(1940-2015; schrieb auch als Jeffrey Ames, Crosland Brown, Sarah Gregory und William Gray)

A(lbert) W(illiam) Gray, genannt Bill, wurde als Sohn eines Feuersteinhändlers und einer Hausfrau in Fort Worth, Texas, geboren und wuchs in der Nachbarstadt Dallas auf, wo er auch zur Schule ging und von 1957 bis 1962 Finanzwissenschaft an der Southern Methodist University studierte. Anschliessend arbeitete er beim US Forest Service in New Orleans und bei der General Services Administration in Dallas, seinen Lebensunterhalt finanzierte er allerdings vorwiegend mit Pokern. Darüber hinaus begleitete er den mit ihm befreundeten späteren Golf-Superstar Lee Trevino an Turnieren in Nord- und Lateinamerika.

Es folgte eine Zeit als Agent für drei Versicherungs-Gesellschaften, bis er sich 1970 in dieser Branche selbständig machte. Nach der Heirat mit der Reiseberaterin Martha Crosland im Jahr 1976 liess er sich in einem Vorort von Forth Worth nieder. Die Geburt der vier Kinder hinderte ihn nicht daran, seinen lustvoll verschwenderischen Lebensstil fortzusetzen und immer wieder die Spielkasinos von Las Vegas aufzusuchen.

Zu Beginn der 80er-Jahre entwickelte Gray ein sehr lukratives Postbetrugssystem, doch das FBI kam ihm schon bald auf die Schliche, er landete im Knast. Angestachelt durch Elmore Leonards Kriminalromane, mit deren Lektüre er sich die Zeit vertrieb, begann Gray während seines vierjährigen Aufenthalts im texanischen Big Springs Gefängnis zu schreiben – seine beiden ersten Bücher (‚Bino‘ und ‚Size‘) wurden kurz vor seiner Entlassung veröffentlicht, und als 1989 auf freien Fuss kam, war er bereits ein gefragter Autor.

Bino (Abkürzung von Albino) Phillips, ein weisshaariger Anwalt aus Dallas, ist Grays einzige Serienfigur: Ein hart gesottener, gerissener, muskelbepackter Zweimetermann mittleren Alters mit einer Vorliebe für schöne Frauen, schicke Klamotten, liberal gesinnte Politiker und zwielichtige Kundschaft, der sein Studium am South Texas College of Law (dem „Harvard des Ghettos“) absolviert hat und jeden Winkel, jede Facette seiner Stadt kennt. Seine Arbeitsräume teilt er sich mit dem Buchmacher Horace Harrison genannt Half-a-Point, einem Freund aus Highschool-Zeiten, der gelegentlich für ihn Ermittlungen durchführt, und der Sekretärin Dodie, einer smarten jungen Frau mit Drogenvergangenheit, seine kleine Wohnung mit dem Oscar-Fisch Cecil.

‚Bino‘, der erste Band des Vierteilers, dreht sich um die Ermordung des unbestechlichen demokratischen – mit Bino befreundeten – Politikers Richard Bigelow durch die psychopathischen Auftragskiller Buster, John-Boy und Sonny. Die verführerische FBI-Agentin Karen Allen, der Republikaner Art Stammer, der zwielichtige Anwalt Winnie Anspatcher III und der charismatische Mafioso Dante Tirelli (derzeitiger Ehemann von Binos Ex-Frau Annabelle) ziehen die Fäden, doch Bino behält die Übersicht.

Im Folgeband ‚Das Recht des Richters‘ hat Bino für einmal einen renommierten Klienten: Den integren verwitweten Bundesrichter Emmett Burns, den seine republikanischen Gegner aus dem Verkehr ziehen wollen, indem sie ihn der Annahme von Bestechungsgeldern beschuldigen. Burns‘ Achillesferse ist seine schöne Tochter Ann, für sie würde er durchs Feuer gehen, durch ihre Spielsucht geriet sie aber unlängst in die Fänge der Organisierten Kriminalität. Ein äusserst delikates Mandat für den trickreichen Anwalt, der über sich hinauswächst und das Komplott in letzter Sekunde vereitelt.

Er ist 1.94 gross, wiegt 117 kg und trägt einen roten Vollbart. Er diente drei Jahre bei der Marine, sass wegen tätlichen Angriffs auf einen Polizisten im Gefängnis und bestreitet seinen Lebensunterhalt als Berufspokerspieler: Sizemore Fred Brandon, genannt Size, Hauptperson des Einzelwerks ‚Texanisches Roulette‘. Schon in der Schulzeit half der gutmütige Hüne seinem schmächtigen Freund Pecos Jimmy Fontenot aus jeder Klemme, später ging er für ihn in den Knast, erledigte nasse Aufträge für ihn. Inzwischen hat sich Pecos Jimmy in der Gangsterhierarchie von Dallas weit nach oben gearbeitet. Als Size vor einer Anklagejury der Bundesbehörden gegen Pecos Jimmy aussagen soll – was er nie und nimmer täte! – verliert dieser die Nerven, versucht seinen Beschützer zum Schweigen zu bringen, doch die Autobombe erwischt Sizes besten Freund, und Size schägt hart zurück – es kommt zu einem blutigen Showdown in Las Vegas.

Sorgfältige Handlungsführung, hinterhältiger Witz, meisterhafte Dialoge und präzise Zeichnung der vorzugsweise am Rande der Legalität sich bewegenden Haupt- und Nebenfiguren – Gray muss sich selbst vor den besten Werken seiner Idole Elmore Leonard und George V. Higgins nicht verstecken.

Bill Gray starb 75-jährig in seinem Haus in der Nähe von Dallas, wo er die meiste Zeit seines Lebens verbracht hatte. Er hinterliess seine Frau Martha, vier Kinder, zahlreiche Enkel – und sechzehn erstklassige Spannungsromane.

Bibliografie:

Bino Phillips-Serie: ‚Bino‘ – ‚Bino‘ (1988), ‚In Defense of Judges‘ – ‚Das Recht des Richters‘ (1990), ‚Killings‘ (1993), ‚Bino’s Blues‘ (1995);

Einzelwerke: ‚Size‘ – ‚Texanisches Roulette‘ (1989), ‚The Man Offside‘ (1991), ‚Prime Suspect‘ (1992), ‚Poisoned Dreams‘ (1993).

Als Crosland Brown: ‚Tombley’s Walk‘ (1991).

Als William Gray: ‚Shares‘ (1996).

Als Sarah Gregory: ‚In Self-Defense‘ (1995), ‚Public Trust‘ (1997), ‚The Best Defense‘ (1998), ‚Capitol Sandal‘ (1999).

Als Jeffrey Ames: ‚Venom‘ (2002), ‚Lethal City‘ (2003).