(1919-1994; schrieb auch als Donald Carter und David Graham)

Die Biografie des Engländers Wilbur Wright liegt zu grossen Teilen im Dunkeln. Geboren wurde er in South Shields, Durham, als Evan Wright. Er war Pilot und arbeitete in einer Hovercraft-Firma, bevor er Ende der 70er-Jahre zu schreiben begann und bis 1991 acht Romane herausgab – einen, seinen besten (‚Case‘), als Donald Carter, vier als Wilbur Wright und drei als David Graham, darunter der Endzeitthriller ‚Seven Years to Sunset‘, sein bekanntestes Werk. Wright starb 74-jährig in Southampton, auf der Todesurkunde wurden als Vornamen Evan und Wilbur aufgeführt.

Eddie Case, genannt „Hard Case“, ein ungemein erfolgreicher Verkaufsmanager (d.h.: Rationalisierungsexperte, Troubleshooter und Exekutor oder, in Eddies Worten, Freund in der Not), ist ein harter Bursche, ein niederträchtiger Schweinehund, der an Gemeinheit höchstens noch von seinem Chef Herman Weinbaum übertroffen wird. Eine Filiale des auf Isolierglas spezialisierten Konzerns „Galaxy“, deren Umsätze zuletzt etwas ins Stottern gerieten, ist sein Tummelfeld – er provoziert und intrigiert, macht träge oder kleinkriminell gewordene Mitarbeiter zur Schnecke – ohne auch nur eine Sekunde lang seine eigenen Interessen (Sex mit scharfen Weibern und haufenweise Knete!) aus den Augen zu verlieren. Eddies Niedergang beginnt, als er sich zum ersten Mal in seinem Leben ernsthaft in eine Frau verliebt. Die böse und schwarzhumorige, mit scharfen Sprüchen, knackigen Dialogen und herrlich zynischen inneren Monologen getränkte Geschichte hält der modernen Geschäfts- und Finanzwelt, die weder Moral noch Skrupel kennt, den Spiegel vor die Nase.

In ‚Die zwölf Apostel‘ erhält der 28-jährige Harry Morgan – Kopf der Londoner Detektei „Harry Morgan Investigations“, ein verbitterter ehemaliger Falklandkämpfer, der im Krieg ein Bein verloren hat – von der durchtriebenen Schönheit Emma Dancer den seltsamen Auftrag, ihren Ex-Mann John Dancer daran zu hindern, mit ihrer gemeinsamen 18-jährigen Tochter Diana Inzucht zu begehen. Doch offiziell ist John bereits vor Dianas Geburt gestorben, als er nachts auf der Kanalfähre über Bord fiel, und kurz vor diesem Unglück soll er ein Au-pair-Mädchen vergewaltigt und getötet haben. Als Harry Morgan in der Vergangenheit der Familie Dancer zu wühlen beginnt, werden kurz nacheinander drei in den Fall involvierte Personen ermordet: Zuerst Emmas gebrechlicher Gatte Lord Hamilton, dann der Gangster Jack Brannon, der „geschäftliche“ Bezehungen mit Emma pflegte, und schliesslich Morgans Mitarbeiter und bester Freund Fank Foley, der eigentlich John Dancer (!) heisst. Ist Emma Hamilton-Dancer eine kaltblütige Mörderin? Und wo befindet sich das Objekt der Begierde – eine Goldkette von unschätzbarem Wert, an der unglaublich schöne, die zwölf Apostel repräsentierende Edelsteine prangen?

‚Kelly’s Flucht‘ ist die atemlose Erzählung einer Flucht quer durch die Vereinigten Staaten. Kelly Peters, Tochter des mächtigen New Yorker Mafiabosses Don Alfredo, wurde nach ihrem getürkten Unfalltod vom Vater in Los Angeles versteckt, als sie acht war – denn dieser wusste nur zu gut, dass sie eines Tages von seinen Gegnern entführt werden würde, um ihn kaltzustellen. Als Don Alfredo dreizehn Jahre später eines natürlichen Todes stirbt, hinterlässt er seiner Tochter in einem Bankschliessfach in Manhattan ein riesiges Vermögen – und das legendäre „Blaue Buch“, in dem er fein säuberlich alle Verbrechen der Mafia und die Namen der daran beteiligten Männer notiert hat, seine Lebensversicherung. Kurz nach dem Tod des Paten erfährt sein potentieller Nachfolger von Kellys Existenz, ihr Leben ist nun keinen Pifferling mehr wert. In letzter Sekunde, unterstützt durch den englischen Piloten und Falklandveteranen Max Knight, kann Kelly ihren Häschern entkommen. Und jetzt schicken sich die beiden an, das „Blaue Buch“ an sich zu bringen – ein Himmelfahrtskommando. Nach diesem nagelharten Mafiathriller-Auftakt mutiert ‚Kellys Flucht‘ jäh zur turbulenten, mit Slapstick-Szenen gewürzten und durch ein Happy End abgerundeten Abenteuergeschichte, in der die ausgesprochen dämlich sich gebärdenden Sizilianer nur noch marginale Rollen innehaben.

‚Letzte Chance‘, mit einem Ex-Piloten namens Donald Carter (!) als Hauptperson, ist klar dem Genre des Abenteuerromans zuzurechnen. Und von den mit David Graham gezeichneten Büchern gibt es keine deutschsprachigen Versionen.

Bibliografie:

Als Wilbur Wright: ‚Carter’s Castle‘ – Letzte Chance‘ (auch unter dem Titel ‚Carters Königreich‘, 1983), ‚Three Proud Dancers‘ – ‚Die zwölf Apostel‘ (1986), ‚Kelly’s Run‘ – ‚Kellys Flucht‘ (1987), ‚Now, Centurion‘ (1991).

Als David Graham: ‚Down to a Sunless Sea‘ (1979), ‚Sidewall‘ (1983), ‚Seven Years to Sunset‘ (1985).

Als Donald Carter: ‚Hard Case‘ – ‚Case‘ (1982).