(1890-1967)

Harry Stephen Keeler kam in Chicago zur Welt und wuchs dort in der Pension seiner verwitweten Mutter auf, eine Zeit lang auch in einer Nervenheilanstalt. Nach seiner Ausbildung zum Elektroingenieur am Armour Institute (dem heutigen Illinois Institute of Technology) arbeitete er in einem Stahlwerk. Nachts frönte er seiner Passion, dem Schreiben von Kurzgeschichten, die er an verschiedene Pulp-Gefässe verkaufte. Von 1919 bis 1940 gab er das Magazin ’10-Story Book‘ heraus. Mitte der 20er-Jahre erschienen die ersten seiner über siebzig Romane.

Harry Keeler, der Mann mit dem rassigen Scheitel, erlebte seine Blütezeit in den 30er- und frühen 40er-Jahren, ehe er von seinem amerikanischen Verleger fallen gelassen wurde. Nach dem Tod seiner ersten Frau, der Pulp-Autorin Hazel Goodwin, im Jahr 1960 stellte er die Schreibmaschine vorerst beiseite. Drei Jahre später heiratete er seine ehemalige Sekretärin Thelma Rinaldo – und versuchte sich daraufhin noch einmal als Romanautor. Er starb 76-jährig in Chicago und hinterliess unzählige Manuskripte. 1997 gründete Richard Polt die „Harry Stephen Keeler Society“, worauf der Autor im angloamerikanischen Raum ein Revival hatte.

Keelers Werk ist breit gefächert. Es enthält Tüftelkrimis, Thriller, historische Romanzen, Sciencefiction sowie, Keelers Spezialität, „webwork novels“. Der vom Autor kreierte Begriff steht für potpourri-artig gebaute, teilweise sehr umfangreiche und bizarre Erzählungen – bestehend aus scheinbar zusammenhanglosen Ereignissen, aber auch aus Dialogen, philosophischen Exkursen und ganzen (teilweise von Keelers erster Frau verfassten) Kurzgeschichten -, die er  zu einer verblüffenden, wenn auch nicht immer ganz plausiblen Lösung bündelte. Dem Vernehmen nach sammelte Keeler eifrig Zeitungsnachrichten über aussergewöhnliche Geschehnisse. Bevor er eine Geschichte schrieb, griff er sich eine Handvoll dieser Zettel und versuchte dann, ihre Inhalte unter einen Hut zu bringen.

’16 Bohnen‘ ist 2013 in einer einmaligen auf 250 nummerierte Exemplare limierten Auflage in der „Edition Phantasia“ des Joachim Körber Verlags erschienen. Der als Einstiegsdroge in Keelers Werk vorzüglich geeignete Krimi wurde durch Körber übersetzt und mit einem Nachwort abgerundet. Er besteht aus zwei lose miteinander verknüpften Strängen, zwischen denen Keeler hin- und herspringt, Boyce Barkstone und Gilbert Parradine sind ihre Hauptakteure.
Zu Beginn der Geschichte erbt Barkstone von seinem Grossvater statt der erwarteten 100’000 Dollar ein Säckchen mit 16 grundverschiedenen Bohnen und die kryptische Anweisung, wie er sie verwenden soll. Das Buch ‚Der Weg hinaus‘, das die gesammelte Weisheit des alten China beinhaltet und von dem es nur noch ein einziges Exemplar gibt, soll ihm den Weg weisen.
Auf Seite 89 wechselt Keeler zum sympathischen New Yorker Tycoon Parradine, der ebenfalls hinter dem chinesischen Meisterwerk her ist. Dann wird Parradine Opfer einer Entführung – mit geringen Chancen, sie zu überleben.
Skurrile Figuren mit Namen wie Jonathan G. Wing, genannt John Hoi (beinloser Verkäufer von Schnürsenkeln, früher ein angesehener Rechtsanwalt chinesischer Herkunft), Sealwell Zack (Professor der „Bohnologie“), Ochiltree Zark (Antiquar), Hutchcock McDolphus (Tierhäutehändler und Besitzer des Buchs ‚Der Weg hinaus‘), aber auch originelle Weisheiten im Stil von „Der Frosch im Brunnen weiss nichts vom weiten Meer“ und ausufernde Zwiegespräche sorgen für vergnügliche Lesestunden. Und als Surplus erzählt Keeler die „älteste Detektivgeschichte der Welt“, verfasst 500 v.Chr. von keinem Geringeren als Konfuzius, die Barkstone schliesslich auf die richtige Spur führt.

Bibliografie:

‚The Green Jade Hand‘ (1919), ‚Amazing Web‘ (1921), ‚Find the Clock‘ (1921), ‚The Fourth King‘ (1921), ‚The Voice of the Seven Sparros‘ – ‚Die sieben Spatzen‘ (auch unter dem Titel ‚Anwalt Crosby in der Klemme‘, 1924), ‚The Search for XYZ‘ (1924), ‚Find the Clock‘ (1925), ‚The Spectacles of Mr Cagliostro‘ (auch unter dem Titel ‚The Blue Spectacles‘) – ‚Die Brille des Grafen Cagliostro‘ (1926), ‚Sing Sing Nights‘ – ‚Sing Sing Nächte‘ (1927), ‚The Amazing Web‘ – ‚Das geheimnisvolle Netz‘ (auch unter dem Titel ‚Der Angeklagte schweigt‘, 1929), ‚The Fourth King‘ (1929), ‚Thieves‘ Nights‘ – ‚Diebesnächte‘ (1929), ‚The Green Jade Hand‘ (1930), ‚The Tiger Snake‘ (auch unter dem Titel ‚The Riddle of the Yellow Zuri‘, 1930), ‚The Matilda Hunter Murder‘ (auch unter dem Titel ‚The Black Satchel‘, 1931), ‚The Box from Japan‘ (1932), ‚Behind That Mask‘ (1933), ‚The Face of the Man from Saturn‘ (auch unter dem Titel ‚The Crilly Court Mystery‘, 1933), ‚The Washington Square Enigma‘ (auch unter dem Titel ‚Under Twelve Stars‘) – ‚Im Zeichen der zwölf Sterne‘ (1933), ‚The Mystery of the Fiddling Cracksman‘ – ‚Der Mann mit der Geige‘ (1934), ‚The Riddle of the Travelling Skull‘ – ‚Ein Totenkopf auf Reisen‘ (1934), ‚Ten Hours‘ (1934), ‚The Five Silver Buddhas‘ – ‚Fünf silberne Buddhas‘ (1935), ‚The Skull of the Waltzing Clown‘ (1935), ‚X Jones of Scotland Yard‘ (auch unter dem Titel ‚X Jones‘, 1935), ‚The Marceau Case‘ (1936), ‚The Defrauded Yeggman‘ (1937), ‚The Mysterious Mr I‘ (1937), ‚The Wonderful Scheme of Mr Christopher Thorne‘ (auch unter dem Titel ‚The Wonderful Scheme‘, 1937), ‚Finger! Finger!‘ (1938), ‚When Thief Meets Thief‘ (1938), ‚Y. Cheung: Business Detective‘ (auch unter dem Titel ‚Cheung, Detective, 1939), ‚The Chameleon‘ (1939), ‚The Man with the Magic Eardrums‘ (auch unter dem Titel ‚The Magic Eardrums‘, 1939), ‚Find Actor Hart‘ (auch unter dem Titel ‚The Portrait of Jirjohn Cobb‘, 1939), ‚Cleopatra’s Tears‘ (1940), ‚The Man with the Crimson Box‘ (auch unter dem Titel ‚The Crimson Box‘, 1940), ‚The Man with the Wooden Spectacles‘ (auch unter dem Titel ‚The Wooden Spectacle‘, 1941), ‚The Peacock Fan‘ (1941), ‚The Sharkskin Book‘ (auch unter dem Titel ‚By Third Degree‘, 1941), ‚The Vanishing Gold Truck‘ (1941), ‚The Lavender Gripsack‘ (1941), ‚The Book with the Orange Leaves‘ (1942), ‚The Bottle with the Green Wax Seal‘ (1942), ‚The Vase of the Two Strange Ladies‘ (1942), ‚The Case of the Ivory Arrow‘ (1943), ‚The Case of the 16 Beans‘ (auch unter dem Titel ‚The 16 Beans‘) – ’16 Bohnen‘ (1944), ‚The Case of the Mysterious Moll‘ (auch unter dem Titel ‚The Iron Ring‘, 1944), ‚The Case of the Canny Killer‘ (auch unter dem Titel ‚Murder in the Mills‘, 1946), ‚The Monocled Monster‘ (1947), ‚The Case of the Barking Clock‘ (1947), ‚The Case of the Jeweled Ragpicker‘ (auch unter dem Titel ‚The Ace of Spades Murder‘, 1948), ‚The Case of the Transposed Legs‘ (1948), ‚The Murdered Mathematician‘ (1949), ‚The Strange Will‘ (1949), ‚The Steeltown Strangler‘ (1950), ‚Hangman’s Nights‘ (1951), ‚The Murder of London Lew‘ (1952), ‚Stand By – London Calling‘ (1953), ‚The Gallows Waits, My Lord!‘ (1953), ‚The Case of the Crazy Corpse‘ (1954), ‚The Crimson Cube‘ (1954), ‚The White Circle‘ (1954), ‚The Circus Stealers‘ (1956), ‚The Street of 1000 Eyes‘ (1956), ‚The Trap‘ (1956), ‚A Copy of Beowulf‘ (1957), ‚The Mysterious Ivory Ball of Wong Shing Li‘ – ‚Die geheimnisvolle Elfenbeinkugel des Wong Shing Li‘ (1957), ‚Report on Vanessa Hewstone‘ (1957), ‚The Affair of the Bottled Deuce‘ (1958), The Case of the Transparent Nude‘ – ‚Die durchsichtige Nackte‘ (1958), ‚The Six from Nowhere‘ (1958), ‚The Stolen Gravestone‘ (1958), ‚The Straw Hat Murders‘ (1958), ‚I Killed Lincoln at 10:13!‘ (1958), ‚The Man Who Changed His Skin‘ (1959), ‚The Mysterious Card‘ (1959), ‚The Photo of Lady X‘ (1959), The Case of the 2 Headed Idiot‘ (1960), ‚The Riddle of the Wooden Parrakeet‘ (1960), ‚The Strange Journey‘ (1965), ‚The Scarlett Mummy‘ (1965).