(Pseudonym für John D. Voelker, 1903-1991)

John D. Voelker, Nachkomme einer deutschen Einwandererfamilie, wurde als jüngster von sechs Söhnen einer Lehrerin und eines Barbesitzers in Ishpeming, Michigan, geboren, wo er die meiste Zeit seines Lebens verbrachte. Nach seinem Jurastudium, das er 1928 an der University of Michigan Law School abschloss, praktizierte er kurze Zeit in Chicago und Ishpeming, bis er 1934 zum Oberstaatsanwalt von Marquette County, Michigan, gewählt wurde. Er übte dieses Amt vierzehn Jahre aus, und zwar höchst erfolgreich, verlor er doch in den letzten zehn Jahren seiner Karriere nur einen einzigen Fall. 1957 ernannte man ihn zum Oberrichter am Michigan Supreme Court, zwei Jahre später gab er die Jurisprudenz zugunsten des Schreibens (in den Wintermonaten) und des Fischens (in den wärmeren Jahreszeiten) auf.

Unter dem Pseudonym Robert Traver verfasste er Essays, Kurzgeschichten, drei Bücher über das Fischen und fünf Romane, unter ihnen das umfangreiche, auf einem authentischen Kriminalfall basierende Gerichtsdrama ‚Anatomie eines Mordes‘ aus dem Jahr 1958, sein weitaus bekanntestes (von Otto Preminger mit James Stewart in der Hauptrolle verfilmtes) Werk, sowie der historische Justizroman ‚Siberfisch‘, auch er eine lohnende Lektüre.

In ‚Anatomie eines Mordes‘ übernehmen Paul „Polly“ Biegler und Parnell McCarthy, zwei eng miteinander befreundete, in einer ländlichen Gegend Michigans ansässige Provinzanwälte, die schon bessere Zeiten erlebt haben, die Verteidigung des unberechenbaren Hitzkopfs Oberleutnant Frederic Manion – Kriegsheld im Zweiten Weltkrieg und in Korea -, der die angebliche Vergewaltigung seiner Frau Laura auf drastische Weise gerächt hat: Mit der Ermordung des Täters, des Hoteliers Barney Quill. Ein ungemein schwieriger, ja fast aussichtsloser Fall, es droht die Todesstrafe, sofern das Gericht den Angeklagten nicht für unzurechnungsfähig erklärt. Doch Biegler legt sich mächtig ins Zeug, zieht alle Register seiner juristischen und rhetorischen Fähigkeiten, steuert bereits auf einen hauchdünnen Sieg zu, als die Staatsanwaltschaft in letzter Minute einen neuen Zeugen ins Feld führt, der Manions Schicksal endgültig zu besiegeln scheint. Geschickte Handlungsführung, realistisch wirkende Gerichtsszenen und plastische Zeichnung der Charaktere machen ‚Anatomie eines Mordes‘ zu einem Meilenstein der amerikanischen Justizkrimi-Literatur.

‚Silberfisch‘ spielt ebenfalls in Michigan, aber viel früher, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, kurz nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg, und auch dieser Krimi gründet auf historisch verbürgten Geschehnissen. Die Chippewa-Indianerin Charlotte alias Laughing Whitefish, eine schöne, idealistische Lehrerin an einer Missionsschule für Indianer in Marquette, beauftragt den jungen Anwalt William Poe, einen Neuzuzüger mit eigener Kanzlei, ihrem gebeutelten Volk zu seinem Recht zu verhelfen. Ihr in Armut gestorbener Vater Marji führte vor langer Zeit weisse Prospektoren zu einer ergiebigen Eisenerzmine und wurde dann um seinen Anteil geprellt. Poe soll das Geld jetzt für die eben volljährig gewordene Charlotte, Marjis einzigen überlebenden Nachkommen, vor Gericht erstreiten – die reiche und mächtige Jackson Ore Company ist seine Gegnerin, vertreten durch Henry Harwood, den prominentesten Juristen des Berzirks, und vor allem durch den trickreichen Guy Nesbitt aus New York City. Im Verlauf der detailreich beschriebenen, viel Licht auf das Brauchtum und die desolate Situation der amerikanischen Ureinwohner werfenden Gerichtsverhandlung entwickelt sich eine tiefe Liebesbeziehung zwischen Poe und seiner Klientin.

1989 gründete der Autor die John D. Voelker Fondation, die sich für die Rechte und Ausbildung der in Michigan ansässigen Indianer engagiert. Während einer Autofahrt in der Nähe seines Hauses in Ishpeming erlag er 87-jährig einem Herzanfall. Er hinterliess seine Frau Grace, mit der er über fünfzig Jahre verheiratet war, und seine drei Töchter.

Bibliografie:

‚Anatomy of a Murder‘ – ‚Anatomie eines Mordes‘ (1958), ‚Hornstein’s Boy‘ – ‚Hornsteins Boy‘ (1962), ‚Laughing Whitefish‘ – ‚Silberfisch‘ (1965), ‚People Versus Kirk‘ (1982).