(Pseudonym für Robert Bruce Montgomery, 1921-1978)

Edmund Crispin wurde in Chesham Bois, Buckinghamshire, als viertes Kind und einziger Sohn schottisch-irischer Eltern geboren, sein Vater war ein ehemaliger Sekretär des Hochkommissariats von Indien. Ab 1934 ging er an die Merchant Taylor’s School in Northwood, Middlesex, seinen Abschluss in Modernen Sprachen machte er 1943 am Oxforder St. John’s College. Anschliessend unterrichtete er zwei Jahre an der hoch angesehenen Shrewsbury School.

Seine nachfolgende berufliche Laufbahn verlief mehrgleisig. Unter seinem bürgerlichen Namen Robert Bruce Montgomery arbeitete er als Musiklehrer, spielte Klavier und Orgel und komponierte Musik für Chöre und Orchester, später auch für den Film. Als Edmund Crispin, inspiriert durch seinen Lieblingsautor John Dickson Carr, debütierte er 1944 in der Belletristik. Darüber hinaus schrieb er Krimikritiken für die ‚Sunday Times‘ und gab eine siebenbändige Anthologie für Sciencefiction heraus.

Crispin lebte lange Zeit in dem ruhigen Marktstädtchen Totnes, Devon, bis er sich 1964 in einem Haus in der Nähe des Dorfes Dartington, ebenfalls Devon, niederliess. Wüst gezeichnet von seiner Alkoholsucht, heiratete er 1976 seine Sekretärin und Betreuerin Ann Clements. Zwei Jahre später, kurz vor seinem 57. Geburtstag, starb er in seinem Wohnsitz in Devon.

Crispins Krimiwerk enthält zwei Kurzgeschichtenbände und neun amüsante, leichtfüssige, an literarischen Anspielungen reiche Romane um den exzentrischen Oxforder Anglistik-Lehrer Gervase Fen – Vorbild war offenbar Crispins Tutor W.G. Moore. Professor Fen, Anfang vierzig, hochaufgeschossen und schlank, ein verheirateter Familienvater, hervorragender Literatur- und Musikkenner, ist vor allem auch ein scharfsinniger und ungemein selbstsicherer Amateurdetektiv, der aus ‚Alice im Wunderland‘ zitiert, wenn ihn etwas aus der Bahn wirft. Seinen bizarren Kriminalfällen geht er vornehmlich an akademischen Schauplätzen nach, hin und wieder in Zusammenarbeit mit der Polizei. Als Transportmittel dient ihm sein heissgeliebter, extrem kleiner, lärmiger und zerbeulter Sportwagen „Lily Christine III“, mit dem er stets in halsbrecherischem Tempo unterwegs ist. Wiederkehrende Figuren sind der hochbetagte und stocktaube, aber noch immer lebensfrohe emeritierte Professor Wilkes und Polizeiinspektor Humbleby von Scotland Yard, ein intimer Kenner der klassischen Literatur. Und Alkohol fliesst stets in Strömen.

‚Der wandernde Spielzeugladen‘ (knapp gefolgt von ‚Schwanengesang‘) sticht aus Crispins Kriminalwerk hervor. Der berühmte, aber mittellose Lyriker Richard Cadogan, der sich in London zu Tode langweilt, fährt in die Universitätsstadt Oxford, die Stätte seiner Jugend, um das Abenteuer zu suchen. Kurz nach seiner Ankunft entdeckt er mitten in der Nacht die Leiche einer älteren Frau in einem Spielzeugladen, wird bewusstlos geschlagen und kehrt am nächsten Morgen mit der Polizei an den Ort zurück – keine Leiche, kein Spielzeugladen! In seiner Not wendet sich Cadogan an seinen alten Bekannten Gervase Fen, der freudig erregt den Fall übernimmt, seine draufgängerische Art um ein Haar mit dem Leben bezahlt und schliesslich einem äusserst raffiniert vorgehenden Erbschleicher auf die Spur kommt. Auf 250 Seiten zündet der Autor ein Feuerwerk aus Slapstick, verdrehtem Witz, ausgefallenen Ideen, wilden Verfolgungsjagden und geistreichen Dialogen – mit einem Spielzeugladen, der sich auf Wanderschaft begibt.

Bibliografie:
Gervase Fen-Serie: ‚The Case of the Gilded Fly‘ – ‚Mord vor der Premiere‘ (1944), ‚Holy Disorders‘ – ‚Heiliger Bimbam‘ (auch unter dem Titel ‚Seht das Motiv und nicht die Tat‘, 1945), ‚The Moving Toyshop‘ – ‚Der wandernde Spielzeugladen‘ (auch unter dem Titel ‚Mord im 1. Stock‘, 1946), ‚Swan Song‘ – ‚Schwanengesang‘ (1947), ‚Love Lies Bleeding‘ – ‚Liebe stirbt zuerst‘ (auch unter dem Titel ‚Mit Geheimtinte‘, 1948), ‚Buried for Pleasure‘ – ‚Begräbnis am Donnerstag‘ (auch unter den Titeln ‚Mit Freuden begraben‘ und ‚Der Pfarrer und sein Poltergeist‘, 1948), ‚Frequent Hearses‘ – ‚…vorm Tor der Leichenwagen‘ (1950), ‚The Long Divorce‘ – ‚Giftbriefe‘ (auch unter dem Titel ‚Anonyme Briefe‘, 1951), ‚Beware of the trains‘ – ‚Morde – Zug um Zug‘ (Stories, 1953), ‚The Glimpses of the Moon‘ – ‚Der Mond bricht durch die Wolken‘ (1977), ‚Fen Country‘ (Stories, 1979).

++ Erstellt: Oktober 2013 ++