(Kürzel für Albert-Charles Simonin, 1905-1980)

Geboren und aufgewachsen im Pariser Proletarier-Viertel La Chapelle als Sohn eines Blumenhändlers, musste Albert Simonin mit zwölf die Schule verlassen, um Geld zu verdienen. Vier Jahre später war er Waise. Nachdem er sich einige Zeit mit Gelegenheitsarbeiten durchgeschlagen hatte, leistete er Mitte der 20er-Jahre seinen Militärdienst. Danach wurde er Journalist, zuerst beim Blatt ‚L’Intransigeant‘ im Ressort Sport. Schwierigkeiten mit dem Gesetz führten zu zwei Jahren im Exil. Zurück in Paris, arbeitete er zunächst als Taxifahrer, später wiederum als Journalist für verschiedene Zeitungen und Magazine.

Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete Simonin für das ‚Centre d’Action et de la Documentation‘, ein antisemitisches Organ, das von den Deutschen finanziert wurde. Nach der Befreiung Frankreichs musste er deshalb für fünf Jahre ins Zuchthaus. Als er auf freien Fuss kam, begann er Krimis und Drehbücher zu schreiben – und wurde einer der Begründer des „roman noir“. Kurz vor dem Tod konnte er noch seine Memoiren unter dem Titel ‚Confession d’un enfant de la Chapelle‘ veröffentlichen. Er starb 74-jährig in Paris.

Simonins Stil prägender (mit Wörtern der französischen Umgangssprache, dem Argot, getränkter)  Gangsterroman ‚Touchez pas au grisbi!‘ (auf Deutsch: ‚Wenn es Nacht wird in Paris‘), kam 1953 heraus und bildet mit den Nachfolgewerken ‚Le cave se rebiffe‘ und ‚Grisbi or not grisbi‘ eine Trilogie. Schwindelmaxe und Heini (im Original Max-le-Menteur und Riton) planen einen letzten Dreh, bevor sie sich endgültig zur Ruhe setzen wollen: Raub von Goldbarren im Wert von 50 Millionen Anciens Francs. Alles läuft wie am Schnürchen, die Polizei tappt im Dunkeln, doch Heini macht sich mit diesem Coup bei seiner Geliebten Josy wichtig, diese weiht den aufstrebenden Gangster Angelo (ihren Kokainlieferanten und neuen Liebhaber) ein, und der trachtet nun danach, Schwindelmaxe und Heini die Beute abzujagen, um sich zum Chef der Pariser Unterwelt aufzuschwingen. Der spektakuläre, mit viel schwarzem Humor beschriebene Bandenkrieg findet im Vergnügungsviertel längs des Boulevard Clichy und des Boulevard Rochouart statt. Jean Becker verfilmte das Buch im Jahr 1954 mit Jean Gabin, Jeanne Moreau und Lino Ventura in den Hauptrollen.

Simonins übrige Romane, darunter die legendäre, in den 1920er-Jahren in Paris spielende Le Hotu-Trilogie, liegen nicht auf Deutsch vor. Neben seinen neun Romanen publizierte der Autor mehrere Essays und ein Wörterbuch des Argot.

Bibliografie:
Max le Menteur-Trilogie: ‚Touchez pas au grisbi!‘ – ‚Wenn es Nacht wird in Paris‘ (1953), ‚Le Cave se rebiffe‘ (1954), ‚Grisbi or not grispi‘ (1955);
Le Hotu-Trilogie: ‚Le Hotu‘ (1968), ‚Le Hotu s’affranchi‘ (1969), ‚Hotu soit qui mal y pense‘ (1973);
Einzelwerke: ‚Une balle dans le canon‘ (1958), ‚Du mouron pour les petits oiseaux‘ (1960), ‚L’Elegant‘ (1973).

++ Erstellt: September 2010 ++
++ Update: Januar 2014 ++