(1926-2004)

Richard Hey, geboren in Bonn als ältestes von drei Kindern des bekannten Rechtmediziniers Rolf Hey, aufgewachsen in Greifswald, Pommern, und Frankfurt/Main, studierte Musik, Geschichte und Germanistik, brach dann aber sein Studium ab, um als Regieassistent, Journalist und Musikkritiker zu arbeiten. Ab Anfang der 50er-Jahre schrieb er Bühnenstücke und -texte, Hörspiele, Kriminalerzählungen sowie Drehbücher für Film und Fernsehen, unter anderem den ‚Tatort‘. 1972 bis 1976 war er Mitherausgeber der AutorenEdition des Bertelsmann-Verlags, 1975/76 Schauspieldramaturg in Wuppertal. 1976 wurde er freischaffender Autor. Kurz nach der Publikation seiner Erinnerungen Die schlafende Schöne in Formalin‘ starb er 78-jährig in Berlin, wo er die meiste Zeit seines Erwachsenenlebens verbracht hatte.

Zwischen 1973 und 1980 publizierte Richard Hey drei sozialkritische, um Probleme wie Jugendgewalt, Fremdenhass und Drogenhandel kreisende Kriminalromane mit der empathischen, politisch links stehenden Westberliner Oberkommissarin Katharina Ledermacher, genannt die Ledermacherin, in der Hauptrolle – intelligent und schnörkellos geschriebene, unprätentiöse Police-Procedural-Novels mit einer fein und glaubhaft skizzierten Protagonistin. Katharina Ledermacher, eine Frau mit traumatischer Kindheit, geschiedene Mutter einer heranwachsenden Tochter namens Kathinka, mit einem Lehrer im Konkubinat lebend, quittiert den Dienst am Ende des dritten Bandes, weil sie die Militarisierung des Polizeiapparats ablehnt.

Viel Raum gibt Richard Hey der vielschichtigen, überwiegend freundschaftlichen Beziehung zwischen Katharina und ihrer Tochter, die zunächst noch beim Vater in der Schweiz lebt, später, in ihrer rebellischen Phase, der Mutter manche schlaflose Nacht bereitet, gegen Ende der Trilogie einen Sohn zur Welt bringt und sich mit ihm in einer Wohngemeinschaft niederlässt.

In ‚Feuer unter den Füssen‘, der 1981 erschienenen Romanversion des von Hey verfassten Drehbuchs zum Tatort-Krimi ‚Der Mann auf dem Hochsitz‘, ermittelt mit der Mainzer Oberkommissarin Marianne Buchmüller eine neue (mit der Ledermacherin befreundete) Polizistin einen brisanten, bis in die Zeit der Nazi-Diktatur zurückreichenden Mordfall.

In den 80er-Jahren liess Hey zwei Bände mit Kriminalerzählungen und drei nicht dem Krimigenre zuzurechnende Romane folgen, unter ihnen die Sciencefiction-Geschichte ‚Im Jahr 95 nach Hiroshima‘. 1999 beendete er seine schriftstellerische Laufbahn.

Im Jahr 2008 veröffentlichte Uwe Friesel mit ‚Goldaugenmusik‘ einen Krimi, der auf einem nachgelassenen Fragment eines Ledermacher-Romans beruht – mit Kathrin Ledermacher und Friesels Serienfigur Guido Blankenhorn als Privatermittler.

Bibliografie:

Kommissarin Katharina Ledermacher-Serie: ‚Ein Mord am Lietzensee‘ (1973), ‚Engelmacher und Co‘ (1975), ‚Ohne Geld singt der Blinde nicht‘ (1980);
‚Feuer unter den Füssen‘ (1981).