(1923-2000; schrieb auch als Michael Brett und John Michael Brett)

Miles Barton Tripp kam in der ländlichen Ortschaft Ganwick Corner in der südenglischen Grafschaft Hertfordshire zur Welt. Im Zweiten Weltkrieg diente er als Bomber bei der Royal Air Force. Nach Abschluss des Jurastudiums war er von 1950 bis 1952 als Anwalt in Stamford, Lincolnshire, tätig, anschliessend lange Jahre in der Rechtsabteilung des britischen Wohltätigkeitsausschusses. In seiner Freizeit verfasste er Kriminalromane und -geschichten, Theaterstücke sowie die Kriegserinnerungen ‚The Eighth Passage‘. Ab 1983 betrieb er das Schreiben im Hauptberuf. Er verbrachte die meiste Zeit seines Lebens in Hertfordshire.

Tripp veröffentlichte zwischen 1963 und 1994 knapp vierzig Krimis, darunter die 14-bändige Serie um John Samson, den bestbezahlten Privatdetektiv von London, die auf Deutsch nicht vorliegende, unter den Pseudonymen Michael Brett und John Michael Brett erschienene Trilogie um Hugo Baron, der als Killer für die britische Organisation „Diecast“ ins Feld zieht, sowie das Einzelwerk ‚Duell zu dritt‘, sein bekanntestes Buch. (Nicht verwechseln sollte man Tripp/Brett mit dem amerikanischen Krimiautor Michael Brett, dem Erfinder des Privatdetektivs Pete McGrath – ein Fehler, der den Autoren des Standardwerks ‚Private Eyes: 101 Knights‘ unterlaufen ist.)

‚Duell zu dritt‘, ein psychologisch ausgefeiltes Kammerspiel mit scharf skizziertem Personal, erzählt von vier in Kairo lebenden Menschen – dem englischen Weltenbummler, Spieler und Säufer Foster Smith, dem charismatischen, geschäftstüchtigen armenisch-libanesischen Intriganten Haik und dem kinderlosen französischen Ehepaar Philippe und Hélène Cormandot, das sich etwas auseinander gelebt hat. Die gegensätzlichen Freunde verbringen ihre Wochenenden oft gemeinsam an einer kleinen, einsamen Bucht am Roten Meer, um ein wenig auszuspannen und ein paar Fische zu fangen – doch im Grunde haben sie sich nicht mehr viel zu sagen. Als Foster Smith eines Morgens am Strand über die angespülte Leiche einer gewaltsam ums Leben gekommenen Frau stolpert (Foster und Haik sind sich völlig sicher, dass es sich beim Opfer um die kurz zuvor verschwundene Hélène handelt!), geraten sich die drei Männer in die Haare – Eifersucht, gegenseitiger Mordverdacht und Hass vergiften das Klima. Es kommt zur Katastrophe, an der auch die quicklebendig wieder aufgetauchte Hélène teilhat.

John Samson, ein fetter, schlecht gekleideter, stets drei Uhren tragender Mann mit schläfrigem Blick, winzigen Zähnen und ungehobelten Manieren, ist ein ungemein fähiger, ausgezeichnet vernetzter Detektiv, der stets etwas im Hintergrund verharrt und lustvoll seine Fäden spinnt. Im Zentrum der Romane steht jeweils eine direkt von einer Intrige oder einem Verbrechen betroffene Figur. Im vierten Band ‚Todesküsse aus Warschau‘ – einer verführerischen Mischung aus Spionagegeschichte und Beziehungsdrama – ist es der medizinische Journalist John Freeman aus London, ein etwas weltfremder Mann, dessen Ehe am zerbröckeln ist. Während eines Kongresses in Warschau lernt er die schöne, mit einem dissidenten, im amerikanischen Exil lebenden Juraprofessor verheiratete Ärztin Anna Wilczek kennen und hat Sex mit ihr. Als Anna kurz danach ins Visier der polnischen Behörden gerät, bittet sie Freeman, ihr zur Flucht in den Westen zu verhelfen. Eher widerwillig lässt sich Freeman schliesslich auf die turbulente und gefährliche Reise ein – und wird dafür mit einem verdienten Happy End belohnt.

Bibliografie:

‚Faith Is a Windsock‘ (1952), ‚The Image of Man‘ (1955), ‚A Glass of Red Wine‘ (1960), ‚Kilo Forty‘ (auch unter dem Titel ‚Death Is Catching‘) – ‚Duell zu dritt‘ (1963), ‚The Skin Dealer‘ (1964), ‚A Quarter of Three‘ (1965), ‚The Chicken‘ (1966), ‚Fifth Point of the Compass‘ (1967), ‚One Is One‘ – ‚Der Schatten des dritten Mannes‘ (1968), ‚Malice and the Maternal Intinct‘ (1969), ‚Man Without Friends‘ – ‚Mord stand nicht im Horoskop‘ (1970), ‚Five Minutes with a Stranger‘ – ‚Fünf Minuten mit einem Fremden‘ (1971), ‚Claws of God‘ (1972), ‚Woman at Risk‘ – ‚Tote Ladies küssen nicht‘ (1974), ‚Going Solo‘ – ‚Alleingang durch die Hölle‘ (1981), ‚A Charmed Death‘ (1984), ‚The Dimensions of Deceit‘ (1993), ‚A Woman of Conscience‘ (1994), ‚Extreme Provocation‘ (1995), ‚The Suitcase Killings‘ (1997);

John Samson-Serie: ‚Obsession‘ (1973), ‚Woman in Bed‘ (1978), ‚The Once a Year Man‘ – ‚Jeder Schuss ein Agent‘ (1978), ‚The Wife Smuggler‘ – ‚Todesküsse aus Warschau‘ (auch unter dem Titel ‚Das letzte As‘, 1978), ‚Cruel Victim‘ (1979), ‚High Heels‘ – ‚Requiem in Marseille‘ (1980), ‚One Lover Too Many‘ (1983), ‚Some Predators Are Male‘ (1985), ‚Death of Man Tamer‘ (1987), ‚The Frightened Wife‘ (1987), ‚The Cords of Vanity‘ (1990), ‚Video Vengeance‘ (1990), ‚Samson and the Greek Delilah‘ (1995), ‚Deadley Ordeal‘ (1999).

Als Michael Brett bzw. John Michael Brett: Hugo Baron-Trilogie: ‚Diecast‘ (1963), ‚A Plague of Dragons‘ (1965), ‚A Cargo of Spent Evil‘ (1966).