(*1935)

Anthony „Tony“ Kenrick kam als Sohn eines Ingenieurs und einer Gedankenleserin in Sydney zur Welt, wo er auch aufwuchs. Mit achtzehn diente er in der Royal Australian Navy. In den folgenden Jahren kam er als Werbeleiter in der angloamerikanischen Welt herum, bis er sich 1972 aufs Schreiben von Krimis und Drehbüchern verlegte. Er lebte mit seiner Frau Joan May Wells, einer Kunstmalerin, und den beiden Kindern Melanie und Tim der Reihe nach in Weston (Connecticut), Toronto (Ontario) und auf Mallorca. Anfang der 90er-Jahre verlieren sich seine Spuren.

Kenricks Bibliografie umfasst vierzehn vorwiegend in den Vereinigten Staaten angesiedelte Romane, darunter ein paar vergnügliche Gaunergeschichten (Kenrick wurde, vielleicht etwas überschwänglich, als australische Antwort auf Donald Westlake bezeichnet), der mit Sciencefiction-Elementen gewürzte Krimi ‚Mit den Augen der Nacht‘, das Drogendrama ‚China White‘ und der Thriller ‚Blast‘, Kenricks vielleicht grösster Wurf.

Zu Kenricks feinsten Werken gehört die Caper Novel ‚Ein allzu grosser Coup‘, die ausgelassene Geschichte des bis anhin mustergültigen Familienvaters und Angestellten Barney Rivers, der in hoffnungsloser finanzieller Not sein Heil im Bankraub sucht. Unterstützt durch seine Kumpel Tom Loder und George Dourian, die sich in ähnlicher Lage befinden, und die junge Ladendiebin Amanda Atwill plündert er per Post ein Schweizer Nummernkonto. Die Beute beträgt satte 167 Millionen Dollar – der gesamte Staatsschatz einer kleinen Karibikinsel, mit dem sich deren Ex-Diktator Ripoll abgesetzt hat. Dieser setzt jetzt eine kleine, furchterregende Privatarmee ein, um sein Vermögen zurückzugewinnen, doch Barney und seine Freunde unterziehen sich einer militärischen Schnellbleiche – und halten furios dagegen.

Auch ‚Kidnapping auf Wunsch‘ stellt eine unterhaltsame Lektüre dar. Bunny Calder, ein smarter, gut aussehender Hallodri Mitte dreissig, hat eine fast narrensichere Art entdeckt, sein Gehalt ein wenig aufzubessern: Als Angestellter in einem New Yorker Reisebüro weiss er genau über die freistehenden Wohnungen seiner Kunden Bescheid – und vermietet sie in der Zeit ihrer Abwesenheit an andere Leute weiter. Als er auffliegt, gerät sein Leben jäh aus den Fugen: Bunny sieht sich – an der Seite der schönen Ella Brown (seinem letzten Opfer), des schnoddrigen Waisenmädchens Lillian und des FBI – im Kampf gegen Terroristen. Eine hanebüchene, mit schrägem Witz erzählte Geschichte.

‚China White‘ beginnt mit dem Mord an dem Polizisten George Chaska aus Atlanta, sein Partner, Billy Marcus, der die Waffe zu langsam gezogen hat, schwört Rache. Er perfektioniert seine Schiesskünste, infiltriert den Drogenring des Londoner Playboys Charles Bendroit, dessen ruppige Mitarbeiter Roy Hinkler und Alvin Boyle den Cop auf dem Gewissen haben – und der gerade eine schlagkräftige Truppe zusammenstellt, um im „Goldenen Dreieck“ einen äusserst lukrativen Heroindeal abzuwickeln. Während des spannungsgeladenen Trips nach Südostasien verliebt sich Marcus heftig in Bendroits attraktive Anwältin Claire Tanner. Dies sind die wichtigsten – etwas blutarmen – Figuren, die die Handlung der nicht durchwegs plausiblen Geschichte vorantreiben.

In Kenricks prickelndem Krimi ‚Blast‘ (keine deutsche Übersetzung) sorgt eine Reihe von Bombenexplosionen in New York City für Angst und Schrecken. Obwohl der Täter (nom de guerre: Alka Seltzer) jeweils Ort, Datum und Zeit der Anschläge bekannt gibt, gelingt es der Polizei nicht, die Bomben rechtzeitig zu entschärfen. Auf Druck des zwielichtigen, höchst einflussreichen Geschäftsmanns Freidman tritt jetzt Gene Charters auf den Plan, ein ehemaliger (unehrenhaft aus dem Polizeidienst ausgeschiedener) NYPD-Detective und derzeitiger Steuerberater, der sich rehabilitieren möchte. Seine Wege kreuzen sich mit der kühlen Schönheit Janice Stanley, deren Freundin beim ersten Anschlag ums Leben kam.

Bibliografie:

‚The Only Good Body’s a Dead One‘ (1970), ‚A Tough One to Lose‘ (1972), ‚Two for the Price of One‘ (1974), ‚Stealing Lillian‘ (auch unter dem Titel ‚The Kidnap Kid‘) – ‚Kidnapping auf Wunsch‘ (1975), ‚The Seven Day Soldiers‘ – ‚Ein allzu grosser Coup‘ (1976), ‚The Chicago Girl‘ (1976), ‚Two Lucky People‘ (1978), ‚The Nighttime Guy‘ – ‚Mit den Augen der Nacht‘ (auch unter dem Titel ‚Ein Blinder sieht zuviel‘, 1979), ‚The 81st Site‘ (1980), ‚Blast‘ (1983), ‚Faraday’s Flowers‘ (auch unter dem Titel ‚Shanghai Surprise‘) – ‚Shanghai Surprise‘ (1985), ‚China White‘ – ‚China White‘ (1986), ‚Neon Tough‘ (1988), ‚Glitterbug‘ (1991).