(Pseudonym für Russell Logan, *1942)

Russell James, geboren in Gillingham, Kent, als Sohn eines Berufssoldaten, verbrachte eine unglückliche Kindheit – ständige Orts- und Schulwechsel und Einsamkeit machten ihm zu schaffen. Nachdem sein Vater Selbstmord begangen hatte, schickte man Russell auf eine Kadettenschule. Er weigerte sich jedoch standhaft, eine militärische Laufbahn einzuschlagen, und liess sich ohne feste Jobs in der Welt herumtreiben. Daraufhin war er „Mädchen für Alles“ – Lichtsetzer, Schauspieler, Regisseur – bei einer britischen Theatergruppe. Nach seiner Heirat arbeitete er von 1972 bis 1979 als Manager für IBM, bis er sich selbständig machte, indem er in Cheltenham eine gut gehende Consulting Firma gründete.

Tief beeindruckt von den Noir-Autoren David Goodis und Cornell Woolrich begann Russell James in den 80er-Jahren zu schreiben. Nach dem zeit- und sozialkritischen Rohdiamanten ‚Underground‘ veröffentlichte er 1991 den düsteren Gangsterroman ‚Payback. Floyd Carters Rückkehr‘, der an Ted Lewis‘ Klassiker ‚Jack Carters Heimkehr‘ anknüpft, und drei Jahre später das Meisterwerk ‚Schlachtmusik‘ – sie alle sind in Martin Comparts wertvoller DuMont Noir-Reihe erschienen. Nach deren Einstellung geriet der zu den bedeutendsten und eigenständigsten Nachfolgern der britischen Noir-Giganten John Wainwright (Johnny George Davis-Serie), Ted Lewis und Derek Raymond gehörenden Autoren im deutschsprachigen Raum rasch in Vergessenheit.

In ‚Payback‘ kehrt der Boxer Floyd Carter nach zehnjährigem Deutschland-Aufenthalt in den heruntergekommenen, durch Drogenhändler, verbitterte Bullen und ungezählte Junkies beherrschten Stadtteil Deptford, South London, zurück, nachdem das Gangsterleben seines älteren Bruders Albie gewaltsam beendet worden ist. Er will Albies Tod aufklären, kämpft sich durch die Londoner Unterwelt, muss jedoch gleichzeitig seinen zweiten Bruder im Auge behalten, Ludo, einen gutmütigen Menschen mit harten Muskeln, aber weichem Hirn, und trifft überdies auf die Krankenschwester Suzie, seine grosse Jugendliebe, deren wilde Teenager-Tochter kurz davor steht, in die Kriminalität abzurutschen.

‚Schlachtmusik‘, im Südost-London der frühen 90er-Jahre angesiedelt, kreist um den zwanzigjährigen Tim Hawks, der eine harte Jugendzeit hinter sich hat. Er ist der aufstrebende, überaus loyale Killer im Syndikat des ukrainisch-stämmigen Gangsterbosses Al Kazan und bekommt jetzt, als ein blutiger Bandenkrieg ausbricht – Hawks hat eben erst Kazans mächtigstem Rivalen Clive Darren das Licht ausgeblasen, und dessen Witwe schlägt nun gnadenlos zurück – von Kazan den Auftrag, seiner neuen Braut, der jungen, schönen Lehrerin Irena, ein wenig zur Seite zu stehen – scheinbar ein einfacher Leibwächterjob. Doch Irena verliebt sich in ihren Beschützer, und für Hawks beginnt ein Alptraum, an dem die Gesetzeshüter nur ganz am Rande teilhaben. Die in knappem Stil erzählte Geschichte lebt von schnörkelloser Action und einfühlsam und plastisch skizzierten Figuren, die man nicht so leicht vergisst.

Bis 2018 liess der vielseitige Autor weitere (zum Teil historische) Krimis folgen sowie andere Romane und mehrere Sachbücher, darunter zwei über fiktive britische Detektive bzw. Bösewichte (‚Great British Fictional Detectives‘, 2008, und ‚Great British Fictional Villains‘, 2009).

Bibliografie:

‚Underground‘ – ‚Underground‘ (1989), ‚Daylight‘ (1990), ‚Payback‘ – ‚Payback. Floyd Carters Rückkehr‘ (1991), ‚Slaughter Music‘ – ‚Schlachtmusik‘ (1994), ‚Count Me Out‘ (1996), ‚Oh No, Not My Baby‘ (1999), ‚Painting in the Dark‘ (2000), ‚The Annex‘ (2001), ‚Pick Any Title‘ (2002), ‚No One Gets Hurt‘ (2003), ‚The Maud Allan Affair‘ (2008), ‚The Exhibitionists‘ (2011), ‚Requiem for a Daughter‘ (nur als eBook, 2011), ‚The Newly Discovered Diaries of Doctor Kristal‘ (2014).