(Pseudonym für Roger Erskine Longrigg, 1929-2000; schrieb auch als Megan Barker, Grania Beckford, Laura Black, Ivor Drummond, Rosalind Erskine und Domini Taylor)

Roger Longrigg, geboren in der schottischen Hauptstadt Edinburgh als Spross einer Offiziersfamilie (sein Vater, ein Brigadier, diente damals im Nahen Osten, der kleine Roger wuchs jedoch in England auf) war von 1947 bis 1949 Mitglied der britischen Armee und studierte daraufhin Geschichte am Oxforder Magdalen College. Anschliessend war er kurze Zeit kreativer Leiter einer Werbeagentur, ehe er nach seiner Heirat im Jahr 1959 das Schreiben als Hauptberuf wählte. In seiner Freizeit widmete er sich dem Fliegenfischen, später bewies er überdies beachtliches Talent als Kunstmaler.

Zwei in der Welt der Werbebranche spielende (in der Bibliografie nicht aufgeführte) Romane publizierte Longrigg Mitte der 50er-Jahre unter seinem angestammten Namen, neun Horrorbücher als Domini Taylor, neun humoristische Abenteuergeschichten als Ivor Drummond (mit dem steinreichen Trio Lady Jenny Norrington aus England, Count Sandro Di Ganzarello aus Italien und Colly Tucker III aus den USA im Mittelpunkt), sechs romantische Thriller als Laura Black und acht Detektivgeschichten unter seinem bekanntesten Pseudonym Frank Parrish – und in all diesen Genres war er (auch kommerziell) sehr erfolgreich.

Aufgrund seiner stilistischen Vielseitigkeit sorgte Longrigg zweimal für etwas Verwirrung: Als 1962 sein mit Rosalind Erskine gezeichnetes Buch ‚The Passion Flower Hotel‘ erschien, in dem eine Gruppe von 15-jährigen Schülerinnen den Turnsaal in ein Bordell umwandeln, um endlich erste sexuelle Erfahrungen zu sammeln, dachte man zunächst, es würde sich um einen Tatsachenbericht eines der involvierten Mädchen handeln; und 15 Jahre später wurde Longrigg/Parrish für seinen ersten Dan Mallett-Krimi mit einem Preis für den besten Thriller-Erstling des Jahres 1977 ausgezeichnet – die Jury machte lange Gesichter, als sie erfuhr, dass dies bereits die zwanzigste Veröffentlichung des Autors war. Neben seinen 55 Romanen schrieb Longrigg je ein Buch über Pferderennen und die Fuchsjagd.

Das Herz von Longriggs Krimiwerk bildet die mit verwickelten Plots und hübschen Schilderungen des ländlichen Englands aufwartende Reihe um den smarten Ex-Bankangestellten Dan Mallett aus der fiktiven Ortschaft Medwell. Mallett, ein kleiner, drahtiger Naturmensch Mitte dreissig mit grossen, blauen Augen, der von den Frauen heiss begehrt wird, kümmert sich recht liebevoll um seine cholerische, von mancherlei Gebresten geplagte Mutter, um seine Hunde und seine Vögel, und erledigt hin und wieder eine Aushilfsarbeit. Hauptberuflich ist er jedoch als Wilderer und Dieb tätig (er stiehlt, um seiner Mutter eine dringend notwendige Gelenksoperation zu ermöglichen), hin und wieder – vor allem dann, wenn seine Kreise durch einen Verbrecher bzw. durch die von dessen Tat aufgescheuchte Polizei gestört werden – auch als Ermittler.

Longrigg starb 70-jährig in einem Krankenhaus in Farnham, Surrey, und hinterliess seine Frau, die populäre Romanautorin Jane Chichester, mit der er über vierzig Jahre verheiratet war, und drei Anfang der 60er-Jahre geborene, den Namen Longrigg tragende Töchter – die bekannte Musikerin und Schauspielerin Francesca, die Redakteurin und Literaturagentin Laura und die Journalistin Clare, die zwei Bücher über die italienische Mafia publiziert hat.

Bibliografie:

Als Roger Longrigg: ‚The Desperate Criminals‘ (1971);

Als Ivor Drummond: Jenny Norrington, Sandro Di Ganzarello & Colly Tucker-Serie: ‚The Man with the Tiny Head‘ – ‚Der Mann mit dem kleinen Kopf‘ (1969), ‚The Priests oft he Abomination‘ (1970), ‚The Frog in the Moonflower‘ (1972), ‚The Jaws oft the Watchdog‘ (1973), ‚The Power of the Bug‘ (1974), ‚A Tank of Sacred Eels‘ (1976), ‚The Necklace of Skulls‘ – ‚Die Schergen der Göttin‘ (1977), ‚A Stench of Poppies‘ – ‚Durch die Blume getötet‘ (1978), ‚The Diamonds of Loreta‘ – ‚Rififi in Prag‘ (1980).

Als Frank Parrish: Dan Mallett-Serie: ‚Fire in the Barley‘ – ‚Feuer im Kornfeld‘ (1977), ‚Sting of the Honeybee‘ – ‚Der Stachel der Honigbiene‘ (1978), ‚Snare in the Dark‘ – ‚Der Mann im Dunkeln‘ (1981), ‚Bait on the Hook‘ – ‚Der Köder am Haken‘ (1983), ‚Face at the Windows‘ (auch unter dem Titel ‚Death in the Rain‘) – ‚Schatten am Fenster‘ (1984), ‚Fly in the Cobweb‘ – ‚Auf den Leim gegangen‘ (1986), ‚Caught in the Birdlime‘ (auch unter dem Titel ‚Bird in the Net‘, 1987), ‚Voices in the Dark‘ (1993).

Als Laura Black: ‚Glendraco‘ – ‚Das Geheimnis von Schloss Glendraco‘ (auch unter dem Titel ‚An ihrer Stirn geschrieben ein Geheimnis‘, 1977), ‚Castle Raven‘ (auch unter dem Titel ‚Ravenburn‘) – ‚Rabenschloss‘ (1978), ‚Wild Cat‘ – ‚Die Tochter des Grafen‘ (1979), ‚Strathgallant‘ – ‚Das tödliche Erbe‘ (1981), ‚Albany‘ – ‚Die geheimnisvolle Lady‘ (1984), ‚Falls of Gard‘ – ‚Die Wasserfälle von Gard‘ (1986).

Als Domini Taylor: ‚Mother Love‘ (1983), ‚Gemini‘ (1984), ‚Suffer Little Children‘ (auch unter dem Titel ‚Teacher’s Pet‘, 1987), ‚Praying Mantis‘ (1988), ‚Siege‘ (1989), ‚Not Fair‘ (1992), ‚The Eye Behind the Curtain‘ (1993), ‚The Tiffany Lamp‘ (1994), ‚Pig in the Middle‘ (1996).