(1904-1993)

Dorothy Belle Hughes, geborene Flanagan, kam in Kansas City, Missouri, zur Welt und wuchs auch dort auf. Sie studierte Journalistik an der University of Missouri, Abschluss 1924, und arbeitete dann einige Jahre in diesem Beruf. 1931 kam ihr erstes Buch heraus, die Lyriksammlung ‚Dark Certainty‘. 1932 heiratete sie Levi Allan Hughes und liess sich mit ihm in Santa Fé, New Mexico, nieder. 1940 veröffentlichte sie ihren ersten von vierzehn Krimis. 1952 unterbrach sie ihre schriftstellerische Laufbahn, weil sie sich um ihre erkrankte Mutter kümmern musste und nicht mehr genügend Zeit und Ruhe zum Romanschreiben fand. In dieser Zeit verfasste sie ungezählte Literaturkritiken für Zeitungen wie die ‚Los Angeles Times‘ und ‚The New York Herald Tribune‘. 1963 erschien ihr letzter Krimi, 1978 eine Biografie ihres Kollegen Erle Stanley Gardner, mit dem sie befreundet war. Dorothy Hughes hatte mit ihrem 1975 verstorbenen Mann drei Kinder, Suzy, Holly und Antony. Sie erlag 88-jährig in in ihrem Haus in Ashland, Oregon, den Folgen eines Hirnschlags.

Hughes‘ geschliffene Noir-Romane drehen sich zumeist um soziale Aussenseiter. Mit ihrem Massstäbe setzenden Meisterwerk ‚Einsamer Ort‘ brachte die Autorin einen der ersten Serienkillerromane der Weltliteratur zu Papier, 1947, als es den Begriff noch gar nicht gab. Im Mittelpunkt steht der arbeitslose, psychisch labile – zwischen Selbstgefälligkeit, Jähzorn und Wehleidigkeit schwankende – Amerikaner Dix Steele, als Kampfpilot ein strahlender Held im Zweiten Weltkrieg, der zurzeit in Beverly Hills ein schickes Apartment bewohnt, als Zivilist ein unerträglich langweiliges Leben führt – und das Töten nach Kriegsende nicht lassen konnte. Einsam streift er durch die Nacht, stellt jungen Frauen nach – und erdrosselt sie. In wichtigen Rollen: Dix‘ Kriegskamerad und bester Freund Brub Nicolai, Detective beim LAPD, der an der Untersuchung der Würger-Mordserie beteiligt ist; sowie zwei starke Frauen –  Dix‘ Nachbarin Laurel Gray, eine rothaarige Femme fatale, in die er sich bis über beide Ohren verknallt, und Brubs kluge, empfindsame Gattin Sylvia, die dem psychopathischen Frauenhasser Dix zum Verhängnis wird. Die zeitkritische, aus der Sicht des eindringlich geschilderten Killers in der dritten Person erzählte Geschichte wurde 1950 von Nicholas Ray ziemlich frei verfilmt, Humphrey Bogart und Gloria Grahame spielten die Hauptrollen.

Bibliografie:

‚The So Blue Marble‘ (1940), ‚The Bamboo Blonde‘ (1941), ‚The Fallen Sparrow‘ (1942), ‚The Blackburder‘ (1943), ‚The Delicate Ape‘ (1944), ‚Johnnie‘ (1944), ‚Dread Journey‘ (1945), ‚Ride the Pink Horse‘ – ‚Der Tod tanzt auf den Strassen‘ (1946), ‚The Scarlet Imperial‘ (auch unter dem Titel ‚Kiss for a Killer‘, 1946), ‚In a Lonely Place‘ – ‚Einsamer Ort‘ (auch unter den Titeln ‚Ein einsamer Ort‘ und ‚Wo kein Zeuge lauscht‘, 1947), ‚The Big Barbecue‘ (1949), ‚The Candy Kid‘ (1950), ‚The Davidian Report‘ (auch unter dem Titel ‚The Body on the Bench‘, 1952), ‚The Expendable Man‘ – ‚Das Kainszeichen‘ (1963).