(1896-1945; schrieb auch als Ramon Decolta und Temple Field)

Raoul Whitfield, als Sohn eines wohlhabenden, im Staatsdienst stehenden Verwaltungsbeamten in New York City geboren, verbrachte einen grossen Teil seiner Jugendzeit auf den Philippinen mit regelmässigen Abstechern nach Japan und China. 1914 kehrte er in die USA zurück und bestritt seinen Lebensunterhalt kurze Zeit als Stummfilmschauspieler in Hollywood. In der letzten Phase des Ersten Weltkriegs kam er in Frankreich als Jagdflieger zu einigen Einsätzen.

Nach dem Krieg arbeitete Whitfield als Reporter für die ‚Pittsburgh Post‘ und verrichtete Gelegenheitsjobs. 1923 heiratete er die Journalistin Prudence Van Tine. Drei Jahre danach zog das Paar an die Westküste Floridas, und Whitfield wurde hauptberuflicher Autor. 1933 wurde die Ehe geschieden. Wenige Wochen später heiratete Whitfield die New Yorker Intellektuelle Emily Vanderbilt Thayer und liess sich mit ihr auf einer Ranch in New Mexico nieder. Das Paar bereiste die Welt, doch die Ehe hielt nicht lange. Im Sommer 1935 wurde Emily erschossen aufgefunden: ein unklar gebliebener, offiziell als Suizid deklarierter Tod, der von Walter Satterthwait im 2006 publizierten Roman ‚Dead Horse‘ behandelt wird.

Raoul Whitfield, der 1926 seine ersten Stories im Magazin ‚Black Mask‘ veröffentlicht hatte, schrieb – zumeist unter dem Pseudonym Ramon Decolta – in den folgenden acht Jahren  155 Kriminal-, Flieger-, Kriegs-, Agenten- und Abenteuergeschichten für Jugendliche und Erwachsene. Seine bedeutendsten Serienhelden waren der Pilot Gary Greer und der Privatdetektiv Jo Gar aus Manila. Anfang der 30er-Jahre verfasste er überdies eine Handvoll harte, schnelle Kriminalromane, darunter ‚Grünes Eis‘, sein bekanntestes Werk, das auf fünf 1929 und 1930 erschienenen Stories basiert. Auch für seinen zweiten Roman ‚Der letzte Paukenschlag‘ stützte sich Whitfield auf Material aus einigen Kurzgeschichten, in denen der Privatdetektiv Ben Jardinn aus Los Angeles die Hauptrolle innehat.

‚Grünes Eis‘, angesiedelt in New York City, kreist um eine Handvoll Smaragde, hinter denen unzählige Gauner und Gangster her sind. Die Hauptperson ist der eben erst aus Sing-Sing entlassene Ex-Journalist Mal Ourney (er verbrachte dort unschuldig zwei Jahre, weil er seiner Freundin Dot Ellis aus der Bredouille half), dessen Bekannte in der Folge reihenweise um die Ecke gebracht werden, unter ihnen Dot, und auch die Anschläge auf Mals Leben beginnen sich zu häufen. Kann Mal Ourney seine – lange Zeit recht nebulös bleibenden – Ziele trotzdem verwirklichen? Beziehungsweise: Gelingt es ihm wenigstens, seine Haut zu retten?

Als Schriftsteller stand Raoul Whitfield stets im Schatten seines Freundes und Saufkumpans Dashiell Hammett. Nach dem Tod seiner zweiten Frau verstummte der Autor. Zehn Jahre später, an Tuberkulose erkrankt, verarmt und vom Alkohol schwer gezeichnet, starb er 48-jährig in einem Militärkrankenhaus in San Fernando, Los Angeles County.

Bibliografie:

‚Green Ice‘ – ‚Grünes Eis‘ (1930), ‚Death in a Bowl‘ – ‚Der letzte Paukenschlag‘ (1931), ‚The Virgin Kills‘ – ‚Hart auf Kurs‘ (1932).

Als Temple Field: ‚Five‘ (1931), ‚Killer’s Carnival‘ (1932).