(1935-2014)

Marshall Browne wurde in Melbourne geboren. Nach seiner Ausbildung war er über dreissig Jahre bei der National Australia Bank tätig – von 1974 bis 1981 in Hongkong, wo er in seiner Freizeit zu schreiben begann, danach bis 1995 in London, Melbourne und Bhutan -, ehe er sich ganz auf die Schriftstellerei konzentrierte. Er lebte mit seiner 2012 verstorbenen Frau Merell, einer Innendekorateurin, in Melbourne, ihre gemeinsame Tochter Justine arbeitet in der australischen Botschaft in den Vereinigten Staaten. Browne erlag 78-jährig in Melbourne einer mehrjährigen Krebserkrankung.

Brownes belletristisches Werk enthält unter anderem einen Band mit Kurzgeschichten, drei im Melbourne der 1880er- und 1890er-Jahre spielende Romane, die Politthriller-Tetralogie um Inspektor Anders und zwei in Nazideutschland angesiedelte Krimis. Der vierte Anders-Krimi, den er kurz vor seinem Tode fertigstellen konnte, kam 2016 in die Buchläden.

Der römische Terroristen- und Mafiajäger Inspektor Anders, ein höflicher, nachdenklicher, etwas altmodischer Junggeselle um die fünfzig mit einer Vorliebe für leckere Speisen, guten Wein und reife Frauen, hat im Kampf gegen die Roten Brigaden vor vielen Jahren ein Bein verloren und trägt eine Prothese. Er wartet eigentlich nur noch auf die kurz bevorstehende Pensionierung, als er in ‚Die Witwe des Richters‘ beauftragt wird, in einem süditalienischen Städtchen die offenbar von der Mafia verübten Morde an zwei Richtern aufzuklären. Bei seinen Nachforschungen gerät der desillusionierte Polizist in einen Strudel von Korruption, Gewalt und organisierter Kriminalität.

‚Job Killer‘ dreht sich um eine Gruppe von radikalen Globalisierungsgegnern („Gruppe Jüngster Tag“), die in Deutschland und Frankreich Firmenbosse in die Luft jagen, wenn diese Fusionen in die Wege leiten, die zu Massenentlassungen führen. Inspektor Anders, neuerdings führender Anti-Terrorismus-Experte bei Interpol, und sein Kollege Matucci sollen dem blutigen Treiben zusammen mit der französischen und der deutschen Polizei ein Ende setzen. Doch dann mehren sich die Hinweise, dass nicht eine Gruppe, sondern eine hochgefährliche, in Hypnose geschulte Einzelperson für die Terrorakte verantwortlich ist, und Anders kommt an seine physischen und psychischen Grenzen.

Auch Franz Schmidt, leitender Revisor einer Privatbank, die Hauptfigur von zwei düsteren,  in Nazideutschland spielenden Krimis, ist havariert: Er verlor 1935 ein Auge, als er einem von Braunhemden angegriffenen Juden zu Hilfe eilte. Sein Leben als Familienvater und Bankdirektor wird kompliziert und gefährlich, als seine Bank 1938 einen neuen Kunden gewinnt: die NSDAP. Und erst recht ein Jahr später, als ihm die Leitung der Deutschen Reichsbank in Berlin anvertraut wird. Doch Schmidt wächst an der anspruchsvollen Aufgabe.

Bibliografie:

Standalones: ‚City of Masks‘ – ‚Gnadenlose Jagd in Hongkong‘ (1981), ‚Dragon Strike‘ (1981), ‚Dark Harbor‘ (1984), ‚Rendezvous at Kamakura Inn‘ (2005);

Inspector Anders-Serie: ‚The Wooden Leg of Inspector Anders‘ – ‚Die Witwe des Richters‘ (1999), ‚Inspector Anders and the Ship of Fools‘ – ‚Job-Killer‘ (2001), ‚Inspector Anders and the Bloot Vendetta‘ (2006), ‚Inspector Anders and the Prague Dossier‘ (2016);

Franz Schmidt-Romane: ‚The Eye of the Abyss‘ (2003), ‚The Iron Heart‘ (2009).