(*1946)

Der Lebenskünstler und Weltenbummler Walter Satterthwait kam in Philadelphia, Pennsylvania, zur Welt. Er hielt sich in New York City, Portland (Oregon), Kenia, Thailand, Griechenland, später auch in Holland, England und Frankreich auf und arbeitete unter anderem als Lexikonvertreter, Barkeeper, Restaurant-Manager und Korrektor. 1979 veröffentlichte er seinen ersten Roman ‚Cocaine Blues‘, dem mehrere in Afrika spielende Kriminalstories folgten. Mit der 1987 gestarteten Joshua Croft & Rita Mondragon-Serie wurde Satterthwait zumindest in Europa einem grösseren Publikum bekannt. Nach längerem Aufenthalt in Santa Fé, New Mexico, lebt er heute in Florida.

Joshua Croft und Rita Mondragon betreiben in der multikulturellen Kleinstadt Santa Fé zusammen eine Detektei und sind auch privat ein Paar. Rita ist eine charismatische, blitzgescheite Spezialistin für Online-Datenbeschaffung und eine erstklassige Schützin. Nach einer Schiesserei, bei der ihr Mann, ein Cop, ums Leben kam, war sie lange Zeit an den Rollstuhl gefesselt. Die Laufarbeit erledigt Joshua, ein harter, schlagfertiger, aber auch empfindsamer Mann, der nie um einen ironischen Spruch verlegen ist. Die fünf fein konstruierten Krimis sind gespickt mit knappen, ungemein plastischen Natur-, Milieu- und Personenschilderungen, kleinen Beobachtungen und literarischen Anspielungen.

In ‚Die Blume in der Wüste‘, dem dritten Band der Reihe, behandelt Satterthwait auf eindringliche Weise Amerikas schmutzige Rolle im blutigen Bürgerkrieg in El Salvador.

‚Der Gehängte‘, eine Art „Locked Room Mystery“, dreht sich um einen Zirkel von New-Age-Anhängern, die sich gegenseitig aufs Kreuz legen. Als binnen Wochenfrist zwei von ihnen unsanft ins Jenseits befördert werden, sind Joshuas und Ritas Dienste gefragt.

‚Ans Dunkel gewöhnt‘ – der Autor blickt hier immer wieder auf die Vergangenheit der beiden Protagonisten zurück – bildet den würdigen Abschluss der fünfteiliegen Serie. Der Gangster Martinez, der vor sechs Jahren Rita schwer verletzt und in den Rollstuhl befördert hat, bricht aus dem Staatsgefängnis von Santa Fé aus und begibt sich mit einem Kumpel auf Rachetour – Rita steht zuoberst auf seiner Liste. Als sie durch einen Kopfschuss lebensgefährlich verletzt wird, macht Joshua Jagd auf seinen Erzfeind, der Showdown spielt sich in den Sümpfen Floridas ab.

In Satterthwaits kurz nach dem Ersten Weltkrieg spielender Trilogie um das britisch-amerikanische Pinkerton-Detektivpaar Phil Beaumont und Jane Turner kommen auch authentische Personen wie Ernest Hemingway, Gertrude Stein, Arthur Conan Doyle und Harry Houdini zu eindrucksvollen Auftritten. Die aus den Perspektiven der beiden Hauptfiguren erzählten Romane spielen in England, Paris bzw. Deutschland.

‚Miss Lizzie‘, angesiedelt im Boston der frühen 20er-Jahre, handelt von einer betagten Dame namens Lizzie Borden, einer realen Figur, die Ende des 19. Jahrhunderts ihre Eltern mit einem Beil zerstückelt haben soll („Lizzie Borden took an axe, And gave her mother forty whacks, When she saw what she had done, She gave her father forty-one“), vor Gericht jedoch freigesprochen wurde. Jetzt trifft sie auf die 13-jährige Amanda, deren Stiefmutter mit einer Axt ermordet wurde – der Beginn einer grossen, aussergewöhnlichen Freundschaft, die auch dem zehn Jahre später spielenden (auf Deutsch 2006, im Original erst 2016  in stark überarbeiteter Form veröffentlichten) Roman ‚Miss Lizzie kehrt zurück‘ den Stempel aufdrückt.

Die funkensprühende Humoreske ‚Oscar Wilde im Wilden Westen‘ ist im Jahr 1882 angesiedelt. Oscar Wilde, begleitet von seinem Manager Jack Vail und einem Tross von schillernden, teilweise recht zwielichtigen Figuren, befindet sich auf einer Vortragsreise im gesetzlosen Wilden Westen zwischen Chicago und San Francisco. Dort trifft er auf den legendären Doc Holliday, der ihm zweimal das Leben rettet, während ein bestialischer Prostituiertenkiller, der sich in seinen eigenen Reihen befinden muss, sein Unwesen treibt.

Im unappetitlichen  Serienkillerthriller ‚Scherenschnitte‘, 2001 fertig gestellt, 2003 in deutscher Sprache, 2006 im Original erschienen, geht es fettleibigen Frauen an den Kragen. ‚Dead Horse‘ aus dem Jahr 2006 befasst sich mit dem bis heute nicht schlüssig geklärten, offiziell als Suizid deklarierten Tod von Emily Thayer, der Ehefrau des in den 20er-Jahren bekannten Pulp-Autors Raoul Whitfield, die im Mai 1935, drei Monate nach der Trennung von ihrem Mann, auf ihrer Ranch in New Mexico erschossen aufgefunden worden ist.

Bibliografie:

Joshua Croft & Rita Mondragon-Serie: ‚Wall of Glass‘ – ‚Wand aus Glas‘ (1987), ‚At Ease with the Dead‘ – ‚Mit den Toten in Frieden‘ (1990), ‚A Flower in the Desert‘ – ‚Eine Blume in der Wüste‘ (1992), ‚The Hanged Man‘ – ‚Der Gehängte‘ (1993), ‚Accustomed to the Dark‘ – ‚Ans Dunkel gewöhnt‘ (1996);

Phil Beaumont & Jane Turner-Serie: ‚Escapade‘ – ‚Eskapaden‘ (1995), ‚Masquerade‘ – Maskeraden‘ (1998), ‚Cavalcade‘ – ‚Scharaden‘ (2005);

Einzelwerke: ‚Cocaine Blues‘ (1980), ‚The Aegean Affair‘ (1982), ‚Miss Lizzie‘ – ‚Miss Lizzie‘ (1989), ‚Wilde West‘ – ‚Oscar Wilde im Wilden Westen‘ (1991), ‚Perfection‘ – ‚Scherenschnitte‘ (2001), ‚New York Nocturne‘ – ‚Miss Lizzie kehrt zurück‘ (deutsche Übersetzung 2006, Original erst 2016 erschienen), ‚Dead Horse‘ (2006).