(Pseudonym für Howard Fast, 1914-2003; schrieb auch als Behn Boruch, Walter Ericson und Simon Kent)

Howard Fast kam als mittlerer von drei Söhnen des jüdisch-ukrainischen Fabrikarbeiters Barney Fastovsky, dessen Name bei der Ankunft in die USA zu Fast gekürzt wurde, und der Britin Ida Miller in New York City zur Welt. Die Mutter starb, als er knapp neun war, und der Vater wurde kurz danach arbeitslos. Obschon Howard deshalb bereits als Teenager Geld verdienen musste, schloss er 1931 die George Washington High School ab. Im selben Jahr verkaufte der passionierte Leser (Mark Twain, Karl Marx, Jack London, Nathanial Hawthorne und Bernard Shaw hatten es ihm besonders angetan) seine erste Story an die Zeitschrift ‚Amazing Stories‘. Zwei Jahre später kam sein erster Roman ‚Two Valleys‘ heraus, der Durchbruch als Autor folgte 1939 mit seinem vierten Buch ‚Conceived In Liberty‘.

Während des Zweiten Weltkriegs verfasste Howard Fast Propagandaschriften für den staatlichen Radiosender ‚Voice of America‘. Ende 1943 trat er der Kommunistischen Partei der USA bei. Zwei Jahre später musste er für drei Monate ins Gefängnis, weil er vor dem Untersuchungsausschuss der ‚House Commitee on Un-American Activities‘ die Aussage verweigerte. Anfang der 50er-Jahre kam er auf McCarthys Schwarze Liste, was einem Berufsverbot gleichkam und dazu führte, dass er seinen berühmten Roman ‚Spartacus‘ zunächst selbst verlegen musste. 1954 erhielt er den ‚Internationalen Stalin-Friedenspreis‘. Nach der blutigen Niederschlagung des ungarischen Aufstandes durch die Sowjetunion trat er ernüchtert aus der Partei aus und wandte sich daraufhin der Zen-Philosophie zu.

Im Jahr 1937 vermählte sich Fast mit der Künstlerin Bette Cohen und hatte mit ihr zwei Kinder, Jonathan und Rachel. Die Familie liess sich Mitte der 50er-Jahre in Teaneck, New Jersey, nieder. 1974 übersiedelte sie nach Los Angeles, 1980 kehrte sie an die Ostküste zurück, um Anfang der 90er-Jahre Wohnsitz in Connecticut zu beziehen. 1999, fünf Jahre nach Bettes Tod, heiratete Howard Fast Mercedes O’Connor. Er starb 88-jährig in Old Greenwich, Connecticut.

Aufgrund von Werken wie ‚Die letzte Grenze‘, ‚Bürger Tom Paine‘, ‚Strasse zur Freiheit‘, ‚Spartacus‘, ‚Die Affäre Winston‘ und ‚Der Unbeirrbare‘ wird Howard Fast unter die einflussreichsten amerikanischen Romanciers des 20. Jahrhunderts eingereiht. Neben gut vierzig Romanen und mehreren Hörspielen, Drehbüchern, Fernsehstücken, Gedichten, Biografien, Memoiren (‚Being Red‘ aus dem Jahr 1990) und Sachbüchern für Kinder, veröffentlichte er unter dem Pseudonym E.V. Cunningham von 1960 bis 1984 neunzehn weitgehend unbekannt gebliebene Kriminalromane: Eine elfteilige Reihe, die jeweils mit einem weiblichen Vornamen betitelt ist, den Siebenteiler um Detective Sergeant Masao Masuto, dem Leiter der Mordkommission von Beverly Hills (die so genannte „The Case of…“-Serie) und das Einzelwerk ‚Der Mann, der nicht mehr töten wollte‘, die Geschichte eines Berufskillers, der sich zum ersten Mal in eine Frau verliebt und dafür mit seinem Leben bezahlt.

Masao Masuto, schlank und hoch gewachsen, ein in den Vereinigten Staaten geborener Sohn von Japanern (ein so genannter Nisei also), lebt mit seiner ebenfalls japanisch-stämmigen Frau Kati und den zwei Kindern, Ana und Uraga, glücklich in einem kleinen Bungalow in Culver City, Los Angeles County. Er ist Zen-Buddhist, Karatemeister und Besitzer eines prächtigen Rosengartens, der ihm viel Vergnügen bereitet, und weiss genau, dass man als Polizist in Beverly Hills über Taktgefühl, Selbstkontrolle, Urteilsvermögen und gute Manieren verfügen muss. Mit subtiler Ironie und viel Humor schildert der Autor Masutos auf Intuition und Scharfsinn basierende Ermittlungsarbeit, die den Detektiv natürlich immer wieder mit der Filmwelt und deren missgünstigen, selbstsüchtigen Protagonisten, aber auch mit Terroristen und alten Nazis konfrontiert, und würzt die Geschichten mit herrlichen Wortgefechten zwischen Masuto und seinem grantigen Vorgesetzten Captain Wainwright. In weiteren Nebenrollen: Der sympathische jüdische Detective Sy Beckman, der junge Officer Frank Seaton und der Gerichtsmediziner Sam Baxter.

Von den mit weiblichen Vornamen betitelten Romanen – sie kreisen um aussergewöhnliche Frauen ganz unterschiedlicher Herkunft – erhielt ‚Sylvia‘ den grössten Zuspruch. Der kalifornische Multimillionär Frederick Summers beauftragt den Privatdetektiv Alan Macklin, die Vergangenheit seiner Verlobten auszuleuchten. Die bildschöne Frau nennt sich Sylvia West, ist Ende zwanzig und begütert, züchtet Rosen, hat einen Lyrikband herausgegeben, spricht fliessend Französisch, Spanisch und Chinesisch – und ihre Biografie ist offensichtlich getürkt. Macklin, ein gebildeter, seinen Beruf verabscheuender Aussenseiter, begibt sich auf Spurensuche und findet heraus, dass Sylvia unter grauenvollen Bedingungen aufwuchs und schon früh auf die schiefe Bahn geriet. Und verliebt sich rettungslos in sie, noch bevor sie ihm leibhaftig begegnet ist… Eine herzerwärmende, märchenhafte Geschichte.

Bibliografie:

Mit weiblichen Vornahmen betitelte Serie: ‚Sylvia‘ – ‚Sylvia‘ (1960), ‚Phyllis‘ – ‚Bianca‘ (auch unter dem Titel ‚Vierzig Tage Frist‘, 1962), ‚Alice‘ – ‚Alice‘ (1963), ‚Lydia‘ – ‚Lydia‘ (1964), ‚Shirley‘ – ‚Shirley‘ (1964), ‚Penelope‘ – ‚Penelope‘ (1965), ‚Helen‘ (1966), ‚Margie‘ (1966), ‚Sally‘ – ‚Sally‘ (1966), ‚Cynthia‘ – ‚Cynthia‘ (1968), ‚Millie‘ – ‚Milly‘ (1973);

Masao Masuto-Serie: ‚The Case of the Angry Actress‘ (auch unter dem Titel ‚Samantha‘) – ‚Samantha‘ (1967), ‚The Case of the One-Penny-Orange‘ – ‚Die verschwundene Mauritius‘ (1977), ‚The Case of the Russian Diplomat‘ – ‚Ein Diplomat zuviel‘ (1978), ‚The Case of the Poisoned Eclairs‘ – ‚Club der Geschiedenen‘ (1979), ‚The Case of the Sliding Pool‘ – ‚Ein Fall von Erdrutsch‘ (1981), ‚The Case of the Kidnapped Angel‘ – ‚Ein Engel für die Traumfabrik‘ (1982), ‚The Case of the Murdered Mackenzie‘ (1984);

Einzelwerk: ‚The Assassin who Gave up his Gun‘ – ‚Der Mann, der nicht mehr töten wollte‘ (1969).

Als Walter Ericson: ‚Fallen Angel‘ – ‚Die 27. Etage‘ (1952).