(1924-2005; schrieb auch als William Arden, Nick Carter, Michael Collins, John Crowe, Walter Dallas, Robert Hart Davis, Carl Dekker, John Douglas, Maxwell Grant, Brett Halliday, Sheila Lynds, Sheila McErlean, Don Pendleton und Mark Sadler)

Dennis Lynds, geboren in St. Louis, Missouri, als Sohn eines britischen Schauspielerpaars, wuchs bis 1930 in einem Dorf bei Oxford und in London auf, danach der Reihe nach in Los Angeles, Denver und New York City, wo er die Brooklyn Technical High School und die Cooper Union besuchte. Anschliessend ging er an das Texas A&M College, bis er 1943 in die Army eingezogen wurde. Er verbrachte die letzte Phase des Zweiten Weltkriegs auf französischen Kriegsschauplätzen und wurde wegen Tapferkeit mehrfach ausgezeichnet. Nach dem Krieg arbeitete Lynds als Chemiker bei Pfizer & co. und als Journalist für Wissenschaftsmagazine. Parallel dazu schloss er 1949 ein Chemiestudium am Hofstra College in Hempstead, New York, mit einem Bachelor ab. Zwei Jahre Später liess er einen Master-Abschluss in Journalismus an der New Yorker Syracuse University folgen.

Anfang der 60er-Jahre begann Lynds zu schreiben, zunächst einen Roman über seine Kriegserlebnisse (‚Combat Soldier‘, 1962), ein Dutzend Gedichte sowie zahlreiche Kurzgeschichten für das ‚Mike Shayne Mystery Magazine‘ und andere Pulp-Gefässe, darunter dreizehn Stories über den einarmigen New Yorker Privatdetektiv Slot-Machine Kelly und einige Beiträge zu der von Brett Halliday herausgegebenen Mike Shayne-Serie.

Bis zu seinem Tod als Schriftsteller aktiv, verfasste Lynds über 80 Romane, etwa 200 Kurzgeschichten, zwei Sciencefiction-Romane und ein Buch über die Mondlandung. International bekannt wurde er mit seinen Beiträgen zu der unter der Marke Alfred Hitchcock erschienenen Drei-Fragezeichen-Jugendkrimireihe, die er mit dem Pseudonym William Arden zeichnete; und mit der schnörkellosen, unter dem Pseudonym Michael Collins veröffentlichten, aus 17 Romanen und zwei Story-Sammlungen bestehenden Dan Fortune-Serie.

Dan Fortune ist der Sohn polnisch-litauischer Einwanderer, deren richtiger Name Fortunowski von den Behörden etwas vereinfacht wurde. Die Familie lebte im West Side-Viertel Chelsea, der Vater, Cop beim NYPD, verliess seine Frau, als er sie mit einem andern Mann erwischte. Als 17-jähriger Schnösel verlor Dan seinen linken Arm, als er mit einer Jugendgang auf dem New Yorker Hafen ein Schiff ausplünderte (was ihm den Spitznamen „Danny der Pirat“ eintrug). Dieses Malheur bewog ihn, von einer kriminellen Laufbahn abzusehen und Chelsea zu verlassen. Er durchstreifte die Welt und verdiente sein Geld als Seemann, Kellner, Schauspieler, Knecht, Touristenführer usw., bis er in sein Viertel zurückkehrte, in der 28th Street ein kleines, schäbiges Büro bezog und als Privatdetektiv begann – schnelle Beine, Klugheit, Mut und Zähigkeit müssen fortan sein körperliches Handikap kompensieren.

Dan Fortune ist ein feinfühliger Ermittler mit einem Flair für die Schwachen, denen er gegen ein kleines Entgelt aus der Klemme hilft, und ein scharfer Beobachter seiner Umgebung. Er ist meist waffenlos unterwegs ist und muss immer wieder Prügel einstecken. Sein bester Freund ist Joe Harris, ein lebenskluger Bartender, der früher derselben Jugendgang wie Dan angehörte und ihn jetzt immer wieder mit wichtigen Informationen versorgt. Auch mit dem harten, unbestechlichen, kurz vor dem Ruhestand stehenden Cop Captain Gazzo, einem früheren Freund seiner Mutter, versteht er sich gut. Das Bett teilt Dan seit einigen Jahren mit der zwanzig Jahre jüngeren Marty Adair, einer begabten Bühnenschauspielerin, die ihren Lebensunterhalt als Showtänzerin bestreitet. Marty trennt sich zu Beginn des sechsten Bandes von Dan, um in der kalifornischen Westküstenstadt Santa Barbara mit einem anderen Mann zusammenzuleben – ein harter Schlag für den einarmigen Detektiv, der nun Trost beim Alkohol sucht, nach einigen Monaten jedoch wieder auf die Beine kommt. Gegen Ende der Reihe zieht auch Dan von New York nach Santa Barbara, zu seiner neuen Geliebten, dem Model Kay Michaels, und bringt dort noch ein paar Kriminalfälle zum Abschluss.

Der Autor hat zwei weitere Serienhelden zum Leben erweckt: Kane Jackson, einen hartgesottenen Privatdetektiv und Experten für Industriespionage aus Santa Barbara (fünf Titel, erschienen unter dem Pseudonym William Arden) sowie den Ermittler Paul Shaw aus New York City, einer von drei Mitarbeitern der in New York und Los Angeles ansässigen Agentur Thayer, Shaw & Delaney, der mit einer erfolgreichen Schauspielerin verheiratet ist (sechs Titel, erschienen unter dem Pseudonym Mark Sadler). Als John Crowe veröffentlichte Lynds überdies sechs Krimis, die im fiktiven südkalifornischen Buena Costa County angesiedelt sind, und in denen jedes Mal eine andere Person die Hauptrolle innehat.

Lynds war dreimal verheiratet: 1949 bis 1955 mit Doris Flood, 1961 bis 1985 mit Sheila McErlean, mit der er zwei Töchter, Katie und Deirdre, hatte und ab 1986 mit der Krimiautorin Gayle Stone (bzw. Gayle Lynds). Er lebte seit 1965 in Santa Barbara, Kalifornien und war mit seinem Schriftstellerkollegen Ross Macdonald eng befreundet. Gesundheitlich seit längerer Zeit angeschlagen, starb er 81-jährig in San Francisco, als er dort seine schwer verunfallte, im Koma liegende Tochter Katie besuchen wollte.

Bibliografie:

Als Michael Collins:

Dan Fortune-Serie: ‚Act of Fear‘ – ‚Letzter Ausweg Mord‘ (auch unter dem Titel ‚Aus lauter Angst‘, 1967), ‚The Brass Rainbow‘ – ‚Ein Dolch für die Braut‘ (1969), ‚Night of the Toads‘ – ‚Lady, Sie sterben nur einmal‘ (auch unter dem Titel ‚Die Nacht der Kröten‘, 1970), ‚Walk a Black Wind‘ – ‚Tochter des schwarzen Windes‘ (1971), ‚Shadow of a Tiger‘ – ‚Schach mit dem blauen Chinesen‘ (1972), ‚The Silent Scream‘ – ‚Der stille Schrei‘ (auch unter dem Titel ‚Totale Gier‘, 1973), ‚Blue Death‘ – ‚Mord geht auf Spesen‘ (1975), ‚The Blood-red Dream‘ – ‚Blutzoll für falsche Träume‘ (auch unter dem Titel ‚Der blutrote Alptraum‘, 1976), ‚The Nightrunners‘ – ‚Bittere Arznei‘ (auch unter dem Titel ‚Pillen für schmutzige Geschäfte‘, 1978), ‚The Slasher‘ – ‚Der Schlächter‘ (1980), ‚Freak‘ – ‚Freak‘ (1983), ‚Minnesota Strip – ‚Minnesota Strip‘ (1987), ‚Red Rosa – ‚Die rote Rosa‘ (1988), ‚Castrato‘ (1989), ‚Chasing Eights‘ (1990), ‚The Irishman’s Horse‘ (1991), ‚Cassandra in Red‘ (1992);

Einzelwerke: ‚Lukan War‘ (1969), ‚The Planets of Death‘, ‚The Cadillac Cowboy‘ (1995).

Als William Arden:

Kane Jackson-Serie: ‚A Dark Power‘ – ‚Von Kranzspenden bitten wir abzusehen‘ (1968), ‚Deal in Violence‘ – ‚Drei Tote in dieser Woche‘ (1969), ‚The Goliath Scheme‘ (1971), ‚Die to a Distant Drum‘ (auch unter dem Titel ‚Murder Underground‘, 1972), ‚Deadley Legacy‘ (1973).

Als Dennis Lynds:

‚Uptown, Downtown‘ (1963), ‚Charlie Chan Returns‘ (1974), ‚Crossfire‘ (1975).

Als John Crowe:

Buena Costa County-Serie: ‚Another Way to Die‘ – ‚Wie gelebt, so gestorben‘ (1972), ‚A Touch of Darkness‘ (1972), ‚Bloodwater‘ – ‚Blutgeld‘ (1974), ‚Crooked Shadows‘ – ‚Schräge Schatten‘ (1975), ‚When They Kill Your Wife‘ – ‚Ein Weg von Mord zu Mord‘ (1977), ‚Close to Death‘ (1979).

Als Carl Dekker:

‚Woman in Marble‘ – ‚Die Marmorfrau‘ (auch unter dem Titel ‚Tod im Zoom‘, 1972).

Als Mark Sadler:

Paul Shaw-Serie: ‚The Falling Man‘ – ‚Der lange Schrei‘ (1970), ‚Here To Die‘ – ‚Zertretene Blüten‘ (1971), ‚Mirror Image‘ – ‚Das Spiegelbild‘ (1972), ‚Circle of Fire‘ – ‚Im Feuerkreis‘ (1973), ‚Touch of Death‘ (1981), ‚Deadly Innocents‘ – ‚Der Tod der Schwalbe‘ (1986).

Einzelwerke: ‚Mack Bolan: Moving Target‘ (gemeinsam mit Layle Lynds‘, 1989), ‚Mack Bolan: Blood Fever‘ (gemeinsam mit Gayle Lynds, 1989), ‚A Common Enemy‘ (gemeinsam mit Gayle Stone‘, 1989).

Als Sheila McErlean:

‚Mask of Silence‘ (1968).

Als Nick Carter:

‚The N3 Conspiracy‘ (1974), ‚The Green Wolf Connection‘ – ‚Attentat am Ölturm‘ (1976), ‚Triple Cross‘ – ‚Das Todesdreieck‘ (1976), ‚Mercenary Mountain‘ (1986), ‚The Samurai Kill‘ (1986).