(1922-2006)

Allan Prior kam in Newcastle upon Tyne, Northumberland, auf die Welt und verbrachte die meiste Zeit seiner Kindheit und Jugendzeit in Blackpool. Sein Vater, ein Offizier im Ersten Weltkrieg, fand sich im Zivilleben nicht zurecht und verrichtete Vertreterjobs, seine Mutter betrieb einen Fischhandel. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem er bei der RAF gedient und seine ersten Stories geschrieben hatte, arbeitete der nunmehr verheiratete Familienvater als Beamter, Journalist und Werbetexter, ehe er Schriftsteller wurde und von 1951 bis 1986 zehn Kriminalromane herausgab. Darüber hinaus schrieb er rund dreihundert TV-Scripts, siebzig Hörspiele, die Soap Opera ‚Howard’s Way‘, die zwischen 1985 und 1990 rund 14 Millionen Zuschauer anzog, und zehn nicht dem Krimigenre zuzurechnende Bücher, zuletzt, 1994 und 1996, die autobiografisch gefärbten Romane ‚The Old Man and Me‘ und ‚The Old Man an Me Again‘. Er war einer der Begründer der höchst erfolgreichen, von 1962 bis 1978 ausgestrahlten BBC-Polizeiserie ‚Z Cars‘, zu der er über achtzig Scripts beitrug.

Zwei Jahre nach seiner ersten Frau Edith, mit der er sechzig Jahre verheiratet war, starb Allan Prior 84-jährig in St. Albans, Hertfordshire, wo er die zweite Hälfte seines Lebens ansässig gewesen war. Er hinterliess seine zweite Frau Norma, die er ein Jahr vor seinem Tod geheiratet hatte, einen Sohn und zwei Töchter. Eine seiner Töchter ist die bekannte Folk-Sängerin Maddy Prior.

Priors bekanntestes Prosawerk ist ‚Verhör im Zwielicht‘, ein komplexer und realitätsnaher, mit mehr oder weniger glücklichen Liebesgeschichten lose verknüpfter Polizeiroman aus der nordenglischen Provinz, in dem zwei höchst ungleiche Polizisten – Inspektor Sid Savage, der alte Fuchs mit dem legendären sechsten Sinn, ein Spezialist für knallharte Verhöre, der kurz vor der Pensionierung steht, und sein intelligenter, gründliche Arbeit verrichtender Untergebener Sergeant Jack Eaves – den Mord an der vierzehnjährigen Vera Small ermitteln. Der Verdächtige ist schnell zur Hand: Stanley Norris, vorbestraft wegen Notzucht an einem jungen Mädchen. Savage nimmt ihn in die Mangel, es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis der eingeschüchterte Angeklagte gesteht – doch Norris ist der falsche Mann und muss laufen gelassen werden. Als kurz danach die Meldung von einem weiteren Sexualdelikt eintrifft, beginnt es zu brodeln in der engstirnigen, von Vorurteilen geleiteten Bevölkerung.

‚Flieh, wenn du kannst‘ erzählt die Geschichte der drei gegensätzlichen Roma-Brüder Bass, Ruben, Pete und Tam. Ruben, der Älteste, hat ein gut gehendes Geschäft aufgebaut, Pete ist als verheirateter Familienvater sesshaft geworden, hat sich vom Zigeunerleben distanziert – doch Tam tanzt aus der Reihe: Er tötet (vielleicht in Notwehr) einen Bauern und muss ins Zuchthaus. Dem uralten Gesetz der Sippe folgend, setzen Ruben und Pete ihr Existenz aufs Spiel, indem sie ihrem Bruder bei der Flucht aus dem Gefängnis helfen. Doch Tam verirrt sich im gefährlichen Moor, und dann schwirrt ein Polizeihelikopter über ihm.

Bibliografie:

‚A Flame in the Air‘ (1951), ‚The Joy Ride‘ (1952), ‚One Away‘ – ‚Flieh, wenn du kannst‘ (1961), ‚Z Cars Again‘ (1963), ‚The Interrogators‘ – ‚Verhör im Zwielicht‘ (1965), ‚The Operators‘ (1966), ‚The Loving Cup‘ (1968), ‚The Contract‘ (1970), ‚Paradiso‘ (1972), ‚Her Majesty’s Hit Man‘ (1986).