(1928-1985)

Kyril Bonfiglioli, genannt Bon, wurde als Spross einer englischen Hausfrau und eines italienisch-slowenischen Antiquars im südenglischen Küstenstädtchen Eastbourne geboren. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Familie evakuiert, nachdem eine Bombe ihr Anwesen zerstört hatte. Kyrils Mutter und jüngerer Bruder kamen 1943 bei einem deutschen Angriff ums Leben. Während seiner Dienstzeit bei der britischen Armee 1947 bis 1954 starb seine Frau kurz nach der Geburt des zweiten Kindes.

In der zweiten Hälfte der 50er-Jahre studierte Bonfiglioli Englisch am Oxforder Balliol College, um anschliessend als Assistent des angesehenen Kunsthistorikers Edgar Wind zu arbeiten. Parallel dazu begann er mit Kunst zu handeln, und 1960 gründete er in Oxford seine eigene Firma, die Bonfiglioli Limited, die Mitte der 60er-Jahre zum Blühen kam. Daneben gab er mehrere Sciencefiction-Magazine heraus. Seine zweite Ehe, der drei Kinder entsprangen, wurde 1969 geschieden. Im folgenden Jahr liess er sich mit seiner neuen Lebensgefährtin in Silverdale, Lancashire, nieder, und widmete sich nun vorrangig dem Krimischreiben.

Bonfiglioli war ein erstklassiger Kunsthändler mit exquisitem Geschmack, ein Hedonist, Waffennarr und Frauenheld, aber auch ein starker Trinker, und balancierte stets am Rande des Bankrotts. Aus Steuergründen zog er in den frühen 80er-Jahren auf die Kanalinsel Jersey, wo er 56-jährig an Leberzirrhose starb. Im Jahr 2001 veröffentlichte seine zweite Frau Margaret eine mit ‚The Mortdecai ABC‘ betitelte Bonfiglioli-Biografie.

Bonfigliolis alter Ego Charlie Mortdecai ist die Hauptfigur in dreidreiviertel Kriminalromanen – der vierte Band wurde posthum durch den Satiriker Craig Brown zu Ende geschrieben und 1999 erstveröffentlicht. Mortdecai, ein korpulenter, zügelloser, wortgewandter, völlig unmoralischer Oxfordabsolvent, Kunsthändler, Lebemann und Hobbydetektiv mittleren Alters, richtet sein Wort als Ich-Erzähler immer wieder an den Leser. Begleitet wird er zunächst von dem unergründlichen, schlagkräftigen Ex-Sträfling Jock Strapp – eine prächtige Mischung aus Butler und Bodyguard mit struppigem Quadratschädel.

Der erste Band ‚Nimm das Ding da weg‘ sticht hervor – eine haarsträubende, unerhört komische Geschichte mit völlig nebensächlichem Plot (Mortdecai transportiert einen gestohlenen Goya in einem antiken Rolls Royce zu einem steinreichen Amerikaner), die in den wohl seltsamsten Showdown der Krimigeschichte mündet.

Das Einzelwerk ‚All the Tea in China‘, eine Art Prequel zur Mortdecai-Serie, berichtet über die Abenteuer von Karli Van Cleef, Mortdecais jüdisch-holländischem Vorfahren, der im England des 19. Jahrhunderts mit chinesischem Porzellan handelt, bis er nach China reist, um sich dem Opiumgeschäft zuzuwenden.

Bibliografie:

Charlie Mortdecai-Serie: ‚Don’t Point that Thing on Me‘ (auch unter dem Titel ‚Mortdecai’s Endgame‘) – ‚Nimm das Ding da weg‘ (1973), ‚Something Nasty in the Woodshed‘ – ‚Die Damen und das Ungeheuer‘ (1976), ‚After You With the Pistol‘ (1979), ‚The Great Mortdecai Moustache Mystery‘ – ‚Das grosse Schnurrbart-Geheimnis‘ (1999);

Einzelwerk: ‚All the Tea in China‘ (1978).