(*1937)

Anders Bodelsen wurde als Sohn eines Englischprofessors und einer Kunsthistorikerin in Frederiksberg, Kopenhagen, geboren und wuchs auch dort auf. Er ging bis 1956 ans Ordrup Gymnasium und studierte anschliessend einige Semester Rechtswissenschaft, Volkswirtschaft und Literaturwissenschaft an der Universität Kopenhagen. Danach verfolgte er eine Laufbahn als Kritiker beim dänischen Fernsehen, den Tageszeitungen ‚Politiken‘ und ‚Information‘ und dem Magazin ‚Perspektiv‘ sowie als Journalist, Schriftsteller und Herausgeber einer Literaturzeitschrift. 1959 veröffentlichte er seinen ersten Roman, Mitte der 60er-Jahre gelang ihm der literarische Durchbruch. 1975 heiratete er die Sound-Designerin Eva Sindahl-Petersen.

Bodelsens umfangreiches und vielfältiges Werk enthält Kinder- und Jugendbücher, Fernseh- und Filmdrehbücher, Theaterstücke, Hörspiele, Kurzgeschichten, Sciencefiction (‚Brunos tiefgekühlte Tage‘) und dreizehn Erwachsenenkrimis, von denen vier auf Deutsch erschienen sind; unter ihnen ‚In guten und in bösen Tagen‘, die beklemmende, Geschichte eines Versicherungsbetruges, der drei unschuldigen Menschen das Leben kostet, der Bestseller ‚Geld zum zweiten Frühstück‘ und ‚Verdunkelung‘. In seiner Heimat gilt Bodelsen als bedeutender Vertreter des „Dänischen Neurealismus“, einer Gegenbewegung zum Modernismus.

Bodelsens erster Krimi ‚Geld zum zweiten Frühstück‘ wurde dreimal verfilmt, zuletzt durch Rainer Erler für das ZDF (‚Der Amateur‘, 1972). Die originelle Geschichte kreist um den unscheinbaren Bankkassierer Flemming Borck, der eines Tages zufällig erfährt, dass seine Bankfiliale demnächst überfallen wird, und nun einen Plan schmiedet, der ihm, wenn alles klappt, 178’000 Kronen einbringen wird, während sich der Räuber mit 10’000 Kronen begnügen muss. Der Plan geht auf, doch wenige Tage später wird Borck von einem Unbekannten angerufen, dem reingelegten Verbrecher, der die Hälfte der Beute für sich beansprucht – und seiner Forderung dann mit einem Revolver Nachdruck verleiht.

‚Verdunkelung‘ spielt im Kopenhagen des Septembers 1944 – der Widerstand gegen die deutschen Okkupanten wächst, Sabotageakte und Fememorde sind an der Tagesordnung, die örtliche Polizei hält mühsam Recht und Ordnung aufrecht, als eines Nachts der lebenslustige Börsenmakler und Filmstudio-Besitzer Otto Baumann ermordet wird; ein überaus delikater Fall, denn die Tat könnte sowohl von den Deutschen als auch von der dänischen Widerstandsbewegung begangen worden sein. Kurz nachdem ein zweiter Mord geschieht, wird die gesamte dänische Polizei von den Deutschen verhaftet. Einzig der 40-jährige Familienvater Helge Nielsen von der Mordkommission entgeht durch Zufall der Razzia, taucht unter und verbeisst sich in den Fall. Die Spuren führen zu einem hasserfüllten Mann, dessen Töchterchen sechs Jahre zuvor einem Verkehrsunfall zum Opfer gefallen ist.

Bibliografie:

‚Taenk pa et tal‘ – ‚Geld zum zweiten Frühstück‘ (1968), ‚Haendeligt uheld‘ (1968), ‚Straus‘ – ‚Straus oder der zweitbeste Kriminalschriftsteller von Dänemark‘ (1971), ‚Bevisets stilling‘ (1973), ‚Pengene og livet‘ (1976), ‚Operation Cobra‘ (1976), ‚Borte borte‘ – ‚In guten und in bösen Tagen‘ (1980), ‚Domino‘ (1984), ‚Revision‘ (1985), ‚Morklaegning‘ – ‚Verdunkelung‘ (1988), ‚Byen uden ildebrande‘ (1989), ‚Rod september‘ (1991), ‚Den abne dor‘ (1997).