(1928-1983)

Der Autor mit dem unaussprechlichen Namen Ibargüengoitia kam im mexikanischen Minenstädtchen Guanajuato zur Welt, wo seine Eltern eine Farm bewirtschafteten. Sein Studium der Ingenieurwissenschaften an der Universidad Nacional Autonoma in Mexico City (UNAM) brach er nach fünf Semestern ab, um drei Jahre lang im elterlichen Betrieb Hand anzulegen. Danach studierte er Dramatische Theorie und Komposition an der UNAM, sein Lehrer war der zu dieser Zeit bedeutendste mexikanische Bühnenautor Rodolfo Usigli.

1954 verfasste Ibargüengoitia sein erstes Theaterstück, Anfang der 60er-Jahre wandte er sich der Prosa zu. Nach der sarkastischen Groteske über die mexikanische Revolution ‚Augustblitze‘ und der Akademikersatire ‚Abendstunden in der Provinz‘ veröffentlichte der sprachgewandte Autor zwei satirisch gefärbte Krimis, ‚Die toten Frauen‘ und ‚Zwei Verbrechen‘. Darüber hinaus arbeitete er als Übersetzer und Kritiker, unterrichtete Drama und Spanische Literatur an verschiedenen Universitäten und schrieb von 1969 bis 1976 über 800 Kolumnen zu kulturellen Themen für die mexikanische Tageszeitung ‚Excelsior‘.

‚Die toten Frauen‘ beruht auf einer schier unglaublichen Begebenheit, die sich zu Beginn der 60er-Jahre im Norden Mexikos tatsächlich zugetragen hat. Es ist die makabre, mit schwarzem Humor erzählte Geschichte der gegensätzlichen Schwestern Serafina und Arcangela Baladro, die sich bei ihren Bemühungen, in ihrer Heimat eine illegale Bordellkette aufzubauen, arg in die Nesseln setzen – und fortan mit dem Beseitigen von Leichen fast nicht mehr nachkommen.

‚Zwei Verbrechen‘ handelt von Marcos Gonzales, genannt El Negro, der, wie auch seine Lebensgefährtin Chamuca, aus politischen Gründen in Mexiko-Stadt von der Polizei verfolgt wird. Er flüchtet deshalb zu seinem reichen, seit einem Hirnschlag an den Rollstuhl gefesselten Onkel Ramon in die mexikanische Provinz und gerät dort vom Regen in die Traufe – in die Schlingen seiner erbschleicherischen Verwandtschaft.

Ibargüengoitia verbrachte die letzte Zeit seines Lebens mit der britischen Malerin Joy Laville in Paris. Mit 55 Jahren kam er bei einem Flugzeugunglück in der Nähe von Madrid ums Leben.

Bibliografie:

‚Las Muertas‘ – ‚Die toten Frauen‘ (1977), ‚Dos Crimenes‘ – ‚Zwei Verbrechen‘ (1979).