas‘ Schwager, der berühmte Architekt Laurent Braun, der sich in der Mitte des Buches eine Kugel in die Schläfe jagt; sowie der integre Ex-Polizist und jetzige Privatermittler David Carles, ein Meister seines Fachs, der von Kates betagtem Vater Erwan Madec engagiert wird, damit er Licht ins Dunkel bringt.

Um diese scharf und einfühlsam gezeichneten Figuren entwickelt der Autor seine schnelle, schlakenfreie, der angloamerikanischen „hardboiled school“ verpflichtete, von einer düster-melancholischen Stimmung durchwehte Geschichte um Geldgier, Eifersucht und Sex. Der Titel bezieht sich auf ein wertvolles Gemälde, das seinem Besitzer abhanden gekommen ist – ein Diebstahl, der am Ursprung der tragischen Geschehnisse steht; und natürlich auch auf Dantes ‚Divina Comedia‘, in der sich jene Sünder im siebten Kreis befinden, die sich gegen Gott aufgelehnt haben: Die Tyrannen, die Mörder – und die Selbstmörder.

Bibliografie:

‚Le septième cercle‘ – ‚Der siebte Kreis‘ (1976), ‚La lumière et la nuit‘ (1987), ‚Le petit flambeur‘ (1988), ‚Un été espagnol‘ (1990), ‚Tristezza‘ (1997), ‚L’homme qui aimait Clélia‘ (1997), ‚Une sale histoire‘ (2001), ‚La dernière aube‘ (2008).