(1938-1997)

E. Richard Johnson kam als jüngstes von fünf Kindern eines einfachen Arbeiters in Printice, Wisconsin, zur Welt. Nachdem er von der High School geflogen war, trat er mit achtzehn freiwillig der US-Army bei und verbrachte den grössten Teil seiner Militärzeit bei einer Geheimdiensteinheit in Deutschland. Anfang der 60er-Jahre, kurz nach seinem Ausscheiden aus der Armee, geriet er auf die schiefe Bahn. Als bei einem bewaffneten Raubüberfall ein Mann ums Leben kam, wurde Johnson wegen Mord zu 57 Jahren Haft verurteilt.

Im Stillwater Staatsgefängnis von Minnesota begann Johnson Mitte der 60er-Jahre mit der Schriftstellerei, um, wie er sagte, als Individuum zu überleben und der Gesellschaft etwas zurückzuerstatten. Seine ersten Werke, vornehmlich Kurzgeschichten, Rätsel und Artikel, wurden durch einen Gefängnisbrand zerstört. 1968 konnte er seinen ersten Roman ‚Der Tod auf Silver Street‘ (Teil 1 der Tony Lonto-Serie) veröffentlichen – und gewann dafür den „Edgar“ für den besten Thriller des Jahres.

In den 70er-Jahren wurde Johnson drogen-, tabletten- und alkoholabhängig, kämpfte jedoch immer wieder hart gegen seine Sucht an und heiratete sogar. Nach seiner Freilassung im Jahr 1991 (seine Ehe war 1990 nach elf Jahren zerbrochen) ging er nach Ortoville, Minnesota, wo er einen Bonsai-Handel aufzog. Am 18. Dezember 1997 wurde er tot in seiner Wohnung aufgefunden.

Mit Tony Lonto, einem hartgesottenen, anständig gebliebenen Cop aus einer namenlosen amerikanischen Stadt, kreierte Johnson eine vielschichtige Figur, die Ende der 60er-Jahre zu zwei eindrucksvollen Auftritten kam (und knapp zwanzig Jahre später für drei weitere, nicht ins Deutsche übersetzte Bücher reaktiviert wurde). Es folgten der autobiografisch gefärbte Gefängnisroman ‚Es kocht im Käfig 5‘, der Drogenthriller ‚Weisses Gift im Blut‘ sowie die Noir-Romane ‚Gefügig mit Gewalt‘ und ‚Der dreizehnte Kontrakt‘.

‚Gefügig mit Gewalt‘ dreht sich um den jungen, idealistischen, wenn auch etwas naiven Bewährungshelfer Chuck Rawls, der verbissen darum kämpft, die Unschuld seines Schützlings, des früheren Sexualtäters Frankie Trumper, zu beweisen, als die Sozialarbeiterin Mary Blair vergewaltigt und ermordet in der Gosse aufgefunden wird. Chucks Gegenspieler ist Mose Hamilton, nach neunzehn zermürbenden Dienstjahren ein hasserfüllter, gewalttätiger Bulle, für den ausser Frage steht, dass Frankie Trumper auf den elektrischen Stuhl gehört.

Johnsons düsterster Roman ist ‚Der dreizehnte Kontrakt‘, der 1971 unter demselben Titel in die Kinos kam. Der sadistische Kontraktmörder Mongo Nash, der bereits zwölfmal für Geld getötet hat, kehrt nach sechs Jahren in seine (unbenannte) Heimatstadt zurück: Sein Bruder Mike, ein Gangsterboss, hat ihm den Auftrag erteilt, einem örtlichen Rivalen das Licht auszublasen – doch mit Mike hat der Killer noch eine Rechnung offen. Mongos gefährlichster Gegner ist der FBI-Agent Pete Tolstad, der sich ganz dem Kampf gegen Bandenkriminalität verschrieben hat. Die Geschichte um Betrug, Hass und Gier spielt sich in der Weihnachtszeit ab.

Bibliografie:

Tony Lonto-Serie: ‚Silver Street‘ (auch unter dem Titel ‚The Silver Street Killer) – ‚Der Tod auf Silver Street‘ (1968), ‚The Inside Man‘ – ‚Verrat auf Silver Street‘ (1969), ‚Blind Man’s Bluff‘ (1987), ‚The Hands of Eddy Loyd‘ (1988), ‚Dead Flowers‘ (1990);

‚Mongo’s Back in Town‘ – ‚Der dreizehnte Kontrakt‘ (1969), ‚Cage Five Is Going to Break‘ – ‚Es kocht im Käfig 5‘ (1970), ‚The God Keepers‘ – ‚Weisses Gift im Blut‘ (1970), ‚The Judas‘ – ‚Die Firma dankt mit Kugeln‘ (1971), ‚Case Load: Maximum‘ – ‚Gefügig mit Gewalt‘ (1971), ‚The Cardinalli Contract‘ – ‚Geheimauftrag für einen Killer‘ (1975).