(*1928)

Hubert Monteilhet wurde als Sohn einer Pariser Magistraten-Familie geboren und besuchte eine Jesuitenschule, bevor er an der Pariser Sorbonne Geschichte studierte und daraufhin während zehn Jahren am Lycée Carnot in Tunis Geschichte und Geographie unterrichtete. 1960 debütierte er als Krimiautor. Darüber hinaus machte er sich einen Namen als Verfasser von Sciencefiction, Kinderbüchern, polemischen Schriften zu religiösen Themen und von historischen Romanen (‚Néropolis‘, angesiedelt im Römischen Reich unter Kaiser Nero, ist Monteilhets berühmtestes Prosawerk) sowie als Gastronomiekritiker für die Zeitung ‚Sud-Ouest Dimanche‘. Monteilhet ist auch heute noch als Schriftsteller aktiv – seit seinem 80. Geburtstag hat er bereits wieder vier Krimis herausgegeben. Er lebt in der kleinen Ortschaft Garlin im Département des Pyrénées-Atlantiques.

Monteilhet, ein kühler, eleganter Stilist, hat sich schon früh darauf spezialisiert, psychologische Studien mit Elementen des Polizeiromans zu kreuzen und theologische Fragen – oft auch kulinarische Entdeckungsreisen – in die Handlung einzufügen. Sein bekanntester Krimi ‚Tödliche Ehen‘ (der erste, im Oktober 1961 erschienene Titel der legendären rororo thriller-Reihe) dreht sich um eine vertrackte, äusserst hinterhältig ausgedachte Erbschaftsintrige, deren Lösung sich aus Korrespondenzen, Berichten von Versicherungsinspektoren und Polizisten, Tagebucheintägen, Zeitungsartikeln und Tonbandaufnahmen ergibt. Paul Canova, ein verwitweter und seit knapp einem Jahr mit der schönen Russin Vera verheirateter Geschichtsprofessor an der Sorbonne, ein distinguierter Herr um die fünfzig, hat vor 25 Jahren eine Viertel Million Schweizer Franken bei einer Versicherungsgesellschaft als Altersfürsorge einbezahlt und schliesst nun zu Gunsten seines achtjährigen Sohnes eine weitere hoch dotierte Lebensversicherung ab. Einige Wochen später stirbt der kleine Xavier, nachdem er versehentlich Glassplitter verschluckt hat. Kurz danach begeht Canovas Sekretärin Selbstmord, weil sie von Vera des Diebstahls bezichtigt worden ist. Die blutjunge Studentin Béatrice, Schülerin von Canovas Assistenten (und Veras Liebhaber!) Christian Magny, wird auf dessen Empfehlung hin ihre Nachfolgerin, bald auch Canovas Bettgenossin – und Magnys Ehefrau. Als bald darauf Canova von Magny scheinbar im Affekt erschossen wird, fallen die riesigen Versicherungssummen natürlich Vera zu. Auf welch skrupellose Art Vera dies alles eingefädelt hat, und wie Béatrice, der moralisches Empfinden ebenfalls gänzlich fremd ist, zum Gegenschlag ausholt, schildert Monteilhet im zweiten Teil des beklemmenden Romans, in dem die beiden Männer nur Marionettenrollen einnehmen.

Bibliografie:
‚Les mantes religieuses‘ – ‚Tödliche Ehen‘ (1960), ‚Le retour des cendres‘ – ‚Der Asche entstiegen‘ (1961), ‚Les pavés du diable‘ (1963), ‚Le Forcat de l’amour‘ (1965), ‚Les bourreaux de cupidon‘ (1966), ‚Devoir de vacances‘ (1967), ‚Le cupidiable‘ (1967), ‚Andromac ou le meurtre par inadvertance‘ (1968), ‚De quelques crimes parfaits: divertissement criminel‘ (1969), ‚Meurtre à loisir‘ (1969), ‚Non-sens‘ (1971), ‚Requiem pour une noce‘ (1973), ‚Pour deux sous de vertu‘ (1974), ‚Mourir à Francfort‘ – ‚Der Mord auf der Buchmesse‘ (1975), ‚Esprit es-tu là?‘ (1977), ‚Retour à zéro‘ (1978), ‚Le procès Filippi‘ (1981), ‚La perte de vue‘ (1986), ‚La part des anges‘ – ‚Der Anteil der Engel‘ (1990), ‚Œdipe en Médoc‘ (1993), ‚Etoiles filantes‘ (1994), ‚Le taureau par les cornes‘ (1996), ‚Une affaire honneur‘ (1997), ‚Le ruban bleu‘ (1998), ‚Mademoiselle le juge‘ (2001), ‚Sans préméditation‘ (2005), ‚Arnaques‘ (2006), ‚Choc en retour‘ (2009), ‚Les talons d’Achille‘ (2010), ‚Les confessions du diable‘ (2011), ‚Une vengeance d’hiver‘ (2012).

++ Erstellt: August 2012 ++
++Update: Dezember 2013 ++