(1914-2009)

Celia Fremlin wurde in Kingsbury, Middlesex, als Tochter eines Arztes und einer bereits 1931 verstorbenen Hausfrau und Hobbyautorin geboren und verbrachte ihre Kindheit in Herfordshire. Ihr älterer Bruder war der Kernphysiker John H. Fremlin. Sie studierte klassische Philologie und Philosophie am Oxforder Sommerville College, fand danach jedoch keine ihrer Ausbildung entsprechende Arbeit. Sie schlug sich deshalb als Süsswarenverkäuferin, Kellnerin und Putzfrau durchs Leben, kümmerte sich um ihren verwitweten Vater und schrieb zur Entspannung Humoresken und philosophische Abhandlungen. Im Zweiten Weltkrieg leitete sie einen englischen Luftschutzraum. 1942 vermählte sie sich mit dem Londoner Arzt Elia Goller, mit dem sie in London lebte und bis zu seinem Tod 1968 zusammen war. Sie zog ihre drei Kinder gross, bevor sie sich ab Ende der 50er-Jahre ganz aufs Schreiben konzentrierte. 1985 heiratete sie den (1999 verstorbenen) Autor und Übersetzer Leslie Minchin.

Fremlins Werk enthält sechzehn psychologische Thriller, zwei Sachbücher, drei Kurzgeschichtenbände und einen Gedichtband. Ihre Romane, in denen Polizisten und Detektive allenfalls in kleinen Nebenrollen auftreten, beginnen harmlos und idyllisch. Mit kühlem Blick und feiner Ironie schildert die Autorin alltägliche Familienszenen, beunruhigende Elemente lässt sie nur in homöopathischen Dosen einfliessen, und erst am Schluss offenbart sich die ganze Dimension des Grauens. In ihren stärksten Büchern – ‚Die Stunden vor Morgengrauen‘, ‚Wer hat Angst vorm schwarzen Mann‘ und ‚Klimax‘ – entwirft die scharf beobachtende, sprachlich versierte Autorin überaus präzise Psycho- und Soziogramme.

Celia Fremlin, deren letztes Buch 1994 erschienen ist, lebte von 1942 bis 2000 im Londoner Stadtteil Hampstead und liess sich dann in Bristol nieder. Die leidenschaftliche Verfechterin der Strebehilfe schied kurz vor ihrem 95. Geburtstag in einem Pflegeheim in Bournemouth aus dem Leben.

Bibliografie:

‚The Hours Before Dawn‘ – ‚Die Stunden vor Morgengrauen‘ (1958), ‚Uncle Paul‘ – ‚Onkel Paul‘ (1959), ‚Seven Lean Years‘ (auch unter dem Titel ‚Wait for the Wedding‘) – ‚Sieben magere Jahre‘ (1961), ‚The Trouble Makers‘ – ‚Unruhestifter‘ (1962), ‚The Jealous One‘ – ‚Die Eifersüchtige‘ (1965), ‚Prisoner’s Base‘ – ‚Wer hat Angst vorm schwarzen Mann‘ (1967), ‚Possession‘ – ‚Klimax oder Ausserordentliches Beispiel von Mutterliebe‘ (1969), ‚Appointment With Yesterday‘ – ‚Rendezvous mit gestern‘ (1972), ‚The Long Shadow‘ – ‚Der lange Schatten‘ (1976), ‚The Spider-Orchid‘ – ‚Die Spinnen-Orchidee‘ (1977), ‚With No Crying‘ – ‚Gibt’s ein Baby, das nicht schreit‘ (1980), ‚The Parasite Person‘ – ‚Parasiten-Person‘ (1982), ‚Listening in the Dusk‘ – ‚Zwielicht‘ (1990), ‚Dangerous Thoughts‘ – ‚Gefährliche Gedanken‘ (1992), ‚The Echoing Stones‘ – ‚Das Tudorschloss‘ (1993), ‚King of the World‘ – ‚Vaters Stolz‘ (1994).