(1868-1947; schrieb auch als Philip Curtin und Elizabeth Rayner)

Marie Adelaide Elizabeth Renée Julia Rayner Lowndes, geborene Belloc, kam im Londoner Viertel Marylebone als Tochter der einflussreichen englischen Frauenrechtlerin Bessie Raynor Parkes und des (1872 verstorbenen) französischen Anwalts Louis Marie Belloc zur Welt und wuchs zuerst vornehmlich in La Celle-Saint-Cloud bei Versailles auf, ab 1877 in Slindon, Sussex, wo sie zwei Jahre eine Klosterschule besuchte. Ihr zwei Jahre jüngerer Bruder war der berühmte (antifeministisch eingestellte) Lyriker und Romancier Hilaire Belloc.

Als Teenager schrieb Marie Belloc ihre ersten Sketches, die in Magazinen wie ‚The Strand‘ abgedruckt wurden. Ab 1888 publizierte sie Artikel zu französischen Themen in der ‚Pall Mall Gazette‘ und anderen Zeitschriften. Für ihre Recherchen reiste sie mehrmals nach Frankreich und lernte dabei die Autoren Paul Verlaine, Edmond de Goncourt und Jules Verne kennen. 1896 heiratete sie den ‚Times‘-Journalisten und Autor Frederic Lowndes und hatte mit ihm zwei Töchter, Elizabeth und Susan, und einen Sohn, Charles. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stellte sie das Schreiben den Mittelpunkt ihres Lebens. 1913 trat sie in die Fussstapfen ihrer Mutter, indem sie Präsidentin der ‚Women Writer’s Suffrage League‘ wurde.

Lowndes begann ihre schriftstellerische Laufbahn mit satirischen Texten und Biografien, ab 1904 folgten zahlreiche – zum grössten Teil auf authentischen Fällen beruhende – Krimis, aber auch historische und romantische Romane, Kurzgeschichten, Theaterstücke, weitere biografische Schriften und die Autobiografien ‚I, Too, Have Lived in Arcadia‘ (1941) und ‚A Passing World‘ (1948).

Nach dem Tod ihre Mannes im Jahr 1940 pendelte Lowndes zwischen ihrem Londoner Wohnsitz und jenem ihrer älteren Tochter Countess Elizabeth Iddesleigh, dem Landhaus Eversley Cross in Hampshire, wo sie 79-jährig einer Krebserkrankung erlag.

Lowndes‘ weitaus bekanntestes Werk ‚Der sanfte Untermieter‘ übt bis heute, hundert Jahre nach seiner Erstveröffentlichung, einen unwiderstehlichen Sog aus. Es gründet auf der ungeklärt gebliebenen, legendenumrankten „Jack the Ripper“-Mordserie, wurde mehrmals verfilmt (unter anderem von Alfred Hitchcock im Jahr 1927) und auch für die Bühne adaptiert. („Jack the Ripper“ hatte im Herbst 1888 fünf am äussersten Rand der viktorianischen Gesellschaft im Londoner East End darbende Frauen gemeuchelt.)

Ellen und Robert Bunting, ein schlichtes, ältliches, am Hungertuch nagendes Ehepaar aus Whitechapel, sind des Lobes voll über ihren neuen Untermieter, den unscheinbaren, höflichen Eigenbrötler Mr. Sleuth, der ihnen ja auch aus der ärgsten finanziellen Not verhilft – wenn da nur seine nächtlichen Ausflüge nicht wären. Die beiden wissen nämlich aus der Presse von einer Mordserie in ihrer unmittelbaren Umgebung. Und der Scotland Yard-Beamte Joe Chandler, der Freund ihrer Tochter Daisy, hält sie über die polizeilichen Ermittlungen stets auf dem Laufenden. Selbst wenn der Leser schon früh erfährt, dass es sich bei Mr. Sleuth tatsächlich um den Frauen-Aufschlitzer handelt, gelingt es der sprachlich und psychologisch versierten Autorin, die Spannung bis zur letzten Seite aufrechtzuerhalten, indem sie den Fokus auf Mrs. Bunting richtet, diese reizlose und einsilbige Frau mit ihren Vorurteilen und existentiellen Ängsten, die sie die Augen vor der Wahrheit verschliessen lassen.

Bibliografie:
‚The Heart of Penelope‘ (1904), ‚The Uttermost Farthing‘ (1908), ‚When No Man Pursueth: An Everyday Story‘ (1910), ‚The Chink in the Armour‘ (auch unter dem Titel ‚The House of Peril‘, 1912), ‚The End of Her Honeymoon‘ (1913), ‚The Lodger‘ – ‚Der sanfte Untermieter‘ (auch unter den Titeln ‚Der Rächer‘ und ‚Jack the Ripper oder Der Untermieter‘ (1913), ‚Good Old Anna‘ (1915), ‚Lilla: A Part of Her Life‘ (1916), ‚Out of the War‘ (auch unter dem Titel ‚The Gentleman Anonymous‘, 1918), ‚The Loneley House‘ (1920), ‚From the Vasty Deep‘ (auch unter dem Titel ‚From Out the Vasty Deep‘, 1920), ‚What Timmy Did‘ (1921), ‚Why They MArried‘ (1922), ‚The Terriford Mystery‘ (1924), ‚Bread of Deceit‘ (auch unter dem Titel ‚Afterwards‘, 1925) ‚What Really Happened‘ (1926), ‚The Story of Ivy‘ – ‚Frau Ivys Geschichte‘ (1927), ‚You Shalt Not Kill‘ (1927), ‚Cressida: No Mystery‘ (1928), ‚Duchess Laura‘ (auch unter dem Titel ‚The Duchess Intervenes‘, 1929), ‚Love’s Revenge‘ (1929), ‚One of Those Ways‘ – ‚Spiel um hohen Einsatz‘ (1929), ‚Letty Lynton‘ (1931), ‚Vanderlyn’s Adventure‘ (auch unter dem Titel ‚The House by the Sea‘) – ‚Vanderlyns Abenteuer‘ (1931), ‚Jenny Newstead‘ (1932), ‚Love is a Flame‘ (1932), ‚The Reason Why‘ (1932), ‚Duchess Laura: Further Day From Her Live‘ (1933), ‚Another Man’s Wife‘ (1934), ‚The Cianti Flask‘ (1934), ‚Who Rides on a Tiger‘ (1935), ‚The Second Key‘ (auch unter dem Titel ‚The Injured Lover‘, 1936), ‚And Call it Accident‘ (1936), ‚The House by the Sea‘ (1937), ‚The Marriage Broker‘ (auch unter dem Titel ‚The Fortune of Bridget Malone‘, 1937), ‚Reckless Angel‘ (1939), ‚Lizzie Borden‘ (1939), ‚The Christine Diamond‘ (1940), ‚Before the Storm‘ (1941), ‚What oft he Night‘ (1943), ‚A Labour of Hercules‘ (1943).

++ Erstellt: September 2013 ++